Vaihingen (rkü). Mehr als 1500 Teilnehmer werden in einer Woche an den Start gehen, wenn in Südafrika die Weltmeisterschaft der BMX-Fahrer beginnt. Klaus Schreiber ist einer von ihnen. Morgen fliegt der 54-Jährige zur WM – und verbindet damit auch gleich seinen Jahresurlaub.
Klaus Schreiber ist auf etwas ungewöhnlichem Weg zum BMX-Sport gekommen. Genau genommen, war es ihm einfach nur zu langweilig, seinen Nachwuchs zu BMX-Veranstaltungen zu begleiten. Warum sollte er nicht einfach selbst aufs Rad steigen und selbst in die Pedale treten?
Diese Frage stellte er sich vor mehr als 20 Jahren – so wie manch andere Eltern auch. Doch im Gegensatz zu vielen anderen, die nur kurz in den Sport hineinschnupperten, die körperliche Anstrengung dann aber ihrem Nachwuchs überließen, hatte Schreiber Blut geleckt. BMX ließ ihn, der zuvor jahrelang Autorallyes gefahren war, nicht mehr los. „Später hieß es im Ort, meine Kinder müssten BMX fahren, weil ich auf den Sport versessen bin – aber an sich war es genau andersrum“, erinnert sich der 54-Jährige.
Inzwischen fährt er in der Altersklasse 45+ und muss sich dort gegen starke Konkurrenz durchsetzen. „Diejenigen, die jetzt 45 sind, kennen BMX schon aus ihrer Jugend. Als ich jung war, gab es das noch garnicht.“ Darum dürfte es bei der jetztigen Weltmeisterschaft auch so schwer werden, wie noch nie. „Ungefähr zehn der 26 Teilnehmer in meiner Klasse sind Jahrgang 1965“, schätzt Schreiber. Rein von der körperlichen Verfassung her dürften sie im Vorteil sein. Was den Willen angeht, müssen sie sich mit dem Oldie erst einmal messen. Zweimal hat er sich in den vergangenen Jahren den Arm gebrochen. Einmal saß er nach zehn Tagen wieder auf dem Rad, einmal dauerte es zwei Wochen. „Das war leider direkt vor einer Weltmeisterschaft passiert und ich wollte unbedingt mitmachen“, erinnert er sich. Er hat alles unternommen, um in kürzester Zeit wieder fit zu werden. Fürs Training reichte es, für den Wettbewerb aber nicht.
Um das Risiko beim Unternehmen Weltmeisterschaft möglichst gering zu halten, lässt Schreiber sein Wettkampffahrrad nicht aus dem Auge. „Das wird zerlegt und fliegt mit. Dem Fahrrad vertraue ich meine Gesundheit an.“ Auch wenn er bei Wettbewerben mit dem Wohnwagen vor Ort ist, wird das Fahrrad gut gehütet. Aufs Deck kommt eine alte Decke und darauf das Rad. „Wer einen Kettenriss oder einen Rahmenbruch erlebt hat, weiß, dass das schlimmer ist als zum Beispiel das harte Aufkommen nach einem missglückten Sprung“, unterstreicht Schreiber.
Weltmeisterschaften finden jedes Jahr statt, Schreiber ist jedes zweite Mal mit dabei. „Das kostet viel Geld und ich verbinde meinen Jahresurlaub damit.“ Qualifizieren muss er sich über gute Platzierungen in der Bundesliga und die Teilnahme an der württembergischen, süddeutschen und deutschen Meisterschaft. Bis jetzt kein Problem für den 54-Jährigen. Auch von seinen bisherigen WM-Teilnahmen hat er eine beachtliche Erfolgsbilanz vorzuweisen. Immer kam er mindestens ins Halbfinale, dreimal stand er sogar im Finale. Und jetzt, mit den vielen jüngeren Mitbewerbern? „Ziel ist das Finale“, verkündet Schreiber. „Ich werde nicht die Starterlisten durchgehen, sondern fahren.“ Lediglich die Zeit für eine perfekte Vorbereitung fehlte ihm ein wenig. Training im Fitnessstudio, Laufen und Radfahren haben seine Muskeln gestählt. „Mit dem Rennrad bevorzuge ich Sprints, lange Anstiege und kurze Abfahrten“, sagt Schreiber. Den letzten Schliff bekommen die deutschen Teilnehmer bei drei Trainingseinheiten vor Ort. Ob es reicht, zeigt sich beim Wettkampf am 29. und 30. Juli.
