Donnerstag, 24. Mai 2012

Ortsvorsteher im Fußballfieber


Vaihingen (ev) – Heute Abend fällt der Startschuss zur Fußball-Europameisterschaft. Die Fans sehnen diesen Termin schon lange herbei, doch wie sieht es bei den Vaihinger Politikern aus? Sind sie im Fußball-Fieber? Die Vaihinger Kreiszeitung hat bei Oberbürgermeister Gerd Maisch und den acht Ortsvorstehern nachgefragt und sie gleich einen Tipp für die Vorrundenspiele mit deutscher Beteiligung abgeben lassen.
„Der Wunsch ist der Vater des Gedanken“, bringt es Ensingens Ortsvorsteher Werner Rohloff auf den Punkt. Wenn es nach den Tipps von ihm und seinen Politikerkollegen geht, dann ist die deutsche Nationalmannschaft zumindest schon einmal souverän Gruppenerster und sicher im Viertelfinale. Keiner der acht Befragten glaubt, dass die deutsche Elf auch nur eines ihre Vorrundenspiele gegen Polen, Kroatien und Gastgeber Österreich verlieren könnte. Nur gelegentlich taucht bei den Tipps ein Unentschieden auf. „Wir hoffen eben alle, dass die deutsche Elf gut abschneidet“, meint auch Roswitha Haid, die „erste Frau“ in Riet. Auch Oberbürgermeister Gerd Maisch ist optimistisch und tippt drei Siege. Fußball-Fan sei er auch und ab und zu tritt er selbst in einer Bürgermeisterauswahl gegen das runde Leder.
Unterschiede bei den Vorhersagen gibt es nur bei der Höhe der Siege. Während Werner Rohloff der Meinung ist, dass Torhüter Jens Lehmann in den ersten drei Spielen fünf Mal hinter sich greifen muss, glauben Eduard Aldinger (Enzweihingen) und Hans-Dieter Eisinger (Roßwag), dass der Ball nur ein Mal im deutschen Tor landet. „Die anderen können doch auch Fußballspielen“, begründet Rohloff seinen Tipp. Eisinger meint dagegen, dass die Löw-Elf bis zum Turnier so gefestigt ist, dass sie wenig Gegentreffer kassiert.
Nicht nur die Tipps der neun Kommunalpolitiker unterscheiden sich, auch ihre Art, sich auf das Turnier vorzubereiten. Während die einen schon den Turnierplan auswendig kennen und Freunde zum „Privat-Viewing“ eingeladen haben, überlegen anderen schon was sie morgen Abend, wenn Deutschland zum ersten Mal im Einsatz ist, unternehmen können – so zum Beispiel Helga Eberle aus Aurich.
Sie ist der Meinung, nichts von Fußball zu verstehen. „Ich werde das Geschehen nur am Rande verfolgen“, so Eberle. Viel lieber schmökert sie in Büchern, gräbt ihren Garten um und züchtet Fische. „Ich hoffe nur, dass es am Ende einen fairen Sieger gibt.“ Ähnlich geht es Thomas Fritzlar, Ortsvorsteher in Gündelbach. Wenn er Lust verspürt, mit seiner Frau Essen zu gehen oder mit seinen Freunden etwas zu unternehmen, dann ist es ihm egal, wer gerade über den Fußballplatz rennt. „Sport im Fernsehen ist so anonym“, meint er. Anders sei es da, wenn er sonntags das lokale Fußballgeschehen verfolgen kann. „Da ist es egal, wer aufläuft. Das ist Entspannung.“
Anders geht es da den Vertretern aus Enzweihingen, Riet, Horrheim und Ensingen. Roswitha Haid schaut gerne mal ein Fußballspiel an, aber ein Fähnchen ans Auto hängen – das geht der Rieter Ortsvorsteherin zu weit. Trotzdem ist sie froh, dass der Ausflug mit dem Ortschaftsrat am 21. Juni wahrscheinlich rechtzeitig vor dem EM-Viertelfinale beendet ist. Insgesamt trauert sie aber immer noch Torwart Timo Hildebrand hinterher, der nicht mit zur EM darf.
Auch Eduard Aldinger freut sich auf die Europameisterschaft und wird versuchen, so viele Spiele wie möglich anzuschauen. Er selbst hat früher auch gespielt – in Enzweihingen und Riet. „Meist im Tor oder in der Defensive“, meint der Enzweihinger. Trotz seiner Verbundenheit will er nicht auf Sitzungen oder Nachsitzungen verzichten: „Bei manchen braucht man das hinterher einfach.“
Werner Rohloff ist schon am Rechnen. „Das Ensinger Rathaus schließt am Donnerstag um 18 Uhr. Da beginnt auch das Deutschlandspiel, aber wenn ich schnell Heim gehe, dann verpasse ich nicht viel.“ Und egal, wie weit die Deutschen kommen, Rohloff freut sich auf das Endspiel, denn das wird in der Ensinger Kelter auf einer Großbildleinwand live gezeigt. Organisiert hat dies die Fußballabteilung des TSV.
Gut vorbereitet ist auch Hans-Dieter Eisinger (Roßwag). Die Terrasse, von der aus man Fernsehgucken kann, ist gerüstet und der Ortsvorsteher ist gerade am Überlegen, ob er die Deutschlandfahne an einem Fahnenmast im Garten befestigt, aber das hänge vom Turnierverlauf ab. Das zweite Spiel will er sich mit Kollegen beim Public Viewing in Frankfurt ansehen. Der Roßwager ist dem Fußballgeschehen sehr verbunden, aber nicht nur dem im Fernsehen. Auch mit dem FVR fiebert er eifrig mit. Früher hat er dort selbst gespielt – auf fast allen Positionen, selbst im Tor. Und seit der WM ist der Weinort sowieso im Fußball-Fieber. „Letztes Jahr hat der FVR an der Relegation zur Bezirksliga teilgenommen – das hat dem Stadtteil gut getan“, sagt Eisinger. Erst die WM, dann die Relegation, jetzt die EM und was kommt 2009? „Da bin ich 50 Jahre Mitglieder beim FVR.“
Im Fußballfieber ist auch Kleinglattbachs Ortsvorsteherin Sieglinde Kühnle. Sie schaut auch sonst viele Partien an, seien es die des VfB Stuttgart in der Bundesliga oder die des heimischen TSV in der Kreisliga B5.
Ihre Vorbereitung für die EM: jeden Morgen den Sportteil in der Zeitung verschlingen und Panini-Bilder kaufen – für den Enkel versteht sich. Aber bevor der die Bilder bekommt, macht die Oma das Päckchen schon einmal auf und schaut, welcher Spieler drin ist.
Während des Fußballgroßereignisses werden deshalb auch alle Termine verlegt, so dass die Kleinglattbacherin die Spiele sehen kann. Die Pflichttermine, wie die Sitzungen, nimmt sie natürlich wahr, „aber die Nachsitzungen lasse ich sausen, wenn Fußball kommt.“ Allerdings geht die Sprechstunde in der Kleinglattbacher Verwaltungsstelle nächsten Donnerstag bis 19 Uhr. Die Deutschen spielen bereits um 18 Uhr. „Keine Sorge, ich werde schon auf dem Laufenden gehalten.“


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