Donnerstag, 24. Mai 2012

Wenn ein Sprinter Ausdauer beweisen muss


Leichtathletik
Johannes Lohrer

Vaihingen (vkz) – Im vergangenen Herbst hat der Gündelbacher Johannes Lohrer seinen Rücktritt vom Leistungssport bekannt gegeben. Neben dem Studium zum Diplom-Verwaltungswirt bewegten ihn immer wieder kehrende Verletzungen zu dieser Entscheidung. Der Leichtathletik ist er trotzdem erhalten geblieben. Seit Oktober ist er Trainer in Mühlacker.
Lohrer, der zwei Jahre lang gelegentlich in der Sendestadt trainierte, übernahm die Schülergruppe von Michael Heid, der zum VfL Sindelfingen als Jugendtrainer gewechselt war. Das war eine Aufgabe mit ganz neuen Erfahrungen. Früher hatte Lohrer bei Wettkämpfen immer Betreuer, die sich um die Organisation rund um den Sport kümmerten. Dies ist jetzt Aufgabe des Trainers. „Bislang ging alles gut, aber beinahe hätte ich bei meinem ersten Wettkampf die Startunterlagen vergessen abzugeben“, sagt er. Im letzten Moment fiel ihm sein Versäumen auf.
Ende des Jahres kam die Aufgabe des sportlichen Leiters der Leichtathleten hinzu. Die Abteilung wurde neu strukturiert, die Versammlung wählte den „Neuen“ mit Leistungssportvergangenheit. Als im Januar der Kreistag der Leichtathleten stattfand, warnten ihn seine Kollegen schon im Vorfeld „nicht zu strecken wenn Wahlen anstehen“. Gestreckt hat er nicht – gewählt wurde er trotzdem. Rainer Kock, Schatzmeister des Württembergischen- Leichtathletik-Verbandes, ehrte den scheidenden Kreisvorsitzenden Franz Wahala, und sprach sich beim offenen Amt des Pressewarts für seinen Schützling aus. Kock ist in Lohrers Stammverein SKV Eglosheim Abteilungsleiter und eine der treibenden Kräfte beim LAZ Salamander Kornwestheim. Bei solch einem Fürsprecher waren sich alle Anwesenden sicher, den Richtigen zu wählen.
So kam es, dass Lohrer jüngst bei den Kreismeisterschaften Käppele-Stadion in Mühlacker in verschiedenen Ämtern im Einsatz war. Neben der Wettkampfbetreuung seiner Athleten wurde er auch als Wettkampfleiter der Veranstaltung eingesetzt. Ausgestattet mit Zeitplan und den Wettkampfbestimmungen übernahm er die Aufgabe der Verbandsaufsicht. Und als Pressewart stand er mit Stift, Papier und Kamera an der Rundbahn.
Seine Schützlinge wollten ihn aber unbedingt selbst sprinten sehen. „Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Sindelfingen waren wir als Zuschauer vor Ort. Die Kinder waren begeistert als Tobias Unger sich kurz Zeit für Bilder nahm und ihnen erzählt hat, dass wir zusammen Staffel gelaufen sind“, sagt Lohrer. Also wollten seine Schützlinge eine Kostprobe seines Könnens.
So entschied sich ihr Trainer um, schnürte die Spikes und startete über 100 Meter. Mit 11,22 Sekunden wurde er Erster und distanzierte seine Mitstreiter um mehr als zwei zehntel Sekunden. Bei 80 Metern ließ es Lohrer austrudeln und trabte eher durchs Ziel. „Ich wollte nicht gewinnen, geschweige denn in die Bestenliste.“ Er selbst habe sich etwa 11,5 Sekunden zugetraut. An die Elf-Sekunden-Marke wäre er wohl gekommen, und hätte sich damit in den Top 15 im Land platziert. „Es hat großen Spaß gemacht“, meint Lohrer zum Lauf. Auf gerade einmal „eine lockere Einheit“ kommt der Gündelbacher, der früher bis zu zehn Mal in der Woche trainiert hat. Entsprechend überrascht zeigt er sich über die Zeit. Diese verbesserte er vor gut einer Woche bei den Regionalmeisterschaften sogar noch. In 11,19 Sekunden wurde er Dritter. Und das praktisch ohne Training. Lohrer scheint dadurch wieder auf den Geschmack gekommen zu sein. „Ich werde dieses Jahr noch ein paar Mal starten“, sagt er.
 Im Herbst wird er seinen Startpass von Kornwestheim nach Mühlacker holen. In diesem Jahr ist er noch für das LAZ startberechtigt. Eventuell kommt in Mühlacker eine Staffel zustande.
Apropos Staffel. Hervorragend habe der Wechsel vom Sprinter zum Funktionär geklappt. „Wohl eine der schönsten Übergaben“, scherzt der ehemalige deutsche Staffelmeister. Er muss es wissen. Nicht jede glückte dem Studenten. Lohrer ließ schon bei deutschen Meisterschaften im Endlauf das Holz fallen. Über den Verein hinaus ist Lohrer im Sport aktiv. Seit Anfang des Jahres ist er Mitarbeiter bei der Sportregion Stuttgart und dort Praktikant. Eine Tätigkeit, die ihm in seinem Wahlpflichtfach „Öffentlichkeitsarbeit“ entgegenkommt.
Für das Weltfinale der Leichtathleten in Stuttgart organisiert die Sportregion einen Sternlauf ins Gottlieb-Daimler-Stadion. Ein Projekt an welchem Lohrer mitarbeiten wird. Ab September wird er ein Praktikum beim WLV absolvieren. „Mit der Leichtathletik bin ich nach wie vor verbunden.“ Und auch hinter den Kulissen kann ein Sprinter ins Schwitzen kommen. Früher war nach etwa elf Sekunden Schluss. „Jetzt kommt es mir so vor, als hätte ich ein Marathonrennen absolviert."


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