07/06 2010
Drei Jokertore für die Relegation
Enzweihingen (sv). 75 Minuten lang sah es in der Fußball-Kreisliga-B 5 so aus, als würde Sternenfels als Sieger vom Enzweihinger Sportplatz gehen. Einen Strich durch die Rechnung machten dem SVS Patrick Buck und Manuel Adam, die in knapp fünf Minuten gleich dreimal trafen.
Es war kurz vor 19 Uhr, der Regen prasselte förmlich auf den Rasen an der Enz, da klingelte das Handy von Sternenfels-Coach Frank Sämann. Am anderen Ende der Leitung wartete seine Mutter, für die der Sohnemann allerdings nur schlechte Neuigkeiten übrig hatte – so eben hatte er den ersten Abstieg seiner Trainerkarriere erlebt. „Wir haben diese Saison oft Lehrgeld gezahlt“, resümierte Sämann, nachdem er seiner Mutter die Hiobsbotschaft überbracht hatte. Das gestrige Spiel in Enzweihingen schloss die Saison passend ab: Die fehlende Aggressivität in Halbzeit zwei hatte die Sternenfelser letzten Endes um das vermeintlich rettende Ufer, die Abstiegsrelegation, gebracht.
Dabei hatte die Elf aus dem Enzkreis ganze 75 Minuten wie der sichere Sieger ausgesehen. „Wenn wir das Spiel verlieren, dürfen wir uns überhaupt nicht beschweren“, analysierte auch Hans-Ulrich Rähmer, Trainer der Hausherren.
Gute 20 Minuten waren gespielt, als die Enzweihinger die Quittung für ihr verschlafenes Auftreten in Durchgang eins bekamen. Erkan Gümüs bekam den Ball nach einem Freistoß, legte auf seinen Mannschaftskameraden Ronny Kastner ab, der jenseits von Freund und Feind stand und so das 1:0 für die Gäste markierte. Schiedsrichter Klaus Albrecht stand dabei denkbar ungünstig und erkannte die klare Abseitsposition, in der sich Ronny Kastner im Moment des Abspiels befand, nicht.
Während die Regelkonformität des Führungstreffers also diskutabel war, beantwortete sich die Frage, ob diese Führung verdient war, von selbst. Sternenfels dominierte Enzweihingen seit der ersten Sekunde. Die Gastgeber hatten sogar Glück, dass der nicht besonders zahlreich erschienene Gästeanhang nicht schon früher jubeln durfte. In der 11. Minute war es Ronny Kastner nicht gelungen, frei vor dem Tor stehend, einzulochen. Obwohl er alle Zeit der Welt hatte, traf der Sternenfelser Angreifer nur die Latte. So weit kamen nervöse Hausherren gar nicht. Im Gegenteil: Manchmal hatte man sogar den Eindruck, als habe die Rähmer-Elf den Ernst der Lage noch nicht begriffen. Das dachte sich wohl auch Sternenfels’ Schlussmann Andreas Kastner. Den einzigen Ball, den er in Halbzeit eins fangen musste, kam von Enzweihingens Yusuf Arslan und war nicht viel mehr als ein besserer Rückpass.
Die Devise, die bei den Enzweihinger Fans für die zweite Halbzeit ausgegeben wurde, war damit klar: Zusammenreißen und auf Fritz-Walter-Wetter hoffen. Die drückende Hitze, die in der ersten Hälfte vorherrschte, machte es den Akteuren nämlich nicht leichter, Konzentration und Laufbereitschaft aufrecht zu erhalten. Der Regen deutete sich dann nach dem Seitenwechsel auch an. Rähmer machte dazu Andeutungen, nicht locker lassen zu wollen, und brachte Patrick Buck als dritte Spitze ins Spiel – eine goldrichtige Entscheidung. Just in dem Moment, als Donner und Blitz den Enzweihinger Sportplatz in eine fast schon apokalyptische Dunkelheit tauchten, stellte Buck das Licht am Ende des Tunnels dar. Aus 20 Metern Entfernung prallte ein Freistoß seines Mannschaftskollegen Thomas Prieger ans Sternenfelser Lattenkreuz, da war Buck zur Stelle und drückte den Abpraller zum 1:1 über die Linie.
Wie der SVS auf den Ausgleich zehn Minuten vor Spielende reagierte? Überhaupt nicht. Dafür nutzten die Platzherren die Gunst der Stunde und spielten plötzlich wie eine Spitzenmannschaft auf. Nur eine Minute später verwertete Buck eine Arslan-Flanke zum 2:1, erneut vier Minuten später wendete der ebenfalls eingewechselte Manuel Adam mit seinem 3:1 endgültig das Blatt. Die resignierenden Sternenfelser waren zu diesem Zeitpunkt wohl froh, überhaupt noch vollzählig auf dem Platz zu stehen. Torschütze Ronny Kastner und sein Teamkamerad Emre Agca waren nach ihren groben Fouls in den Minuten 59 und 72 mit jeweils einer Gelben Karte mehr als gut bedient. Dezimiert wurden lediglich die Enzweihinger. Bahri Uyar flog in der letzten Spielminute nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz. Das bekamen ein Großteil der Zuschauer allerdings nicht mehr mit: Viele waren vor dem strömenden Regen geflohen. Referee Albrecht machte aber keine Anstalten, vorzeitig abzupfeifen.
Bereits nächsten Mittwoch trifft Enzweihingen in der Relegation auf C-Ligist Germania Bietigheim II. Rähmer schätzt den Gegner als harten Brocken ein: „Wenn wir da wieder die erste Hälfte verschlafen, werden wir abgeschossen.“ Das ist seiner Elf gestern mit viel Glück erspart geblieben.
TSV Enzweihingen: Schock – Scherer (46. Buck), Holzer, Schmoll, Held, Thiel, Uyar, Keller (78. Adam), Arslan, Prieger, Lorenzo Chimenti (63. Bircan).
SV Sternenfels: Andreas Kastner – Schlotterbeck, Gümüs, Oruc, Ziegler, Nass, Kugler (37. Craiss), Wagner, Ronny Kastner (69. Agca), Schäfer (68. Christian), Kula.
Tore: 0:1 Ronny Kastner (21.), 1:1 und 2:1 Patrick Buck (80./81.), 3:1 Manuel Adam (85.).
Gelb-Rote Karte: Bahri Uyar (90.+1, Enzweihingen, wiederholtes Foulspiel).
Spieler des Tages: Patrick Buck (Enzweihingen).
Schiedsrichter: Klaus Albrecht (Talheim).
Zuschauer: 100.
