Kleinglattbach (sv) – Der letzte Regenschauer war gerade erst vorüber gezogen, da hörte man auf dem Kleinglattbacher Sportplatz schon die ersten jubelnden Stimmen. Gefreut haben sich die Spieler des HSV-Fanclubs Rothemden aus Unterfranken. Immerhin durften sie beim diesjährigen HSV-Fanclub-Turnier den Siegerpokal schon zum zweiten Mal in die Höhe strecken.
Die 14. Auflage des HSV-Fanclub-Turniers, das auch dieses Jahr vom Kleinglattbacher Roland Schinkel, Vorsitzender des HSV-Fanclubs Baden-Württemberg, organisiert wurde, stand unter keinem guten Stern. Denn zur gleichen Zeit fand in Hamburg das „Westkurventurnier“ statt. Dieses gilt mit etwa 40 Mannschaften als größtes Fanclub-Turnier der HSV-Anhänger. Doch Schinkel ließ das seit 1995 stattfindende Turnier auch dieses Jahr nicht ausfallen und erhielt von immerhin sechs Mannschaften – allesamt aus dem süddeutschen oder schweizer Raum – eine Zusage. Wegen eines Todesfalls musste aber der HSV-Fanclub aus dem Fürstentum Liechtenstein, dessen Team erst letztes Jahr die Veranstaltung fußballerisch aufgemischt hatte, kurzfristig absagen. Doch kein Problem für Schinkel, der so eben alle Mannschaften in Hin- und Rückspiel gegeneinander antreten ließ.
Während bis vor zwei Jahren Fanclubs vieler Bundesligamannschaften zum fußballerischen Vergleich antraten, wurden bereits 2007 nur HSV-Fanclubs eingeladen. Daher war beim Kampf um den Pokal dieses Mal auch wieder der HSV-Supporters-Club (SC) präsent. Als eigenständige Abteilung hat es sich der SC zur Aufgabe gemacht, das Vereinsleben und die Anhänger – die Supporters – des Hamburger Sportvereins zu fördern. Vertreten war der SC dieses Jahr durch Carsten Neubauer und seine Tochter, die mit der Fan-Botschaft, einem in den HSV-Farben blau und weiß gehaltenen Kleintransporter, quer durch die Republik fahren, um bei Auswärtsspielen der Hamburger Bundesligamannschaft und bei Veranstaltungen der Fanclubs vor Ort zu sein. „Wir sind heute morgen um vier Uhr von Hamburg los gefahren und dann um halb zwölf hier angekommen“, so Neubauer, der die Raute, das Wappen des HSV, nicht nur auf der Brust, sondern auch in Gold um den Hals trägt. In Kleinglattbach verkauft HSV-Fan Neubauer, der dem HSV bereits beim Europapokalfinale 1983 vor Ort in Athen die Daumen hielt, seit seiner Ankunft hinter der Theke des Wagens Fanartikel.
Auch Andreas Graf hat eine lange Fahrzeit in Kauf genommen, um beim HSV-Fanclub-Turnier zusammen mit anderen Fans den HSV-Fanclub Helvetia zu vertreten. Wie der Schaffhausener ausgerechnet zum Anhänger des nördlichsten Bundesligavereins wurde? „Es war 1982, als alle in der Schule Bayern-Fans waren. Nur der HSV hat damals mit dem FC Bayern mithalten können und so habe ich mich entschieden, anders zu sein und bin HSV-Fan geworden“, so der Schweizer. Die exzessive Leidenschaft habe ihn aber erst mit 18 Jahren gepackt, als er das erste Mal ein Hamburger Heimspiel erlebt hat: „Da bin ich nicht mehr vom HSV losgekommen und seitdem fahre ich mit ein paar anderen Fanclub-Mitgliedern jedes Jahr zwei bis drei Mal nach Hamburg.“
Lediglich Petrus schien an diesem Tag kein HSV-Fan zu sein. Denn drei Spiele vor Turnier-Ende begann es in Kleinglattbach wie aus Kübeln zu schütten. Die Gewitterfront, die zeitgleich aufzog, zwang die Turnierleitung und Organisator Schinkel zu einer Notlösung. Die drei ausstehenden Partien wurden abgesagt. Stattdessen ermittelten die beiden bis dato besten Mannschaften des HSV-Fanclubs Rothemden und des Münchner Fanclubs Brigade Bavaria den Turniersieger.
Am Ende durften die Rothemden um ihren Vorsitzenden Wolfgang Winterberg, HSV-Mitglied seit fast drei Jahrzehnten, jubeln. Sie hatten, obwohl die mitgereisten Kicker zum ersten Mal in der Turnierbesetzung zusammenspielten, die Münchner mit 2:1 besiegt und sich damit – passend zum 25-jährigen Jubiläum des Fanclubs in diesem Jahr – den ersten Platz geholt.
Neben den Rothemden werden in den nächsten Tagen noch mehr Menschen weltweit über die Ausrichtung des Turniers jubeln. Denn neben dem sportlichen und kameradschaftlichen Aspekt stand das soziale Engagement ganz oben auf Schinkels Liste: „Wir machen das ehrenamtlich und behalten keinen Cent.“ Die Einnahmen aus der Tombola, deren 450 Lose binnen einer Dreiviertelstunde verkauft waren, werden auf die Philippinen geschickt, was 450 Euro entspricht. Und die Startgelder der Teams – 200 Euro insgesamt – wurden bereits der Organisation „Anstoß zur Hoffnung“, die sich in Mosambik engagiert, gespendet.
