30/01 2010
Cedrik-Marcel Stebe zahlt Lehrgeld
Talheim (nac). Schnell war der Traum ausgeträumt. Ein bisschen zu schnell. Cedrik-Marcel Stebe hat nur 54 Minuten die Luft des Centercourts in Talheim schnuppern dürfen. Dann hatte sich der Kasache Andrey Golubev mit 6:1 und 6:2 bei den Heilbronn Open gegen den Enzweihinger durchgesetzt. Eine Lehrstunde für den 19-Jährigen.
Alles, was am Dienstag in der Erstrundenbegegnung gegen den Polen Michal Przysiezny geklappt hatte, gelang Cedrik-Marcel Stebe am Donnerstagabend nicht mehr. Während nach ihm noch der an Nummer eins gesetzte Michael Berrer und Dustin Brown in einem spannenden Match um den Viertelfinaleinzug kämpften, saß Stebe in seiner Loge, den Camcorder in der Hand und schüttelte nur immer wieder den Kopf. Das Spiel zwischen dem Deutschen und dem Deutsch-Jamaikaner interessierte ihn reichlich wenig. Stebe schaute sich sein eigenes Spiel auf Video an – und fand offensichtlich viele Fehler. „Golubev war von den Schlägen einfach besser“, erklärte der 19 Jahre alte Enzweihinger. „Bei mir ist nichts zusammengelaufen.“
Es war eine kostenlose Lehrstunde, die Stebe im Achtelfinale gegen den Kasachen bekam. Gleich sein erstes Aufschlagspiel gab der Enzweihinger ab. „Er hat mich gleich am Anfang gebreakt. Das gibt einen Knacks. Da ist es schwierig, ins Match zu finden“, berichtete Stebe. Golubev baute seinerseits mit fast jedem Aufschlag, mit jedem Grundlinienschlag Durck auf Stebe auf. Oftmals kamen die Bälle so schnell und platziert – die Angaben beispielsweise drosch Golubev mit rund 20 Kilometer pro Stunde mehr als Stebe über das Netz –, dass der Enzweihinger sich nicht mehr richtig zum Ball stellen konnte. Der Return flog oftmals zu weit. „Alles ging wie im Schnelldurchlauf“, sagte Stebe.
Anfang des zweiten Satzes schien sich der Enzweihinger gefangen zu haben. Er brachte die nötige Länge in seine Schläge und zwang Golubev zu leichten Fehlern. Golubev brachte seine ersten drei Aufschlagspiele durch, und auch Stebe hatte in seinen ersten beiden Aufschlagspielen keine Probleme. Als es aber beim Stand von 2:3 nach Spielen aus Sicht des 19-Jährigen in die entscheidende Phase des Satzes ging, flatterten Stebe plötzlich die Nerven. Im sechsten Spiel kam sein erster Aufschlag kein einziges Mal. Zwei Returns mit der Rückhand landeten als sogenannte unforced errors (englisch für ungezwungene Fehler) im Netz. Und mit einem Doppelfehler beendete der Enzweihinger seinen Service zur 4:2-Führung Golubevs. Der Kasache setzte im siebten Spiel gleich nach. Der erste Aufschlag kam. Ohne Punktgewinn Stebes baute Golubev die Führung auf 5:2 aus. Der Enzweihinger war geschlagen.
„Ich bin nicht enttäuscht. Das Spiel hat Spaß gemacht“, zog Stebe dennoch eine positive Bilanz. „Man hat gemerkt, dass Golubev schon viele Matches auf der Tour bestritten hat. Er hat abgezockerter gespielt. Das kommt aber mit mehr Spielpraxis.“ Die sammelt Stebe von heute an in der Qualifikation des ATP-Turniers Zagreb Indoors.
