Vaihingen (ev) – Roßwag, Kleinglattbach, Enzweihingen, Aurich, Riet, Hohenhaslach und Großglattbach – in diesen sieben Vereinen wird in der nächsten Saison ein neues Gesicht auf der Trainerbank sitzen. Teilweise stehen die Nachfolger zwar schon fest, der Abschied ist aber nicht überall einfach gefallen. Hier eine Übersicht.
Es ist Sonntag, kurz vor 15 Uhr. Die Roßwager Spieler haben sich ein schwarzes T-Shirt übergezogen und laufen hinter dem Schiedsrichter auf das Spielfeld. Aus den Lautsprecherboxen erklingt die heroische Musik des Films: „Fluch der Karibik.“ Als sich die Spieler aufgestellt haben, ergreift Abteilungsleiter Florian Kost das Wort, um Noch-Trainer Siggi Blum zu verabschieden. Ein einleitender Satz, dann macht es Kost kurz: „Danke Siggi.“ Die gleichen Worte prangen in weißen Lettern auf den T-Shirts der Spieler. Blum selbst ist gerührt, Tränen stehen ihm in den Augen. Nur mit Mühe beißt er die Zähne zusammen.
Nach dem Spiel ging die Verabschiedungszeremonie in Roßwag weiter. Eine selbstgemachte Rätsche mit dem Schriftzug FV Roßwag, eine Wanduhr mit dem lila-weißen Wappen und ein Fotobuch mit den schönsten Momenten aus den vergangenen sieben Jahren – das waren ein paar der Geschenke, die Siggi Blum vom FVR bekommen hat. Auch er hat ein Fotobuch angefertigt, mit Bildern vom Aufstieg, von der Relegation und so weiter. „Es ist schön zu sehen, was wir in den vielen Jahren erlebt haben, denn einiges hatte ich fast schon vergessen“, meint Blum. „Außerdem hat man an den gleichen Geschenken gesehen, dass wir auf einer Wellenlänge waren.“ Vor allem über die persönlichen Geschenke hat sich Blum gefreut: „Mich hat das alles sehr beeindruckt.“
Auch wenn die Verabschiedung ans Herz gegangen ist, sind beide Parteien der Meinung, dass es der richtige Zeitpunkt für die Trennung war. „Jetzt gehen wir im Guten, mit Respekt, auseinander“, erklärt Blum. „Und vielleicht klappt’s ja zum Abschluss noch mit dem Stadtpokalsieg“, ergänzt Abteilungsleiter Kost.
Danach trennen sich die Wege vom FVR und Blum endgültig. Wer sein Nachfolger wird, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass Blum im TSV Kleinglattbach einen neuen Verein gefunden hat. Wenn er von der Jugendarbeit beim TSV spricht, sagt Blum bereits „unsere“. „Immerhin wohne ich auch in Kleinglattbach.“
Blum löst in dem Vaihinger Teilort das Trainerduo Steffen Lohfink und Michael Rother ab. Nachdem sich TSV und Trainer Wolfgang Schubert getrennt hatten, sprangen die beiden kurzfristig ein. Sentimental war die Verabschiedung nicht. Kein Wunder, denn zumindest Rother bleibt dem TSV als Abteilungsleiter und A-Jugend-Trainer erhalten. Über das Abschiedsgeschenk hat er sich trotzdem gefreut. Von der Mannschaft gab es einen alten Fußballschuh, der auf ein Brett genagelt wurde und auf dem alle unterschrieben hatten.
Trennung im Guten: auch beim SV Riet gibt es eine solche. Martin Stotz trainierte die Truppe zwei Jahre lange, kickte davor schon vier Jahre beim SV. Sentimental war die Verabschiedung zwar nicht (Stotz: „Wir hatten durch den Klassenerhalt auch Grund zu feiern“), aber Stotz musste trotzdem schlucken, denn er will die Kickschuhe, abgesehen von gelegentlichen AH-Einsätzen, ganz an den Nagel hängen. Nach dem Stadtpokal ist also Schluss, dann hat Martin Stotz mehr Zeit für sich und seine Familie und der SV wird von Panagiotis Efrosinidis trainiert werden. „Das was Abteilungsleiter Andreas Wagner plant, hört sich auf jeden Fall gut an“, meint der Trainer. Außerdem würden neue Besen besser kehren.
Auch im Nachbarort Aurich wird es einen Trainerwechsel geben, allerdings ist dort noch nicht raus, wer künftig den Verein trainieren wird. Wer auch kommen wird, er muss nur noch eine Mannschaft betreuen, denn eine zweite Mannschaft wird der TSV in der kommenden Saison nicht mehr melden. Am vergangenen Sonntag hat Hans-Ulrich Rähmer seine Noch-Mannschaft zum Abschlussgrillen eingeladen. Allerdings wollte laut dem Trainer eine gute Stimmung nicht so recht aufkommen. „Mich wurmt es ganz schön, dass wir die Teilnahme an der Relegation verspielt haben“, meint Rähmer. Laut Abteilungsleiter Sebastian Öhler sei dies auf jeden Fall das Ziel für die nächste Saison – mit welchem Trainer auch immer.
Rähmer bleibt nun nur noch der Stadtpokal, dann wird er in Enzweihingen seinen neuen Trainerjob antreten. Dort ist Denis Klaric noch nicht verabschiedet worden, da er während der letzten beiden Punktspiele im Urlaub war. Laut Abteilungsleiter Ralph Eberhardt wird dies aber am Freitag bei der Abteilungsversammlung nachgeholt.
Doch zurück zu Hans-Ulrich Rähmer. „Aurich war schon toll, auch wenn die Mannschaft in der C-Klasse gespielt hat“, meint Rähmer. Allerdings ist die Aufgabe, den TSV Enzweihingen, Rähmers Heimatverein, zu übernehmen, mit einem schönen Übergang, eine Chance, die so schnell nicht wiederkehrt. Rähmer war ein Dreivierteljahr in Aurich. Kein Grund zum Sentimental werden: „Spektakulär ist es, wenn ein Trainer wie Martin Weeber zehn Jahre bei einem Verein war“, so Rähmer.
Weeber verlässt den TSV Großglattbach. In Güngör Topal steht sein Nachfolger bereits fest, die Verabschiedung steht jedoch noch aus. „Wahrscheinlich wird mir erst hinterher bewusst, was dieser Schritt bedeutet“, sagt Weeber. Dass der Saisonabschluss am Freitag aber nicht doch sentimental wird, kann er nicht ausschließen. „Kommt wohl drauf an, wer welche Worte findet.“ Er wird – wie immer – eine Rede halten, den Trainingsfleißigsten ehren und dem Faulsten eine rote Laterne überreichen. „Und dann hoffe ich, dass es ein gemütlicher Abend wird.“
Auch Dieter Kurz (SC Hohenhaslach) steht seine Verabschiedung noch bevor. Dabei hätte er sicherlich nichts dagegen gehabt, wenn diese schon gewesen wäre, denn so steht ihm und seiner Mannschaft noch die Relegation bevor. Auch er hat den Job in Hohenhaslach nur interimsweise übernommen. Nächste Saison kommt Dubravko Genc. „Mir hat es zwar Spaß gemacht, aber ich bin froh, wenn es vorbei ist, denn langsam geht es auch an die Substanz“, meint der Spielertrainer. Tränenausbrüche sind also nicht zu erwarten, aber wer weiß, was die Relegation noch aus dem Trainer herauskitzelt...
