Vaihingen (jsv) – Die Faustball-Europameisterschaft ist für die deutsche Nationalmannschaft mit Platz drei zu Ende gegangen. Das Minimalziel hat das Team mit den Vaihingern Michael Marx und Kolja Meyer dadurch erreicht. Mehr sei einfach nicht drin gewesen, meint Meyer, der persönlich ein positives Fazit von der Veranstaltung in Stuttgart-Stammheim zieht.
Gelohnt hat sich die Teilnahme auf jeden Fall. „Es war die beste Veranstaltung, auf der ich bisher gespielt habe“, sagte Meyer gestern. Er sei noch etwas geschlaucht von den Strapazen – und von der Abschlussfeier. Die sei bei ihm so bis gegen 3 Uhr gegangen. Auch Michael Marx war begeistert von seiner ersten EM als Aktiver: „Es war gigantisch.“ Der veranstaltende Verein TV Stammheim hatte die beste Faustballparty aller Zeiten angekündigt. Ob es die letztlich geworden ist, vermochte Werner Blechschmidt zwar nicht zu sagen, dennoch war auch der Trainer des TV Vaihingen voll des Lobes. „Das was Stammheim hier aufgezogen hat, verdient den höchsten Respekt“, sagte er.
Rund 600 Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf. Außerdem sei die Tribüne an den drei Tagen „rappelvoll“ gewesen. „Das war Werbung für den Faustball“, schwärmte Blechschmidt. Als ganz besonderes Bonbon durfte der TVV-Coach zudem dann auch noch das Finale zwischen Österreich und der Schweiz pfeifen, das die Österreicher mit 4:2 zu ihren Gunsten entschieden.
Platz drei nach einem 4:0-Sieg im „kleinen Finale“ gegen Italien – für viele wird das im eigenen Land zu wenig sein. Doch die drei Vaihinger EM-Teilnehmer sind sich hinsichtlich des Niveaus des deutschen Faustballs einig. „In Europa sind Österreich und die Schweiz weltklasse“, meint Blechschmidt. „Danach kommt erst einmal nichts, dann wir, dann wieder nichts und dann Italien“, so Meyer. „Die anderen sind einfach besser“, sagt er über die Endspielteilnehmer.
Die Jugend sei hierzulande vernachlässigt worden, fügt sein Vereinstrainer an. Und die nun neu formierte junge Nationalmannschaft brauche eben noch einige Zeit, bis sie wieder an die Europa- oder Weltspitze gelange. In fünf Jahren könne das wieder so weit sein, meint Blechschmidt.
Möglicherweise sind dann auch Marx und Meyer noch im Nationalteam. Meyers Leistung in Stammheim gehörte zu den besseren der deutschen Faustaller. Er selbst will sie jedoch nicht zu hoch hängen: „Da waren Höhen und Tiefen dabei. Gegen Italien ist es am Anfang relativ schlecht gelaufen, gegen Österreich dafür umso besser.“ Sein Vereinskollege Marx ist mit der Beurteilung der eigenen Darbietungen ebenso vorsichtig. „Das war okay. Aber da ist noch Luft nach oben“, sagt er. Die Luft nach oben soll dann spätestens 2011 ausgeschöpft sein. Denn da steht die Weltmeisterschaft in Österreich an. Und die ist das Fernziel, auf das Nationaltrainer Olaf Neuenfeld mit seiner Truppe hinarbeitet.
Für Marx und Meyer war die EM vor allem einmal ein Anfang, schließlich war es ihr erstes großes Turnier als Nationalspieler. Vor allem Meyers Nominierung war im Vorfeld von einigen heftig diskutiert worden. Doch seine Kritiker dürften nun ganz still geworden sein. „Ich habe versucht zu zeigen, dass meine Nominierung nicht falsch war“, sagt er. Es ist gelungen. Auch der Nationaltrainer habe hinterher gesagt, er hätte die richtigen Spieler ausgewählt, so Meyer.
Für ihn selbst sei es nun in Zukunft wohl um einiges leichter, wieder in der Nationalmannschaft zu spielen, meint der Angreifer. Sicher müsse er weiter Leistung bringen, doch weiteren Einladungen zu Lehrgängen dürften durch die Teilnahme an der EM nicht mehr allzu viel im Wege stehen. Zumal er in Stammheim ja beinahe durchgespielt habe.
