Roßwag kämpft – und verliert mit acht Mann
Großglattbach (sv) – Roßwag II bleibt in der nächsten Saison in der KreisligaC. Die FVR-Akteure, die am Ende nur noch zu acht spielten, mussten sich in einem an Spannung kaum zu überbietenden Relegationsspiel gegen Gemmrigheim II nach 120 Minuten geschlagen geben.
„Ich bin stolz auf das, was meine Truppe heute gezeigt hat“, sagte FVR-Trainer Siggi Blum nach dem Abpfiff der Relegationspartie gegen Gemmrigheim II. Zwar hatte seine Elf den Aufstieg nach einer zwischenzeitlichen 2:1-Führung verspielt, ihr Gesicht gewahrt hat sie am Mittwoch in Großglattbach trotzdem.
Bereits vor der Partie hatte sich abgezeichnet, dass Blum bei der Aufstellung seiner Mannschaft nicht aus dem Vollen schöpfen würde können. Denn der etatmäßige Torwart der Roßwager Zweiten, Sebastian Wachter, war für die Begegnung gesperrt, da er in dieser Saison bereits einen Einsatz für die FVR-Erste absolviert hatte. Dafür mangelte es dem FVR nicht an Unterstützung. Mehr als 100 Fans tauchten den Sportplatz in lila-weiß.
Es waren noch keine zehn Minuten gespielt, als Tobias Dieterle den Ball mustergültig gegen die Laufrichtung des VfL-Torhüters Sotirios Theochoridis köpfte und die Roßwager damit mit 1:0 in Führung brachte. Dabei war ein schnelles Tor von Seiten der Roßwager überhaupt nicht geplant gewesen: „Eigentlich wollten wir abwartend spielen und reagieren“, so FVR-Coach Blum. Roßwag II wurde nach dem Treffer sicherer. Dies zeigte sich vor allem in der Defensive, die in der ersten Viertelstunde fast keinen Zweikampf verlor.
Nach 17 Minuten fand der VfL II zum ersten Mal einen Weg, das Roßwager Tor ernsthaft in Gefahr zu bringen. Nach einem Freistoß erreichte Georgios Arbatzis den Ball mit dem Kopf und lenkte ihn in Richtung Tor. Dank einer glänzenden Reaktion von Mustafa Binici blieben die Roßwager in Führung. Gemmrigheim II erhöhte die Schlagzahl und wurde dafür 120 Sekunden später belohnt. VfL-Stürmer Daniel Mozer, von seinem Mitspieler Sebastian Ivenz in Szene gesetzt, ließ FVR-Keeper Binici bei seinem Schuss in die obere rechte Ecke keine Chance – 1:1.
Die Blum-Elf wirkte nach dem Gegentor verunsichert, verlor die Bälle oft schon in der eigenen Hälfte und verlagerte sich aufs Kontern. Die Partie war nun insgesamt ausgeglichener. Wenn die Roßwager es nicht mit schnellen Gegenstößen probierten, dann sorgten vor allem Freistöße, allesamt von Otto Keller getreten, für Gefahr im Gemmrigheimer Sechzehnmeterraum.
Die zweite Hälfte begann mit einem Paukenschlag der VfL-Akteure. Ein Freistoß der Gemmrigheimer flog nur knapp über das Roßwager Tor. Der VfL II wirkte nach der Pause frischer und hatte deutlich mehr Spielanteile als Roßwag II. So hatte Binici in dieser Phase des Spiels kaum eine ruhige Sekunde, dafür aber viele Möglichkeiten, sich auszuzeichnen, was er auch tat.
Anders als die Gemmrigheimer konnte FVR-Angreifer Uli Weißeise seine Chance wenig später aber zu etwas Zählbarem verwerten. Zwar landete Weißeises erster Schuss am rechten Pfosten, doch der Roßwager war auf der Hut und verwertete den Abpraller zum 2:1. Ein Tor aus dem Nichts für den FV Roßwag II.
