Bischoff spielt nun wieder in der Regionalliga
Vaihingen (dha) – Bernd Bischoff erlebt gerade eine aufregende Zeit. Der aus Gündelbach stammende Tischtennisspieler vollendete mit der TSG Steinheim in der Saison 2006/2007 den Durchmarsch von der Ober- über die Regional- bis in die zweite Bundesliga. Nach seinem ersten Jahr in der zweithöchsten Spielklasse wechselt er allerdings nun den Verein. Fortan wird er für den DJK Sportbund Stuttgart in der Regionalliga Süd an die Platte gehen.
Zum Klassenerhalt der TSG konnte der 27-Jährige allerdings nichts beitragen. Zwar bestritt Bischoff 16 Einzelspiele, aber er ging nie als Sieger vom Tisch. „Die erste Saison in der zweiten Bundesliga lief für mich selbst zwar sehr unbefriedigend, aber das gesteckte Ziel wurde mit dem Klassenerhalt im ersten Jahr nach dem Aufstieg erreicht. Für mich war es eine sehr lehrreiche Saison, in der ich viele positive, aber auch negative Erfahrungen machen konnte“, bilanziert Bischoff das Jahr.
Trotz der für ihn sieglosen Saison kann er dem einen Jahr zweite Liga etwas Positives abgewinnen: „Ich habe viele neue Gesichter gesehen, viele Eindrücke vom Profisport bekommen. Dort herrscht eine komplett andere Stimmung bei den Spielen mit einer höheren Zuschauerzahl. Hinzu kommt das einmalige Erlebnis in der zweithöchsten deutschen Spielklasse gespielt zu haben. Dieses eine Jahr werde ich mit Sicherheit nie vergessen.“
Da der Aufwand in der zweiten Bundesliga zu groß ist, spielt Bischoff jetzt wieder in der Regionalliga. „Als ‘normaler’ Arbeitnehmer ist eine solche Spielklasse, wie die zweite Liga, mit der täglichen Arbeit nicht unter einen Hut zu bringen, wenn man Erfolg haben will. In Stuttgart habe ich ein neues Umfeld und in der Regionalliga nochmals eine neue Herausforderung“, sagt er. Denn im Gegensatz zu einigen Mannschaftskameraden und Gegenspielern in der zweiten Liga ist Bischoff noch beruflich sehr eingespannt. Und nebenher muss natürlich noch kräftig geübt werden: Momentan trainiert Bischoff dreimal pro Woche bis zu drei Stunden in Stuttgart. Außerdem hält sich der Rechtshänder mit leichtem Jogging fit. Am 18. August beginnt die Vorbereitung auf die neue Saison. Dann wird bis zum ersten Punktspiel im September fast jeden Tag in Stuttgart trainiert. Seine Coaches dort sind der chinesische Spielertrainer Mu Hao und Thomas Walter, der Geschäftsführer des Tischtennisverbands Württemberg Hohenzollern (TTVWH). Bischoff ist Realist bezüglich seiner Zeit in der zweiten Liga: „Da muss ich ehrlich sein und zugeben, dass mir ein stückweit das Talent fehlt. Die Leistungsdichte nach oben wird immer größer, da entscheiden Kleinigkeiten. Vor allem fehlt mir aber die Zeit, den sportlichen Aufwand für den maximalen Erfolg betreiben zu können.“
Die Unterschiede zwischen der zweiten Bundesliga und der Regionalliga sowie den unteren Spielklassen erklärt Bischoff folgendermaßen: „Je höher die Spielklasse ist, desto höher wird das Tempo. Das Tischtennis unterscheidet sich wie in allen Spielklassen in Kleinigkeiten wie zum Beispiel der Geschwindigkeit der einzelnen Bälle oder der geringeren Fehlerrate der Spieler.“ Man merke deutlich, dass es ab der Regionalliga um mehr als nur den Spaß gehe“, sagt Bischoff, der sich ein Leben als Tischtennis-Profi nicht vorstellen kann.
