Donnerstag, 24. Mai 2012

Matthias Beyer: Vom „Spüli“ zum „Chef“


Beyer kommt aus Vaihingen.
Matthias Beyer ist seit rund 100 Tage Sportkreisjugendleiter.

Vaihingen – Matthias Beyer aus Vaihingen ist seit rund 100 Tagen Sportkreisjugendleiter. Im VKZ-Interview erzählt er, wie er zu diesem Job gekommen ist, welche Aufgaben er hat und welche Ziele er verfolgt.

Die Sportkreisjugend ist vor allem durch ihre Zeltlager im Füllmenbacher Hof und in Untersteinbach bekannt. Waren Sie als Kind, beziehungsweise Jugendlicher selbst dort?
Ja, ich komme sozusagen aus der eigenen Sportkreisjugend heraus. Ich war zwar nie selbst im Füllmenbacher Hof, aber mit elf Jahren war ich zum ersten Mal in Unter-steinbach, wo es mich dann jährlich hingezogen hat. Als ich mit 15 dann eigentlich zu alt dafür war, habe ich mich mit einer Gruppe anderer Zeltlager-Fans dafür eingesetzt, dass es ein Pfingstlager für die 15- bis 17-Jährigen gibt. Parallel war ich als Spüli, also als Küchenhilfe, in Untersteinbach und als ich 18 wurde, wurde ich Betreuer, was ich heute immer noch bin. Ich bin also schon frühzeitig vom Zeltlager-Virus infiziert worden.

Um was kümmert sich ein Sportkreisjugendleiter noch, außer um die Zeltlager?
In den Zeltlagern gibt es das ganze Jahr über etwas zu tun. Aber ich habe noch sehr viel mehr zu tun. Zum Beispiel muss ich viele Ehrungen vornehmen. Vor allem aber habe ich administrative Aufgaben. Und dann gibt es auch Projekte, die wir initiiert haben oder für die wir uns einsetzen. Die Jugendschutzaktion „Schon 16“ ist zum Beispiel ein Projekt, das mir am Herzen liegt. Es gibt einen ganzen Aufgabenkatalog, in dem steht, was ich zu tun habe. Da heißt es zum Beispiel: Ansprechpartner des Landratsamts, Pflege nationaler und internationaler Kontakte, Mitarbeit bei der Erstellung des Haushalts, Mitarbeit bei der Zeitschrift Litfass und die Teilnahme an Sitzungen des Kreisjugendrates. Zudem bin ich auch noch der Ansprechpartner für unseren FSJler und so weiter.

Haben Sie schon vor ihrem Amtsantritt gewusst, was auf Sie zukommt?
Eigentlich schon. Als mich mein Vorgänger Matthias Müller darauf angesprochen hat, ob ich nicht ein Ehrenamt übernehmen will, dachte ich zunächst an Beisitzer oder etwas ähnliches und war dann sehr überrascht, als er mir eröffnet hat, was er wirklich mit mir vor hat. Ich habe ihn dann gebeten, mir den eben angesprochenen Aufgabenkatalog zu geben, damit ich weiß, was auf mich zukommt.

Haben Sie gleich Ja gesagt?
Nein, ich habe mir es sehr gut überlegt. Ich bin Berufsfeuerwehrmann, arbeite im Schichtdienst. Zudem betreibe ich nebenher eine kleine Firma, in der ich Erste-Hilfe-Kurse anbiete. Ich dachte nur: zwei Berufe und ein Ehrenamt – wow, das könnte heftig werden. Mir war klar, dass der Sportkreis nicht wenig Arbeit ist und ich wollte mir sicher sein, dass, wenn ich Ja sage, ich den Job auch richtig ausfülle. Am Ende hat mich dann die Herausforderung gereizt.

Was bringt einen eigentlich dazu, ein solches Amt zu übernehmen?
Ich halte die Arbeit im Jugendbereich für sehr wichtig, wenn es nicht sogar die wichtigste überhaupt ist. Hier kann man die Leute von morgen prägen. Alle schimpfen immer über die Jugend, tun aber nichts. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es auch sehr dufte Kerle gibt. Ich war schon immer motiviert, wenn es um junge Menschen ging. In diesem Bereich kann man etwas bewegen und dabei geht es nicht um Titel und Ansehen.

