Donnerstag, 24. Mai 2012

Mazzola zerschießt 07-Träume




Fast hätte 07 Ludwigsburg (in Gelb) gegen Großaspach eine Pokalsensation geschafft. Doch der Oberliga-Meister gewann mit 1:0. Foto: Sattler
Fast hätte 07 Ludwigsburg (in Gelb) gegen Großaspach eine Pokalsensation geschafft. Doch der Oberliga-Meister gewann mit 1:0. Foto: Sattler

Schwieberdingen (sv). 89 Minuten lang hat Verbandsligist 07 Ludwigsburg den favorisierten Oberligameister SG Sonnenhof Großaspach in Schach gehalten. Ein Schuss von Nicolo Mazzola beendete den Traum von der Pokalsensation.

„Unsere Enttäuschung ist nicht in Worte zu fassen“, sagte Ludwigsburgs Spielführer Marco Fischer Minuten nach dem Abpfiff. Den Pokal vor Augen, blieb ihm und seinen schwarz-gelb gekleideten Mannschaftskameraden am Ende nichts anderes übrig, als den Großaspachern zum Titelgewinn und der damit verbundenen Qualifikation für die erste Runde des DFB-Pokals zu gratulieren.

Besonders schmerzhaft gestaltete sich die Niederlage für die Ludwigsburger, weil es ihnen gelungen war, Oberligameister SG Sonnenhof Großaspach über 89 Minuten nicht zum Torerfolg kommen zu lassen. Die Geschichte dieser vorletzten Minute ist schnell erzählt. Eckball, ein Sonnenhof-Kopfball prallt vom Innenpfosten zu Nicolo Mazzola, der das Spielgerät kraftvoll und unhaltbar für 07-Schlussmann Robert Belosevic ins rechte Eck setzt. Eine Phase, in der sich die 1450 Zuschauer bereits auf die Verlängerung eingestellt hatten, durchbrachen roter Jubel und Trauer in Schwarz-Gelb.

Gianni Coveli, Trainer der Barockstädter, sagte: „Wer weiß, wann es für einen Verbandsligisten mal wieder die Chance gibt, in den DFB-Pokal einzuziehen.“
Von WFV-Seite wurde dem Sechstligist schon alleine für das Erreichen des Pokalfinales gratuliert. Ein bisschen Losglück hatte 07 dabei aber auch. So trafen die Ludwigsburger erst im Halbfinale auf einen höherklassigen Gegner, nämlich den FV Illertissen aus der Oberliga. Im Viertelfinale wurde der Coveli-Elf in Bezirksligist TSG Balingen II der vermeintlich leichteste Kontrahent im Topf zugelost. Pokalsieger Sonnenhof musste auf dem Weg zur Trophäe hingegen einige Hochkaräter aus dem Weg räumen. Die Großaspacher schalteten im Achtelfinale beispielsweise Drittligaabsteiger Stuttgarter Kickers mit 1:0 aus und besiegten im Viertelfinale den SSV Reutlingen nach Verlängerung mit 2:1.

Vielleicht steckte dem Favoriten dieses Vorprogramm in der ersten Viertelstunde des Endspiels noch in den Beinen. Frech und frisch agierten in der Anfangsphase nämlich vor allem die Kicker des Sechstligisten aus der Kreisstadt. Bereits nach sechs Minuten wäre dieses respektlose Aufspielen fast belohnt worden. Mustapha El M’Hassanis Versuch nach einer Ecke scheiterte aber am Einschreiten eines Sonnenhof-Abwehrspielers auf der Torlinie.

Bei 07 ging viel über die linke Seite, wo auch die Fans der Barockstädter ordentlich Krach machten. Imposant, wenn aus hunderten Ludwigsburger Kehlen zur Melodie des Beatles-Songs „Hey, Jude“ die Vereinsfarben „schwarz-gelb“ besungen werden. Weniger imposant das Spiel bis zum Seitenwechsel.
Nur zweimal ging ein Großaspacher Raunen durch das Felsenbergstadion. Einmal nach 42 Zeigerumdrehungen, als Saer Sene nach einer Flanke übers Tor köpfte. Ein zweites Mal in der Nachspielzeit, da sich die Ludwigsburger Abwehr von einem langen Ball übertölpeln ließ, Abedin Krasniqi aber nur den Torwart anköpfte.

Durchgang zwei hatte in puncto Torchancen schon mehr zu bieten. Bereits nach vier Minuten lag der Ball im Tor der Barockstädter – Rüdiger Rehm hatte ihn hineingeköpft. Das Schiedsrichter-Gespann um Martin Petersen (Stuttgart) hatte aber eine Abseitsstellung gesehen. Petersen zeigte eine sichere Spielleitung, musste sich aber nach dem Spiel die Zuschauerkritik gefallen lassen, den Oberligisten mit zu viel Respekt angefasst zu haben.

Trotz nun deutlich werdender Dominanz des Regionalligisten in spe hatte Ludwigsburg in der 65. Minute die Riesenchance zur Führung. Ümut Genc passte mit Auge auf Christian Kuhn, der in der Eins-zu-eins-Situation gegen Großaspachs Keeper Milan Jurkovic den Ball über das Tor schoss. Drei Minuten später war der Favorit wieder gefährlich. Nach einem Schuss von Mazzola, den Belosevic in höchster Not abwehrte, durfte sich die gesamte Sonnenhof-Angriffsreihe am Torschuss aus kurzer Distanz versuchen. Aber immer war ein Ludwigsburger Bein dazwischen.
Apropos Belosevic: Wenn jemand am Dienstag das Potenzial zum Pokalhelden gehabt hätte, dann der Ludwigsburger Schlussmann. Mehr als einmal bügelte er die Fehler seiner Vorderleute wieder aus und zeigte sehenswerte Paraden. Erwähnenswert ein aufs Tor gezielter Freistoß von Sene, bei dem der Keeper eine klasse Faustabwehr zeigte.

Am Ende hat’s nichts gebracht. Dank Mazzola zieht Sonnenhof Großaspach in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals ein und darf auf einen attraktiven Gegner hoffen. Wen man sich auf dem Sonnenhof wünsche? SG-Trainer Thomas Letsch: „Natürlich wollen jetzt alle den Namen Bayern München hören, aber ich denke, dass es schon attraktiv ist, in dieser Runde zu stehen. Da ist es egal, ob ein Erst- oder Zweitligist kommt.“

07 Ludwigsburg: Belosevic – Adzic (90. Botta), Knezevic, Berberoglu, El M’Hassani, Fischer, Genc, Kuhn, Hirsch, Polat (21. Schneider), Morina.

SG Sonnenhof Großaspach: Jurkovic – Grab, Franz (90. Cimander), Aupperle, Schmiedel (90. Adamos), Rehm, Mazzola (90.Perlipetz), Wengert, Krasniqi, Marschlich (68.Deiß), Sene.




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