Donnerstag, 24. Mai 2012

„Auf dem Platz sind Absätze tabu“




06/07 2010

„Auf dem Platz sind Absätze tabu“

Fuba
Nach der Niederlage gegen Kleinglattbach im Finale sucht Vaihingens Ivica Coric Trost bei seiner Freundin – und bekommt diesen in Form eines Kusses. Foto: Otto

Riet (mot). Während der Freund auf dem Platz um jeden Ball kämpft, tratschen sie über wöchentliche Shoppingexzesse, lackieren sich die Fußnägel oder ziehen ihren Lidstrich nach – die sogenannten Spielerfrauen. Wirklichkeit oder Klischee? Die VKZ ist dem beim FußballStadtpokal auf den Grund gegangen.

Sonntag, 14.25 Uhr: Als ich bei gefühlten 40 Grad Celsius den Fußballplatz betrete, ist das Spiel Kleinglattbach gegen Ensingen in vollem Gange. Einzug ins Finale hin oder her, mich interessieren heute nicht die Lokalstars, sondern deren bessere Hälften. Nach fünf Minuten habe ich einige Spielerfrauen ausgemacht, nach weiteren fünf Minuten kann ich sie in drei Typen einteilen:

Typ 1: Die Teilnahmslose. Teilnahmslos ist hier im wahrsten Sinne des Wortes zu verstehen. Während Fußball für ihren Freund die halbe Welt bedeutet, leben Vertreterinnen des Typ 1 in der anderen Hälfte. 20 verschwitzte Männer, die einem Ball nachlaufen? Das ist doch Kinderkram. Keine Überraschung also, dass die Wahrscheinlichkeit, sie auf dem Platz anzutreffen, ungefähr genauso hoch ist, wie die, Wayne Rooney fürs deutsche Nationalteam kicken zu sehen. Gleich null eben. Und wer ist eigentlich Wayne Rooney?

Weiter also mit Typ 2: Die Solidarische. Auch für Vertreterinnen des Typ 2 stellt Fußball weitestgehend ein Buch mit sieben Siegeln dar. Auf den Sportplatz begeben sie sich nur aus Liebe zu ihrem Freund, um trotz Fußballspiel das Wochenende doch irgendwie mit ihm zu verbringen. Und wenn er schon nicht zu ihr kommt, dann eben sie zu ihm. Kathrin Stutzenberger zählt zweifelsohne zu Typ 2. Die frischgebackene Abiturientin ist seit zweieinhalb Jahren mit dem Kleinglattbacher Stürmer Felix Römer zusammen, kann die gesehenen Spiele aber an einer Hand abzählen. „Ich finde es o.k., wenn er jedes Wochenende auf dem Platz steht. Aber ich muss das nicht.“ Und wie ist es um ihre Fußballkenntnisse bestellt? Sie lacht und sagt: „An guten Tagen erkenne ich ein Abseits, an schlechten muss ich mir schonmal die Bezeichnung Sechzehnmeterraum erklären lassen.“ Statt WM steht bei ihr Turnen und Eiskunstlauf im Fernsehprogramm ganz oben. Bei Fragen wendet sie sich einfach an Freundin Kora Rößler.

Womit wir auch schon bei Typ 3, der Ersatztrainerin, wären. Vertreterinnen des letzten Typs reden ihrem Freund vor dem Spiel Mut zu, nach dem Spiel wird analysiert und – wenn nötig – getröstet. Sie treten zwar nicht zwingend selbst gegen das runde Leder, sind aber meist selbst sportlich aktiv. So auch Kora Rößler. Sie ist seit drei Jahren mit Kleinglattbachs Schlussmann Tobias Linder zusammen. „Wenn ich nicht selbst ein Hockeyspiel habe, schaue ich Tobi gerne zu und fieber mit“, sagt die 18-Jährige. Auch im Regelwerk kenne sie sich aus.
Unterbrochen werden ihre Worte durch einen Donnerschlag. Der Himmel scheint über uns zusammenzubrechen. Es gießt wie aus Kübeln. Heimgehen kommt für beide jedoch nicht in Frage: „Wenn ich eh nur jedes 100. Spiel sehe, dann wenigstens das wichtigste.“, erklärt Stutzenberger. Und in einer Frage sind sich die beiden trotz unterschiedlicher Einstellung zum Hobby ihrer Freunde einig: „Wir würden nie mit Absätzen auf den Sportplatz gehen.“ Schön, dass die Welt in Riet in Ordnung zu sein scheint: Hier sitzen keine hochnäsigen wie selbstverliebten Victoria Beckhams mit Sonnenbrille am Spielfeldrand, um sich selbst zu präsentieren. Nein, die Vaihinger Fußballerfrauen sind dort, um ihre Jungs zu unterstützen. Und das ist auch gut so.




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