Vaihingen (sv). In den großen Stadien der Bundesliga ist es schon lange gang und gäbe: Fans feuern ihr Team mit in den Vereinsfarben gehaltenen Fanschals, Fahnen oder Mützen an. Kein Wunder, dass dieser Trend sich auch auf den Sportplätzen in Vaihingen und Umgebung beim zwölften Mann immer mehr durchsetzt.
„Die Idee, irgendetwas zu machen, kam von den Zuschauern. Da ist dann das Wort ‚Schal’ gefallen.“ Christian Richter, eigentlich Torhüter beim Bezirksliga-Absteiger VfB Vaihingen, blickt auf die Entstehungsgeschichte der VfB-Fanschals zurück. Ganz im traditionellen dunkelblau sind die Accessoires gehalten, das Vereinswappen mit dem Vaihinger Löwen und der Wahlspruch „Blues in Action“ prangen auf ihnen.
Nachdem die Zuschauer den Stein in Sachen VfB-Fanartikel ins Rollen gebracht hatten, hat Torwart Richter das Heft in die Hand genommen. Im Internet hat Richter die Fanschals kreiert und verkauft diese jetzt auf Nachfrage. Die Resonanz sei gut. „Hier gab’s ja gar kein Merchandising“, blickt der Vaihinger zurück, „deswegen war die Nachfrage ziemlich hoch. Es sind auf Anhieb alle Fanschals weg gegangen, ohne, dass ich groß betteln musste.“
Der Erfolg der Fanartikel spricht eine deutliche Sprache. Kein Wunder: Die bunten Anhängsel sind schließlich ein Zeichen für Verbundenheit zum Verein und zur Mannschaft. Das hat man beim FV Roßwag schon lange erkannt. Viele Fußballfans aus der Umgebung haben die Saison 2006/2007 noch gut in Erinnerung. Damals scheiterte der FVR erst im letzten Relegationsspiel am Bezirksliga-Aufstieg. Die Fans der Roßwager waren damals schon mehr als bezirksligatauglich. Obwohl die Spiele auf neutralem Platz ausgetragen wurden und somit Autofahrten quer durch den Bezirk nötig waren, wurde die Elf vom damaligen Trainer Siegfried Blum stets von einer Menschenwand in Lila-Weiß unterstützt.
Mittlerweile gehört der Besitz von FVR-Fanartikeln in Roßwag zum guten Ruf. „Es ist beinahe Pflicht, bestimmte Artikel zu besitzen, zum Beispiel die Schildkappe mit Wappen“, erklärt Charlotte Rapp. Die Studentin kümmert sich beim Verein aus dem Vaihinger Ortsteil unter anderem um Homepage und Stadionzeitung und ist auch im Fanartikelgeschäft voll involviert. Das neue Roßwager Vereinswappen stammt auch aus Rapps Feder und soll laut Autorin zur Vereinheitlichung von Fanartikeln, Briefköpfen und sonstigen Beschriftungen führen. „Wegen der großen Ortsverbundenheit, wurde das Ortswappen integriert“, schildert sie die Entstehungsgeschichte.
Wer alle Roßwager Fanartikel aufzählen will, braucht ein gutes Gedächtnis. So gibt es zum Beispiel Aufkleber, Poloshirts, Fantrikots, Fanschals und Mützen. „Kurz vor den Relegationsspielen im Sommer 2007 ist mir die Idee gekommen, Autofahnen herzustellen. Das kam super an, meine 30 Prototypen waren sofort vergriffen“, sagt Rapp. Auf einem Kindergeburtstag, fährt die Studentin fort, seien sogar einmal Roßwager Fanartikel gebastelt worden. Kein Wunder, dass der lila-weiße Anhang als Vorreiter in Sachen Merchandising gilt. „We are lila, we are white, we are Roßwag Dynamite“, lautet die Lobhymne an die Vereinsfarben des Fußballvereins, die sich darüber hinaus auch noch gut skandieren lässt.
So weit ist man auf den anderen Sportplätzen in der Umgebung noch nicht. Von Stillstand kann aber bei weitem keine Rede sein. Neueste Entdeckung beim Stadtpokal am Sonntag waren grün-weiße Fanschals vom TSV Kleinglattbach, die bei der Pokalübergabe geschwenkt wurden. Beim VfB Vaihingen sollen die Schals nur der Anfang gewesen sein.
Richter: „Ich habe mir schon Gedanken gemacht, ob wir auch Mützen oder Schlüsselanhänger im VfB-Design entwerfen sollen. Längerfristig soll es auf jeden Fall auch noch andere Artikel geben.“ Der zwölfte Mann fängt langsam auch in den unteren Ligen an, Farbe zu bekennen. Beim nächsten Sportplatzbesuch nach Fanartikeln des eigenen Vereins Ausschau zu halten, lohnt sich also in jedem Fall.