Und welches Fazit ziehen Sie nach rund 100 Tagen?
Es gab Tiefen und Höhen. Die Tiefen waren Fehler, die einem Neuen eben passieren. Dabei muss ich aber sagen, dass ich von erfahreneren Sportkreismitgliedern großartig unterstützt werde. Aber wie gesagt, gab es in den ersten 100 Tagen auch super Höhen. Dazu zähle ich auch die Ehrungen. Ich bin direkt bei den Vereinen, vor Ort und kann dort selbst etwas bewegen.

Matthias Müller ist ihr Vorgänger. Glauben Sie, seine Fußstapfen ausfüllen zu können? Viele halten ihn für einen Wirbelwind.
Das ist er auch. Er hat sehr viel gemacht und war super engagiert. Aber am meisten imponiert mir sein enormes Fachwissen. Wir teilen viele Ansichten, liegen auf der gleichen Wellenlänge und uns verbinden sehr viele Ähnlichkeiten, aber es bringt nichts, in seine Fußstapfen treten zu wollen. Ich muss meinen eigenen Weg gehen. Allerdings steht das Grundgerüst, nach welchem die Sportkreisjugend arbeitet, und an diesem muss nichts geändert werden.

Müller ist nun Präsident des Sportkreises. Könnten Sie sich einen ähnlichen Werdegang vorstellen?
Im Moment gar nicht. Ich lebe für die Jugend. Vielleicht ändert sich das in ein paar Jahren, aber momentan bin ich da gut aufgehoben, wo ich bin.

Sie arbeiten ehrenamtlich für den Sportkreis, aber ist ein Verband, der sich aus Ehrenamtlichen zusammensetzt in der heutigen Zeit überhaupt noch zukunftsfähig?
Wenn ich unseren Sportkreis mit anderen vergleiche sind wir überlebensfähig, denn wir haben durch unsere Zeltlager einen direkten Draht zum Nachwuchs. Andere finden dagegen schwer junge Leute, die nachrücken,

Und wie sehen Sie die Zukunft der Sportvereine?
Da sieht es kritisch aus, aber das ist ein Problem, das die ganze Gesellschaft betrifft, weil die Leute heute beruflich sehr eingespannt sind und flexibel sein müssen. Viele wollen dann nicht noch den Druck eines Ehrenamtes. Und von der Politik kommt keine Unterstützung. Im Rahmen des neuen Ehrenamtgesetzes wurde beschlossen, dass man für das Ehrenamt anstatt wie bisher zwölf nur noch zehn Tage freigestellt wird. Wir wollen aber versuchen, den Vereinen zu helfen, Fragen zu beantworten, wenn welche aufkommen und Anleitungen zu geben, wie sie das Problem in den Griff bekommen.

Ehrenamt ist ein Schlagwort in dieser Zeit. Das andere ist Integration. Nach wie vor ist es doch so, dass in den Zeltlagern überwiegend deutsche Kinder sind, oder?
Das stimmt, aber Integration halte ich für ein super wichtiges Thema. 2009 wollen wir auch ein dementsprechendes Projekt in die Wege leiten. Wegen den Freitzeiten haben wir uns überlegt, ob wir vielleicht mal die Kulturvereine anschreiben, auch wenn das keine Sportvereine sind. Das Problem ist nur, dass wir bei den Zeltlagern nur eine begrenzte Anzahl von Kindern und Jugendlichen aufnehmen können und die Plätze sind immer sehr schnell vergeben. Aber es ist auf jeden fall wichtig, Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Kulturen zusammenzuführen.

Was sind denn Ihre Ziele für Ihre vierjährige Amtszeit?
Ich habe mir vorgenommen, meinen eigenen Weg zu finden und etwas zu bewegen. Und zudem die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden und den Sportvereinen sowie unter den Sportvereinen selbst zu verbessern. Als nächstes möchte ich auf der Homepage eine Art Forum aufbauen, in dem sich die Vereine austauschen können. Auf jeden Fall freue ich mich auf die vier Jahre.

Und danach wird es einen neuen Sportkreisjugendleiter geben?
Nein, ich glaube nicht. Bei meiner Entscheidung, das Amt zu übernehmen, habe ich mir gesagt, dass ich es lassen sollte, wenn ich nur eine Amtsperiode machen will. Man weiß zwar nicht, was sich beruflich verändert, aber ich denke, dass die Beziehung zwischen mir und dem Sportkreis weiterhin Bestand haben wird.

Die Fragen stellte Eva Wirth


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