Faustball-WM in Lloret de Mar „ein richtig cooles Erlebnis“
Vaihingen (rkü). Tobias Rommel strahlt übers ganze Gesicht. Das tut er gern. Aber diesmal hat er einen besonderen Grund dazu. Der 17-Jährige präsentiert die Goldmedaille, die er mit der deutschen U-18-Nationalmannschaft bei der Faustball-Weltmeisterschaft gewonnen hat. Die Reise nach Lloret de Mar bezeichnet er als „ein richtig cooles Erlebnis“.
Eine Woche lang war Tobias Rommel mit den besten deutschen Faustballern seiner Altersklasse auf Dienstreise in Spanien. Lloret de Mar, das klingt nach Urlaub. Doch für Rommel und seine Begleiter stand sportliche Höchstleistung auf dem Programm. Stadtbummel? Fehlanzeige. Strand? „Früh beim Joggen haben wir jeden Morgen das Meer gesehen“, berichtet der 17-Jährige. Ansonsten hat sich der Aktionsradius der Jungs auf Hotel und Sportanlage beschränkt. Den Mädels in der gleichen Altersklasse ging es übrigens nicht anders. Auch die weibliche U-18-Nationalmannschaft war im gleichen Hotel untergebracht. Auch sie holte WM-Gold.
Der fantastische Erfolg für die deutsche Faustballjugend liegt nicht zuletzt an der guten Jugendarbeit in den Vereinen. Mit dem TV Vaihingen war Rommel schon mehrfach bei den deutschen Meisterschaften seiner jeweiligen Altersklasse am Start. Dort hat er in den vergangenen Jahren auch die Spieler kennengelernt, mit denen er jetzt erstmals in einer Nationalmannschaft spielen durfte. Seine besten Leistungen zeigt der Vaihinger in der Abwehr und in der Mitte. „Da sind wir alle relativ gleich gut“, sagt er. „Es gibt eine große Konkurrenz.“ Auf der anderen Seite ist genau diese Leistungsdichte bei den Spielern aus deutschen Spitzenvereinen ein großer Vorteil gegenüber anderen Nationen. Rommel: „Die Brasilianer haben zum Beispiel fünf Gute, alle anderen fallen deutlich ab.“ Während also der deutsche Nationaltrainer bedenkenlos auswechseln konnte, musste sich sein brasilianischer Amtskollege dies gut überlegen.
Rommel kam in drei Spielen für Deutschland zum Einsatz. Das Eröffnungsspiel führte ihn gegen Katalonien, die Mannschaft des Gastgeberlandes Spanien. Die Deutschen machten kurzen Prozess und gewannen mit 11:3 und 11:2. „Wir haben schnell an Sicherheit gewonnen und dann einen deutlichen Sieg geholt“, analysiert der Vaihinger. Deutschlands Hauptangreifer Patrick Thomas, der beim TV Pfungstadt spielt und in Vaihingen ein guter Bekannter aus der Bundesliga ist, saß in diesem Spiel noch auf der Bank. Er wurde geschont. Immerhin stiegen die Temperaturen jeden Tag auf 35 Grad Celsius und verlangten den jungen Männern bei ihrem sportlichen Wettkampf alles ab. Auch in der zweiten Vorrundenbegegnung gegen Chile war Rommel auf dem Platz. Beide Sätze endeten jeweils 11:3 für Deutschland. „Wir sind gut ins Spiel gekommen“, sagt der Abwehrspieler einfach. „Unser schwerster Gegner war Italien.“ Das Ergebnis (11:3, 11:2) lässt diesen Schluss zwar nicht zu, aber die Spielweise der Italiener war wesentlich aggressiver als die der übrigen Gegner. „Die haben sich eher versteckt“, sagt Rommel über die ersten zwei Teams.
Nach seinem dritten Einsatz wechselte der TVV-Spieler auf die Bank. Seinen Platz in der Aufstellung übernahm Jan Erhardt vom TV Waldrennach. „Er war unser Kapitän und hat auf dieser Position so gut gespielt, dass der Trainer nicht mehr gewechselt hat“, erklärt Rommel. Erhardt wurde sogar zum besten Abwehrspieler des Turniers gewählt. Egal ob auf dem Feld oder auf der Bank – die deutsche Nationalmannschaft hat sich während der WM als sehr gut harmonierendes Team gezeigt. „Jeder war voll mit dabei und vor allem beim Finale gegen Brasilien haben wir alle mitgefiebert“, sagt der Vaihinger. Nachdem die Deutschen in der Vorrunde lediglich einen Satz gegen den unterschätzten Gegner Namibia abgegeben hatten, wurde es im Endspiel richtig eng. Den ersten Satz verloren die Deutschen überraschend deutlich mit 1:11. Im zweiten Durchgang rissen sie das Steuer gerade noch herum und gewannen mit 11:9. Es folgte eine 7:11-Niederlage, dann gewann Deutschland klar mit 11:2. Die Entscheidung fiel im fünften Satz. 11:6 für Deutschland – Rommel und sein Team waren Weltmeister. „Danach durften wir in die Stadt und den Titel feiern“, freut sich der 17-Jährige. Wie lange? „Die ganze Nacht“, sagt er und grinst.
In der Nacht zu gestern ist die Mannschaft wieder in Deutschland angekommen. Beim nächsten großen Turnier, der Europameisterschaft, ist Rommel zu alt für das U-18-Team. Ob und wann er bei den U-21-Junioren mitspielen wird, ist noch offen. „Zu den Lehrgängen darf ich sicher. Eine Nominierung kann noch ein bisschen dauern.“