Der FVR II war nun wie ausgewechselt und erspielte sich Chance um Chance. Von der Überlegenheit von Gemmrigheim II war nichts mehr zu sehen, bis sich die Roßwager in Minute 69 selber schwächten. Roßwags Simon Grimm, der bereits wegen eines Fouls verwarnt worden war, reklamierte lautstark eine Freistoßentscheidung des Schiedsrichters Thomas Baas und sah dafür die Ampelkarte.
Zu zehnt konnte der FVR II den Druck, den die Lila-Weißen vor dem Platzverweis ausgeübt hatten, nicht aufrechterhalten. Nun waren es die Gemmrigheimer, die zu zahlreichen Chancen kamen, diese aber nicht nutzten. Aber auch den Roßwagern gelang keine endgültige Entscheidung. Möglichkeiten waren da. Zum Beispiel nahm VfL-Schlussmann Theochoridis den Ball außerhalb seines Strafraumes auf und verursachte somit einen Freistoß aus einer gefährlicher Entfernung. Aber auch bei dieser Standardsituation, eine der wenigen Roßwager Offensivaktionen in der Schlussphase, wollte der Ball nicht im Netz zappeln.
Vier Minuten, bevor die Nachspielzeit abgelaufen und Roßwag II in der B-Liga gewesen wäre, gelang Gemmrigheim II der überfällige Treffer durch Daniel Beyer, der nach einem Eckstoß von Dimos Dimakis das runde Leder per Kopfball in Binicis Tor unterbrachte. 2:2 – die Mannschaften mussten in die Verlängerung.
In der Anfangsphase der 30-minütigen Zugabe dominierten erneut die Roßwager. Gleich nach dem Anstoß war es Sebastian Klein, der Roßwag zum dritten Mal hätte in Front schießen können. Doch Theochoridis stoppte ihn – fair zwar, doch schmerzhaft für Klein, der sich dabei die Schulter auskugelte. Da FVR-Trainer Blum sein Wechselkontingent aber schon in der regulären Spielzeit erschöpft hatte, spielte die FVR-Zweite nun nur noch mit neun Mann.
Die Gemmrigheimer Zweite erarbeite sich gute Chancen. Binici zeigte sich jedoch extrem stark und hielt seinen Kasten sauber. Doch selbst er war in Minute 15 der Verlängerung machtlos, als Dimakis an die Latte köpfte und der Ball von dort ins Tor prallte – 3:2 für Gemmrigheim II. Roßwag II warf nochmals alles nach vorne und obwohl die Kräfte sichtbar nachließen, versuchten sich die FVR-Kicker noch ins Elfmeterschießen zu retten. Immerhin hatte der Unparteiische Baas sieben Minuten Nachspielzeit angezeigt, was aufgrund der vielen Krämpfe und Verletzungen gerechtfertigt war. Doch statt zum Tor kam die FVR-Zweite lediglich zu einer Roten Karte. Es war Lorenz Huttenlocher, der vom Platz musste, nachdem er durch seine Grätsche gegen den Gemmrigheimer Thimo Rösch eine klare Torchance verhindert hatte. Acht Roßwagern gelang auch in der letzten Minute kein Treffer mehr, so dass sich am Ende die Gemmrigheimer über einen nicht unverdienten Sieg und somit über den Verbleib in der Kreisliga B freuen konnten.
VfL Gemmrigheim II: Theochoridis – Georgios Arbatzis, Dimakis, Beyer, Dimosteris Arbatzis, Seitz (80. Krüger), Piacenti, Larisch (116. Rösch), Mozer, Ivenz, Sertollaj.
FV Roßwag II: Binici – Grimm, Huttenlocher, Kruschina, Betz, Fuchs, Gutjahr, Yildiz (61. Ruf), Dieterle (82. Klein), Keller (54. Efthymios Vlahos), Weißeise.
