Donnerstag, 24. Mai 2012

„Wenn wir eine Schwäche zeigen, war’s das“


Faustball-EM
Olaf Neuenfeld

Vaihingen – Heute startet die Faustball-Europameisterschaft in Stuttgart-Stammheim. Die deutsche Nationalmannschaft gilt dabei nicht als Favorit, rechnet sich aber dennoch einiges aus, wie Bundestrainer Olaf Neuenfeld VKZ-Sportredakteur Jens S. Vöhringer verriet.

Herr Neuenfeld, seit wann läuft die Vorbereitung?
Seit Mittwoch. Da haben wir angefangen.

Zwei Tage vor EM-Start? Das ist aber spät.
Ja, sicher. Wir hatten zwar zuvor schon Lehrgänge in Braunschweig mit 15 und in Erlangen mit elf Spielern. Am Mittwoch hatten wir aber erstmals die acht nominierten Spieler zusammen.

Sind es die Richtigen?
Ich hoffe es. Das kann man oftmals immer erst hinterher sagen. Aber ich bin guter Dinge.

Es ist eine sehr junge Mannschaft.
Ja. Nach der Weltmeisterschaft in Oldenburg vergangenes Jahr gab es einen Schnitt. Der Altersdurchschnitt ist von über 30 auf 25 Jahre gesunken. Von denen, die damals dabei waren, sind lediglich noch Sascha Ball, Christian Kläner und Jan Hoffrichter am Start.
 
Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?
Auch das wird sich noch herausstellen. Sicher ist, dass die jungen Spieler hungrig sind. Ob sie damit die Erfahrung wettmachen können, werden wir sehen. Auf jeden Fall wird es nicht einfach.
 
Wie stehen die Chancen für Ihre Mannschaft?
Das Minimalziel ist Platz drei, also eine Medaille.

Wer wird mit Deutschland darum kämpfen?
Die Schweiz und Österreich. Österreich hat sechs Weltmeister noch dabei. Mit denen haben wir vergangenes Jahr bei der 0:3-Niederlage im WM-Halbfinale in Oldenburg schon unsere leidliche Erfahrung gemacht. Zwar ist ihr Hauptangreifer Martin Weiß nicht mehr dabei. Dennoch haben sie in Dietmar Weiß und Klemens Kronsteiner noch immer zwei der weltbesten Angreifer in ihren Reihen. Und auch die Schweizer haben eine sehr eingespielte Mannschaft mit einem überragenden Hauptangreifer Cyrill Schreiber.
 
Wie schätzen Sie die restlichen Teilnehmer ein?
Tschechien, Serbien und Spanien in der Gruppe B kenne ich wenig, da diese Länder neue Verbände gegründet haben. Italien sehe ich zusammen mit uns und den beiden anderen erwähnten Teams im Halbfinale.
 
Die Mannschaften der Gruppe B haben also nichts mit der Titelvergabe zu tun?
Nein. Das ist nicht so wie im Fußball. Die Leistungsdichte ist bei Weitem nicht so groß. Da gibt es keine Überraschungen.
 
In Michael Marx und Kolja Meyer sind zwei Vaihinger in der Nationalmannschaft. Werden sie oft zum Einsatz kommen?
Das kann ich noch nicht sagen. Der Kader ist sehr ausgeglichen. Wir haben verschiedene taktische Varianten. Wir können und werden viel wechseln. Also bekommt jeder seine Spielanteile.

Weshalb haben Sie Marx und Meyer nominiert?
Marx wäre ja schon beinahe zur WM nominiert worden. Beide haben auf den Lehrgängen einen guten Eindruck hinterlassen. Meyer ist erst nach verletzungsbedingten Ausfällen nachgerückt. Er hat seine Chance genutzt.
 
Was halten Sie davon, dass Ihre Spieler am vergangenen Wochenende noch in der Bundesliga gespielt haben?
Das war nicht ideal. Wenn wir drei Tage mehr für die Vorbereitung gehabt hätten, wäre das natürlich schon besser gewesen. Aber so hatten sie noch etwas Wettkampfpraxis.
 
In Österreich wäre so eine Terminierung undenkbar gewesen.
Sicher. Dort herrschen aber im Faustball auch andere Voraussetzungen. Es ist dort möglich, dass sich die Spieler einmal kurz abends treffen, da sie nicht so weit voneinander entfernt wohnen. In einer Stunde können da alle an einem bestimmten Ort sein. Das ist in der Schweiz ähnlich, bei uns aber undenkbar.
 
Was muss passieren, damit Deutschland gegen die beiden Top-Nationen gewinnt?
Alle Spieler müssen topfit sein und 100 Prozent ihrer Leistung abrufen. Wenn wir eine Schwäche zeigen, war’s das. Wichtig ist außerdem ein guter Start in die Spiele.
 
Was erhoffen Sie sich von der Europameisterschaft in punkto Popularität?
Was der Veranstalter da auf die Beine gestellt hat, ist toll. 2500 Zuschauer passen auf die Tribünen und ich denke auch, dass die jeweils am Samstag und am Sonntag kommen werden. Der Veranstalter selbst rechnet ja mit 7000 Zuschauern an den drei Tagen. Wenn das hinhauen sollte, wäre das eine tolle Sache.


Seitenanfang