Zwei Vaihinger starten für Deutschland
Vaihingen – Kolja Meyer und Michael Marx sind im Nationalkader für die Faustball-Europameisterschaft, die vom 25. bis zum 27. Juli in Stammheim stattfindet. Im Interview sprechen die beiden darüber, wie es sich anfühlt, ein Nationalspieler zu sein und was jetzt auf sie zukommt.
Wie fühlt es sich denn an, ein frisch gebackener Nationalspieler zu sein?
Marx: Relativ gut, aber es ist schade, dass Andreas Rothmaier nicht nominiert worden ist, aber der Bundestrainer hat so entschieden.
Meyer: Deshalb gab es bei uns auch keinen großen Freudenausbruch, aber es ist toll.
Marx: Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert, da ich zur Zeit sehr viel um die Ohren habe. Demnächst stehen bei mir in der Uni Prüfungen an. Das kommt wahrscheinlich erst, wenn wir ins Stadion laufen und uns rund 2500 Leute zujubeln werden.
Waren Sie vor der Nominierung sehr nervös und haben Sie eigentlich wirklich damit gerechnet, bei der EM dabei zu sein?
Meyer: Ich war am Anfang ja gar nicht nominiert und wurde nur eingeladen, weil die anderen Angreifer abgesagt hatten. Ich wurde bisher als Hallenspezialist eingestuft, aber da hat sich einiges getan. Ich habe aber trotzdem damit gerechnet, dass ich nach dem ersten Lehrgang rausfliege. Als dies aber nicht geschah und es anschließend super lief, war ich optimistisch.
Marx: Da ich letztes Jahr schon fast im WM-Kader gewesen wäre und es beim Lehrgang in Braunschweig sehr gut lief, war ich ebenfalls sehr optimistisch. Trotzdem war ich bei der Nominierung sehr nervös.
Wie läuft eine solche Nominierung eigentlich ab?
Meyer: Trainerstab und Spieler kommen zusammen. Dann werden die Namen vorgelesen. Es läuft also nicht wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ ab. Bei der Nominierung gibt es auch keine Einzelkritik. Wer wissen will, warum er nicht dabei ist, kann den Bundestrainer zwei Tage später anrufen.
Sie haben beide noch kein offizielles Länderspiel für die Herren bestritten – fühlen sich trotzdem erfahren genug für eine Europameisterschaft?
Marx: Ja. Ich zum Beispiel spiele schon seit der A-Jugend unter Nationaltrainer Olaf Neuenfeld und ich wurde mit der A-Jugend und den Junioren bereits mehrmals Europameister. Deshalb kenne ich auch die Spieler der anderen Nationen, da ich mit ihnen praktisch groß geworden bin.
Meyer: Außerdem sammeln wir auch in der Bundesliga, bei deutschen Meisterschaften oder bei internationalen Turnieren mit dem TV Vaihingen Erfahrungen. Im Kader sind übrigens sehr viele junge Spieler. Der goldene Jahrgang, der über Jahre den Stamm gebildet hat, steht nicht mehr zur Verfügung.
Rechnen Sie sich trotz Ihrer geringen Erfahrung Stammplätze aus?
Meyer: Beim Faustball ist es so, dass Deutschland nur ein paar echte Konkurrenten hat. Wer in diesen Spielen zum Einsatz kommt, ist schwer zu sagen, weil es von vielen Faktoren abhängig ist. Trotzdem stehen die Chancen für uns nicht schlecht. Allerdings kann man auch schnell wieder draußen sein, denn beim Faustball kann ständig gewechselt werden, aber wenn es nicht gegen die Topfavoriten geht, darf wahrscheinlich jeder mal aufs Feld.
Marx: Ich denke auch, dass es nach den Lehrgängen nicht schlecht für uns ausschaut, obwohl es auch sein könnte, dass der Bundestrainer zunächst erfahreneren Spielern sein Vertrauen schenkt.
Am 25. Juli geht’s los. Wie nutzen Sie die restlichen fünf Wochen, um sich vorzubereiten?
Marx: Zunächst habe ich mal eine Prüfung verlegt, die für den 25. Juli anstand. Andreas Rothmaier und ich trainieren schon die ganze Saison über dreimal die Woche. Also einmal mehr als die anderen TVV-Spieler. Das werde ich auch weiterhin tun.
Meyer: Ich denke aber auch, dass das Training mit dem TVV vielleicht etwas anders ausgerichtet wird. Bisher war unser alleiniges Ziel die deutsche Meisterschaft. Deshalb war alles darauf ausgerichtet. Jetzt gibt es noch einen Höhepunkt, die EM.
Sie haben gerade das zusätzliche Training angesprochen. Gab’s vom Bundestrainer Hausaufgaben?
Meyer: Nein, aber wir stehen bis zum Turnier unter Beobachtung des Bundestrainers. Konditionell sind wir Vaihinger ja sehr gut aufgestellt, aber es gibt immer Sachen, die man verbessern kann. Ich kann schauen, dass meine Angabe variabler wird.
Marx: Und ich habe mir das Ziel gesetzt, dass ich acht von zehn Zuspielen auf einen halben Meter legen muss. Das kann man aber mit relativ einfachen Übungen und vielen Wiederholungen trainieren.
Deutschland wird von Experten jetzt schon als Dritter gehandelt. Ist das auch Ihr Ziel?
Meyer: Ja, da wir noch eine sehr unerfahrene Mannschaft sind, kann man auch nicht mehr erwarten.
Marx: Die Favoriten sind mit Sicherheit Österreich und die Schweiz. Gegen die Mannschaften wird es schwer, etwas zu holen. Vielleicht ist aber auch mehr drin, aber dann muss es richtig gut laufen, bei allen. Wir müssen einfach frech aufspielen.
Die Fragen stellte Eva Wirth

