Donnerstag, 09. Februar 2012

Angst hat er nur vor Noppenspielern


Tischtennis-Regionalliga
Mario Dierolf gilt als eines der größten Tischtennis-Talente im Land. Foto: Wirth

Hohenhaslach (dha) – Mario Dierolf ist wohl das größte Tischtennistalent aus dem Raum Vaihingen und einer der besten Spieler seines Alters in Baden-Württemberg. Der 15 Jahre alte Hohenhaslacher bestritt sogar schon ein Spiel für die erste Herrenmannschaft des TSV Untermberg in der Regionalliga.
Es gibt unterschiedliche Anfänge einer großen Karriere. Der eine wird als Kind entdeckt, der nächste beginnt schon im Kindergartenalter und dann gibt es wieder andere, die ihr Talent und ihre Leidenschaft erst später entdecken. Zu dieser Sorte gehört der 15-jährige Hohenhaslacher Mario Dierolf. Bis zu seinem zwölften Lebensjahr spielte Dierolf nur Fußball. Mit fünf Jahren fing er an, in Hohenhaslach beim SCH nach dem runden Leder zu treten. Beim Oberligisten SGV Freiberg hatte er als Zwölfjähriger ein Probetraining absolviert und die Freiberger wollten, dass er bei ihnen spielt.
Doch in dieser Zeit gab es an Dierolfs Schule, dem Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim, einen Tischtennis-Workshop. Diesen Workshop hat damals ein Trainer aus Untermberg durchgeführt, der Dierolf dann anbot, zu einem Probetraining nach Untermberg zu kommen. Dieses Training begeisterte den Jugendfußballer so sehr, dass er sich fürs Tischtennis entschied und mit dem Fußball aufhörte.
Bisher war es die richtige Entscheidung, denn was alles in den vergangenen drei Jahren passiert ist, ist erstaunlich. Seit dem Probetraining trainiert Dierolf in Untermberg zusätzlich zum Spielbetrieb –  acht Stunden, die sich auf vier Mal pro Woche verteilen. Durch diese Einheiten hat der Rechtshänder schon einige Erfolge gesammelt. Die wichtigsten waren der mehrfache Gewinn der Bezirksmeisterschaft in Einzel und Doppel sowie die Teilnahme an den baden-württembergischen Meisterschaften 2006 in Bietigheim. Im Jugendbereich war er im selben Jahr mit seinen Mannschaftskameraden Flamur Zeqiraj, Tillman Kerbel und Kai Friedrich drittbeste Mannschaft Süddeutschlands. Doch der bisher größte Erfolg ist unumstritten ein Einsatz in der Herren-Regionalligamannschaft des TSV – mit 15 Jahren.
Dierolfs Erfolge sind auch ein Verdienst der guten Jugendarbeit der Untermberger. „Der TSV legt einfach sehr viel Wert auf die Jugendarbeit. Deshalb will der eine oder andere Jugendliche auch dort spielen. Matthias Grünewald geht hier mit großem Engagement voran“, ist auch der Youngster zufrieden. Für Dierolf kommt im Jugendbereich die härteste Konkurrenz vom TGV Eintracht Beilstein.
Im Jahr 2007/08 wurde erstmals eine Jugendfreigabe für das TSV-Talent gestellt. Deshalb spielte er im vergangenen Jahr nur bei den Aktiven. In der zweiten Mannschaft in der Verbandsklasse Nord machte Dierolf alle Spiele. Das zweite Team ist Dierolfs Hauptmannschaft. Hier lautete seine Bilanz 6:17. Im Doppel mit Stefan Dörr spielte der Jugendspieler weit positiv. Am Ende stand für das Team Mittelfeldplatz sechs zu Buche.
Doch Dierolf wurde auch in der dritten Mannschaft im vorderen Paarkreuz aufgestellt, um bei wichtigen Spielen auszuhelfen. In der vergangenen Saison war das 15 Mal der Fall. Hier lautet die Bilanz 19:9. Am Ende reichte es für die TSV-Dritte zur Vizemeisterschaft. Die Doppel bestreitet er zusammen mit dem Löchgauer Michael Lang, der auch in der TSV-Jugend spielte. Mit der dritten Mannschaft traf Dierolf auch zweimal auf Bezirksligist SV Horrheim. Gegen Richard Könne und Valentin Holzberger fuhr er Siege ein. Doch gegen SVH-Spitzenspieler Ralf Mettke unterlag er jeweils 1:3.
