Donnerstag, 24. Mai 2012

„Die DFL macht die kleinen Vereine kaputt“


Fußball
Hans-Jörg Arnold

Vaihingen – Heute wird Hans-Jörg Arnold 60 Jahre alt. Grund genug, um ein Gespräch mit dem Vorsitzenden der Fußballer des Bezirks Enz/Murr zu führen. Doch Arnolds Jahrestag war nicht das einzige Thema, über das VKZ-Sportredakteur Jens S. Vöhringer mit ihm sprach.

Herr Arnold, am Freitag, 18. Juli, ist kein Staffeltag, oder?
Nein, da werde ich im Kreise der Familie und mit Freunden meinen 60. Geburtstag feiern. Es werden so um die 40 Personen kommen.

Sie haben die Staffeltage also so gelegt, dass sie am 18. Juli frei haben.
Die Termine habe ich nicht gemacht. Die Staffelleiter wissen aber, dass ich Geburtstag habe.

Was erhoffen Sie sich sportlich von ihrem 61. Lebensjahr?
Dass möglichst wenige Vereine ihre Mannschaften zurückziehen und dass die geplante Änderung der Anstoßzeiten der Bundesliga am Sonntag um 14.45 Uhr nicht kommen wird.

Sie sind jetzt seit zwei Jahren Bezirksvorsitzender. Werden Sie wieder kandidieren?
Ja, ich werde mich wieder zur Wahl stellen.

Blicken Sie doch bitte einmal kurz auf die bisherigen zwei Jahre zurück.
Es gab Höhen und Tiefen. Aber das Positive überwiegt. Da ist zum einen die Zunahme an Vereinen. Vor allem im Frauenfußball sind wir da vorne dabei. Der Bezirk Enz/Murr hat so viele Mannschaften, dass wir alleine eine Bezirksliga ins Leben rufen könnten. Es gibt hier mittlerweile über 20 Mannschaften. Und Löchgau in der zweiten Liga sowie der TSV Ludwigsburg in der Oberliga spielen hochklassig. Auch über den Oberligisten SGV Freiberg sowie über die Verbandsligisten SKV Rutesheim und FSV 08 Bissingen sowie den Landesliga-Aufsteiger TSV Münchingen bei den Männern freue ich mich besonders. Schön, dass wir auch in diesem Bereichen so gut vertreten sind. Auch über die neuen Mannschaften wie die Sportfreunde Mundelsheim oder DITIB Ludwigsburg bin ich erfreut.

Stichwort Frauenfußball. Was kann man da noch verbessern?
Es gibt viele Programme, mit denen man beispielsweise auch den Jugendbereich auffüllen kann. Wichtig ist, dass wir das behutsam angehen, auch im Hinblick auf die Platzprobleme, die in vielen Vereinen herrschen.

Was war negativ, seit Sie Bezirksvorsitzender sind?
Dass der Ausschuss der Schiedsrichtergruppe Leonberg samt Obmann zurückgetreten ist. Sicher wird es sportlich dort irgendwie weitergehen, doch ohne Obmann und Ausschuss ist das natürlich umso schwieriger.

Gerade in dieser Hinsicht haben Sie sich ja wegen eines derzeit heiklen Themas auf den Staffeltagen immer wieder gegen einen Plan seitens der Deutschen Fußball Liga (DFL) ausgesprochen. Diese will, dass in Zukunft drei Sonntagsspiele bereits um 14.45 Uhr angepfiffen werden.
Die DFL darf sich hiermit nicht durchsetzen. Damit macht sie die kleinen Vereine kaputt. Es geht hierbei nicht um den Sonntag, sondern um die Zeit des Anpfiffs. Sollte das durchgehen, wäre das ganz schlimm für die Vereine, die ich vertrete.

Weshalb?
Die kleinen Vereine haben doch ohnehin schon Probleme, genügend Spieler zusammen zu bekommen und ihre Mannschaften zu füllen. Durch die Pläne der DFL laufen sie Gefahr, noch mehr Spieler und auch Zuschauer zu verlieren, die dann sonntags lieber den großen Fußball sehen wollen.

Was wollen Sie gegen die DFL-Pläne tun?
Wie auf den Staffeltagen angekündigt, werde ich DFB-Präsident Theo Zwanziger einen Brief schreiben. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wie er die kleinen Vereine für 30 Millionen Euro pro Jahr verkaufen kann.

Das ist die Summe, die das Fernsehen zusätzlich zahlen würde.
Genau. Ich denke nicht, dass es dieser Betrag dem DFB Wert ist, dass die kleinen Vereine kaputt gehen. Schließlich lebt der deutsche Fußball ja von der Jugend. Und bisher war es immer so, dass die Spieler von unten nach oben kommen und nicht anders herum.

Wird Ihr Brief die einzige Maßnahme sein?
Nein, es wird in Kürze ein Treffen aller Bezirksvorsitzenden des Württembergischen Fußballverbands geben. Da werden wir die Sache noch einmal erörtern und dann dagegen vorgehen.

Nochmal zum Termin – was erbost sie daran so sehr?
Es geht mir nicht um den Sonntag. Von mir aus können die Bundesligisten da spielen, aber eben erst ab 17 Uhr, wenn wir durch sind. Das Problem ist doch die enge Terminlage. Auf den Samstag können die meisten Vereine mit ihren Aktiven nicht ausweichen – da spielt die Jugend.

Wird Sie das Thema auch an Ihrem Geburtstag beschäftigen?
Nein, da denke ich einige Stunden einmal nicht dran.

Aber am 60. wird doch sicher auch über Fußball geredet.
Klar, der eine oder andere Fußballer oder Schiedsrichter ist ja schließlich auch eingeladen.


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