So wird Bischoff also wieder in der Regionalliga aufschlagen, wo er im hinteren Paarkreuz gemeldet ist. Er hat sich einiges vorgenommen. „Die Mannschaft ist sehr ausgeglichen und wird von vielen unterschätzt“, sagt er. Da die Regionalliga allerdings so stark wie nie besetzt sein werde und bei einer Zwölfer-Liga vier Absteiger zu erwarten seien, sollte das erste Ziel ein gesicherter Platz im Mittelfeld sein, meint Bischoff. Und wie gefällt es ihm beim DJK? „Sehr gut, ich bin sehr gut aufgenommen worden.“
Trotz der schönen Zeit in Steinheim, wo es ihm bisher am besten gefallen hat und jetzt auch in Stuttgart hat Bischoff nicht vergessen, wo er mit dem Tischtennisspielen begonnen hat, nämlich beim TTC Gündelbach. An den Anfang erinnert er sich noch genau: „Am 12. Mai 1990 hat alles mit dem ersten Turnier angefangen, den Mini-Meisterschaften in der Wachkopfhalle. Damals habe ich gegen meinen Bruder im Finale gewonnen.“ Seine Eltern meinten daraufhin, dass die Söhne regelmäßig trainieren sollten. Er selbst blieb beim Tischtennis und kehrte dem Fußball den Rücken, sein Bruder Marcus blieb weiterhin Fußballer.
Nach seiner Zeit in Gündelbach wechselte Bernd Bischoff in die Landesliga nach Kleinsachsenheim, daraufhin in die Oberliga nach Erdmannhausen, wo er eine Saison in der Regionalliga spielte. Es folgte ein Jahr Oberliga im Backnanger Ortsteil Lippoldsweiler. Daraufhin wechselten sich Ober- und Regionalliga ab – bis Bischoff vor drei Jahren nach Steinheim wechselte.
Heute orientiert sich Bischoff an vielen einzelnen Spielern. „Jan-Ove Waldner wird aber für immer unerreicht bleiben“, sagt er. Schade findet er, dass von den damaligen Spielern aus der Jugend in Gündelbach keiner mehr im Verein ist. Auch er hat keinen Kontakt oder Verbindung mehr in den Vaihinger Ortsteil. „Natürlich kenne ich noch sehr viele Leute und verfolge auch das Geschehen im Raum Vaihingen, doch die Zeit lässt es leider nicht zu, einen Abstecher ins Training zu machen“, so Bischoff.
Seit sechs Monaten ist Bischoff zudem Vater. Freundin Angela brachte Sohn Lukas zur Welt und im September steht der Umzug in den Ludwigsburger Stadtteil Poppenweiler an. Die Familie ist, neben Tischtennis, ein großes Hobby für Bischoff: „Die wenige Zeit, die neben der Arbeit und dem Training bleibt, gehören meiner Freundin Angela und meinem Sohn.“
Doch es gab auch weniger schöne Erlebnisse in Bischoffs Karriere: „Eine Saison ohne Sieg abzuschließen, wie die vergangene, kostet viel Energie und ist eine sehr harte Zeit“, sagt er. Dem gegenüber stehen aber auch viele schöne Ereignisse: „Es gab sehr viele und es ist schwer einzelne rauszunehmen. Die Siege zu einzelnen Meisterschaften, Endspielsiege bei Turnieren, das erste Punktspiel für den TTC Gündelbach, ein Aufstiegsspiel vor fast 600 Zuschauern und Auswärtsspiele mit Fernsehübertragung, nennt er. „Es ist viel passiert“ , sagt er. Der größte Erfolg in seiner Laufbahn ist aber der Aufstieg in die zweite Bundesliga.
Und was hat sich Bischoff für die Zukunft vorgenommen? „Sportlich habe ich das Maximum mit der zweiten Bundesliga erreicht und will in Stuttgart an die guten Zeiten in den Jahren davor anknüpfen."