Und dann ist da noch das schönste Erlebnis in der Tischtennislaufbahn des Mario Dierolf: In der vergangenen Saison kam er zu einem Einsatz in der ersten Herrenmannschaft des TSV in der Regionalliga Süd. In der Hinrunde wurde er bei der 4:9-Heimniederlage gegen den späteren Aufsteiger ITTC Sachsen Döbeln II aufgeboten. „Es war einfach nur toll. Ich war so nervös, aber im Spiel ging es dann eigentlich. Es ist schon etwas tolles, auf diesem Niveau, gegen solche Gegner spielen zu dürfen“, freute sich Dierolf nach dem Spiel im November. Gegen den aktuellen Juniorennationalspieler Erik Bottroff hielt er gut mit, unterlag aber mit 8:11, 8:11 und 6:11. Zuvor hatte er im Doppel mit Sasa Ignjatovic gegen Aleksandr Smirnov/Richard Feber ebenfalls mit 0:3 verloren. Die TSV-Erste beendete die Saison am Ende mit Rang acht, gleichbedeutend mit dem Klassenerhalt.
Auf die Frage nach weniger schönen Tischtenniserlebnissen lautet die überraschende Antwort des Schützlings von TSV-Coach Zoran Barbic: „Die gab es nicht. Bisher war ich mit allem zufrieden.“
„Möchte festen Platz
in der ersten Mannschaft“
Gibt es denn nichts was den Tischtennisspieler Mario Dierolf überfordert oder Angst macht? Angstgegner hat doch fast jeder. So auch Dierolf: „Meine Angstgegner sind meistens Noppenspieler.“
Dem Gymnasiasten steht womöglich eine große Karriere bevor. Zumal er hohe Ansprüche an sich selbst hat. „Ich möchte einen festen Platz in der ersten Mannschaft“, sagt er selbstbewusst. In seiner ersten Saison war Dierolf als zehnter Mann gemeldet. Die Stammformation umfasst sechs Spieler. Der junge Hohenhaslacher soll langfristig an die erste Mannschaft herangeführt werden. Dierolf selber möchte noch länger im Stadtteil Bietigheim-Bissingens spielen. „Ich denke ich bin beim TSV gut aufgehoben. Über einen Vereinswechsel habe ich mir bisher noch keinerlei Gedanken gemacht.“
Der einzige Nachteil ist der Weg zum Training vom Sachsenheimer Ortsteil ins knapp zehn Kilometer entfernte Untermberg. Doch hier konnte das Talent Abhilfe schaffen: „Zum Training fahre ich immer mit meinem Mofaroller und zu den Spielen und Turnieren fährt mich mein Vater, der dann meistens auch mitgeht.“ Doch der Vater begleitet nicht nur, sondern es kommt natürlich auch zum Vater-Sohn-Duell. Und wie enden diese Spiele zwischen Vater Stefan, der in der zweiten Herrenmannschaft des SV Horrheim (Bezirksklasse) im mittleren Paarkreuz den Schläger schwingt, und dem Sohnemann? „Natürlich gewinne ich immer“, antwortet Dierolf junior.
Für Mario Dierolf gibt es aber noch mehr außer Tischtennis. „In meiner Freizeit spiele ich gerne Fußball“, sagt er. Außerdem ist da ja noch die Schule. Dierolf geht in die neunte Klasse des Lichtenstern-Gymnasiums. Sein Hobby beeinträchtige die schulischen Leistungen nicht.
Auch im Tischtennis bringt Dierolf starke Leistungen: Eine Zeit lang war er drittbester Spieler aller U 15-Spieler Baden-Württembergs. Doch diesen Titel ist der reine Angriffsspieler in der Zwischenzeit wieder los. Aufgrund des Alters musste er in diesem Jahr bei der U 18 spielen und ist dort unter die 20 besten Spieler in Baden-Württemberg gekommen. Die Konkurrenz bei den Jungen U 18 ist so stark, dass Dierolf nur über Härtequote teilnehmen durfte. Dort war er der jüngste Teilnehmer.
Doch Dierolf hat auch schon Zukunftspläne: „Ich hoffe natürlich, dass ich in den nächsten zwei Jahren, in denen ich noch mitspielen darf, wieder ganz vorne mitspielen werde. Zusätzlich werde ich in der zweiten Herrenmannschaft alle Spiele bestreiten.“ Man darf gespannt sein, was noch alles passiert in der Karriere des wohl größten und erfolgreichsten Tischtennistalents der Region.


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