Donnerstag, 24. Mai 2012

Nur das Vereinsheim fehlt noch


VdH
Elke (links, mit Mona) und Tatjana Bemsel (rechts, mit Casey) wissen genau, worauf es beim Tierhundesport ankommt. Foto: Vöhringer

Iptingen (jsv) – Elke Bemsel und ihre Tochter Tatjana laufen über das Sportgelände in Iptingen. „Hier soll bald das Vereinsheim stehen“, sagt Elke Bemsel. Wann genau? Das weiß sie noch nicht. Der Antrag liege beim Landratsamt. Sie hofft, dass es spätestens in fünf Jahren so weit ist. Belächelt seien sie oft worden, erinnern sich die beiden. Als sie damals den Verein der Hundefreunde Iptingen, kurz VdH, mit ins Leben gerufen hatten, glaubten viele, dieser würde sich nicht lange halten.
Die Zweifler wurden eines Besseren belehrt. Der VdH Iptingen ist gesünder denn je. Die Mitgliederzahlen sind steigend, die zwei Regale im derzeit noch als Ausweichlösung dienenden Bauwagen rappelvoll mit Pokalen. Und das seien nicht Trophäen für irgendwelche Teilnahmen, sondern für durchweg erste Plätze gewesen, betont Elke Bemsel. „Bei den Turnieren kennt man uns mittlerweile“, sagt sie stolz. Vor zwei Wochen hat der Verein zudem erstmals selbst ein Turnier ausgerichtet, an dem auch Starter von anderen Klubs teilnahmen.
Oft geht alles ganz schnell. „Wir haben damals mit null Ahnung angefangen“, sagt die 43-Jährige. Damals, das war 2001. Auf dem alten Bolzplatz in Pinache ging alles los. „Es war eine kleine Truppe, die dort mit dem Hundesport angefangen hat, so um die 20“, blickt Elke Bemsel zurück. Begonnen hatte alles mit einer Stange und zwei Holzklötzen. Ihr Vater habe diese hergestellt. „Es war genial“, sagt die Übungsleiterin. Peu à peu sind mehr Geräte dazugekommen.
Lange sei der VdH auf der Suche nach einem geeigneteren Gelände gewesen, erinnert sich der zweite Vorsitzende Uwe Gunzenheimer. Er habe nie locker gelassen und ständig bei der Gemeinde nachgefragt. Als diese das Gelände neben dem Iptinger Fußballplatz kaufte, stand der passende Platz bereit. Zwar war er noch schräg, doch Gunzenheimer füllte ihn „mit einigen Kubikmetern Erde“ auf und begradigte ihn. Seit 2004 haben die Iptinger Hundefreunde dort nun ihr Trainingsgelände.
Heute hat der Verein um die 140 Mitglieder – 20 davon seien richtig gute Läufer, so Elke Bemsel. Die Mitglieder kommen aus allen möglichen Ortschaften – und nicht nur aus näheren wie Großglattbach oder Nussdorf. Es seien Hundehalter aus Öschelbronn und auch aus Wimsheim dabei, sagt sie. Außer ihr hat der Verein mit Stefanie Haindl (Junghunde-, Welpenkurse), Gunzenheimer, Maaike Sloof und ihrer Tochter (alle Basiskurse) noch weitere Übungsleiter.
Turnierhundesport (THS) gibt es bisher nur in Deutschland. „Es ist noch ein langer Weg, bis es einmal eine Europameisterschaft gibt“, sagt Elke Bemsel. Um THS zu betreiben, bedarf es weder einer bestimmten Hunderasse, noch ganz bestimmter Voraussetzungen. Denn alle Disziplinen sind so aufgebaut, dass sie mit Hunden aller Größen ausgeführt werden können. „Wer Sport mit seinem Hund machen will, für den ist der Turnierhundesport interessant“, sagt Elke Bemsel. Das Turnier-Programm wurde nach und nach ausgebaut. Weiterhin werden auch Hindernislauf-Turniere angeboten. Diese gibt es bereits seit 1972.
