Vaihingen (jsv) – Noch ein Tag, dann ist es soweit. Morgen startet in Stuttgart-Stammheim die Faustball-Europameisterschaft. Die beiden Vaihinger Michael Marx und Kolja Meyer treffen mit der deutschen Nationalmannschaft zunächst auf Titelverteidiger Schweiz.
Gleich zu Beginn stehen die zwei dicksten Brocken auf dem Programm. Für die Vaihinger Michael Marx und Kolja Meyer ist das allerdings kein Grund, schon im Vorfeld in Ehrfurcht zu erstarren. Zumal sie beide eine hehres Ziel ausgeben. „Wir wollen ins Finale“, sagen sie unisono. Am Freitag (25. Juli) um 14 Uhr muss Deutschland gegen Europameister Schweiz ran. Um 18.30 Uhr geht es dann im zweiten Gruppenspiel gegen Weltmeister Österreich.
Am Samstag (11 Uhr) spielt Deutschland im letzten Gruppenspiel gegen Italien. Diese vier Mannschaften bilden die Gruppe A. Die drei ersten dieser Gruppe sind fürs Halbfinale qualifiziert, der Vierte muss sich in einem Entscheidungsspiel gegen den Ersten der Gruppe B durchsetzen. Letzteren spielen Serbien, Spanien und Tschechien aus. Die zunächst verwirrende Einteilung kommt durch die unterschiedlichen Stärken der europäischen Faustballnationen zustande. „In Spanien gibt es beispielsweise nur zwei Vereinsmannschaften“, sagt Meyer. Und dadurch ergebe sich zwangsläufig eine ganz andere Leistungsdichte als hierzulande oder auch in Österreich. In den Gruppen wird bei der EM auf drei Gewinnsätze bis elf gespielt. Im Entscheidungsspiel um den letzten Halbfinalisten sowie in den Begegnungen ab der Vorschlussrunde sind vier Gewinnsätze zum Weiterkommen nötig.
Den amtierenden Weltmeister haben Marx und Meyer ganz oben auf ihrer Rechnung. „Die Schweiz ist aber auch nicht schlechter“, weiß Marx. Dennoch, gehe es nach den Vaihingern, dann sollten die Österreicher, die zudem World-Games-Sieger sind, oder aber die Schweizer am Ende hinter Deutschland stehen. „Vom Titel zu reden, wäre utopisch“, schiebt Meyer allerdings einen Riegel vor eine zu hohe Erwartungshaltung. Diese dürfe andererseits aber ebenso wenig zu gering gehalten werden. „Es kann nämlich auch nicht unser Ziel sein, Platz drei als Maß der Dinge anzusehen“, so Meyer. Der dritte Rang sei das Mindeste, was erreicht werden sollte.
Die Gegner sind allesamt keine Unbekannten. Man kennt sich also. Und man weiß deshalb um die Stärken und Schwächen der Gegner. „Wir haben gegen viele Spieler schon mit Vaihingen gespielt, meist bei irgendwelchen Turnieren“, sagt Meyer. Allerdings nicht gebündelt, denn diese Turniere waren für Vereinsmannschaften und nun geht es eben gegen die besten Österreicher und Schweizer in einer Mannschaft.
Was das zu bedeuten hat, belegt Marx an einem Beispiel. „Wir haben letzten Freitag noch Bundesliga gespielt und trainieren erst ab Mittwoch mit der Nationalmannschaft. Die Schweiz bereitet sich schon eine Woche lang auf das Turnier vor. „Das ist ein großer Vorteil – auch was das Zusammenspiel angeht.“ Außerdem seien die Voraussetzungen ganz andere. Der Jahresetat der schweizer Nationalmannschaft betrage um die 200 000 Euro, der von Deutschland zwischen 10 000 und 15 000 Euro. „Die haben teilweise Profi-Bedingungen“, sagt Marx. Dennoch ist er zuversichtlich, dass es eine gute EM wird. Nationatrainer Olaf Neuenfeld habe schon die Spieler ausgewählt, die zusammenpassten. Eine Stammplatzgarantie gebe es für niemanden. Trotzdem würde sich Marx wünschen, zumindest im Vorfeld zu wissen, wer denn spielt. „Das wäre nicht schlecht.“ Er selbst sei jedenfalls bereit, trotz seiner weiter andauernden Zerrung. „Wenn ich spiele, vergesse ich sie“, sagt er und fügt an: „Ich will immer spielen.“
Die Konkurrenz ist für ihn auf der Abwehr- beziehungsweise Zuspielerposition aber stark. Mit Sascha Ball (VfK Berlin), Jan Hoffrichter (TV Stammheim) und Christian Kläner (TV Brettorf) hat er erfahrene Teamkameraden. Zudem ist Olaf Machelett (TV Westfalia Hamm) nominiert. Auch Meyer hat im Angriff keine Stammplatzgarantie. Willm Engelke (MTV Hammah) und Steffen Konprecht von Vaihingens Ligakonkurrenten Offenburger FG streiten sich mit ihm um einen Platz.
Und worauf wird es ankommen, um am Ende ins Finale zu kommen? „Wir müssen uns vor allem gut auf die Mitspieler einstellen“, weiß Meyer.