Beim Hindernislauf kommt es auf Tempo und die aktive Bewegungsarbeit mit dem Hund an. Der Halter sollte beim Überwinden der Hindernisse freudig mitgehen. Auf der 75 Meter langen Strecke hat der Hund acht Hindernisse zu bewältigen. Der Vierbeiner muss eine Hürde überspringen, dann eine Treppe oder eine Schrägwand überqueren, durch einen Tunnel laufen, einen 65 Zentimeter hoch aufgebauten Laufdiel passieren, einen Reifen durchspringen, einen Hoch-Weitsprung ausführen und am Ende erneut eine Hürde überspringen. Abgesehen von den verschiedenen Altersklassen für die Hundeführer (Jugend, Mädchen, Frauen, Senioren) wird der unterschiedlichen Physis der Hunde Rechnung getragen. Es gibt zwei Gruppen: Hunde über 50 Zentimeter und Hunde die kleiner sind. Auch in dieser Disziplin läuft der Hundeführer parallel zur Hindernisbahn mit.
Der Vierkampf ist in die Kategorien Gehorsam, Hürden-, Slalom- und Hindernislauf aufgeteilt. „Das ist wie beim Eiskunstlauf – mit Pflicht und Kür“, beschreibt Elke Bemsel diese Disziplin. Der Gehorsam ist das A und O im Hundesport, er stellt die Grundlage dar. Schließlich müssen die Tiere blitzschnell auf jede Geste und Anweisung ihres Frau- oder Herrchens reagieren. Beim Hürden- Slalom- und Hindernislauf kommt es auf Schnelligkeit, Technik und Ausdauer an – und darauf, dass der Hund immer auf Höhe seines Halters bleibt. Fehlerpunkte gibt es, wenn eine Latte abgeworfen wird. Der Geländelauf gehört seit 1976 zur Turnierordnung. Er wird über 2000 und 5000 Meter ausgetragen. Der Hund muss hierbei angeleint sein. „Die Strecken kennen wir vor den Wettkämpfen nicht“, sagt Elke Bemsel.
Bleiben noch die Combination-Speed-Cup-Wettkämpfe (CSC). Es handelt sich dabei um einen Dreier-Mannschaftswettkampf. CSC setzt sich aus dem Hürden-, dem Slalom- und dem Hindernislauf zusammen. Der Geräteparcours ist in drei Sektionen aufgeteilt. Jedes Mannschaftsmitglied muss dabei eine Sektion durchlaufen. Die schnellen Wechsel sorgen für ein hohes Durchlauftempo. Die Gewichtung von Fehlern ist gegenüber dem Vierkampf bewusst zurückgenommen, um ein hohes Tempo sicherzustellen. Beim CSC ist das Zusammenspiel der Mensch- und Hund-Teams von größter Bedeutung.
Für zehn Mitglieder des VdH Iptingen stehen die beschriebenen Disziplinen heute und morgen bei den südwestdeutschen Meisterschaften in Ladenburg auf dem Programm. Dort wird es insgesamt 500 Einzelstarts geben. „Mal sehen, was wir schaffen“, sagt Elke Bemsel . Sie selbst mit Mischling Mona und ihre Tochter Tatjana mit dem zweiten der drei Familienhunde Casey sind auch am Start – jeweils im Vierkampf und im CSC ihrer Alterskasse. Tatjana tritt zudem im QSC, einem K.-o.-Schnelligkeits-Wettkampf an. Was sie erreichen können? Tatjana Bemsel zuckt mit den Schultern. „Das ist Tagesform“, sagt sie. Sicher, das hört man vor Sportwettkämpfen immer. Beim THS hat diese Aussage aber eine viel weit reichendere Tragweite. „Vor allem der Hund muss sich wohlfühlen, um gut abzuschneiden“, erläutert die 17-Jährige.
Viel Zeit verbringen die Bemsels auf dem Iptinger Trainingsgelände. „Zu viel“, meint Elke Bemsel lachend. Ab und an habe es wegen des Trainingsplatzes auch schon Ärger mit dem Landratsamt gegeben. „Weil gewisse Normen nicht eingehalten wurden. Das Problem ist, dass das Gelände außerhalb des Bebauungsplans liegt“, so Gunzenheimer. „Hier ist Naturschutzgebiet“, fügt Elke Bemsel an. Deshalb werde auch der Bauwagen von einigen nicht so gerne gesehen. In diesem gibt es mittlerweile Strom und fließend Wasser, um einmal einen Kaffee zu machen, sagt Gunzenheimer. Möglicherweise kann er diesen ja in fünf Jahren im Vereinsheim servieren.

Training: Mittwochs ab 17.30 Uhr sowie samstags von 16 bis 18 Uhr.

Kontakt: Elke Bemsel (Telefon 07044/5872 oder E-Mail: ebemsel@vdh-iptingen.de).


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