Donnerstag, 24. Mai 2012

Win-Win-Situation durch Kooperation mit Bundesligisten




23/01 2010

Win-Win-Situation durch Kooperation mit Bundesligisten

Baba
Basketball, der Spaß macht wie hier beim Spiel der U16 (blaue Trikots) gegen den TSV Mühlhausen. Die BSG Vaihingen/Sachsenheim stellt in jeder männlichen Jugendklasse mindestens eine Mannschaft – mit Ausnahme der Altersklasse U18. Foto: Lämmle

Vaihingen/Ludwigsburg (nac). „Um unsere Sportart in Gang zu bringen, braucht man Leute, die etwas bewegen und mit Herzblut bei der Sache sind. Das haben wir in unseren Kooperationsvereinen“, erklärt Mario Probst, Teammanager der EnBW Ludwigsburg. Der neueste Partner des Basketball-Bundesligisten ist die BSG Vaihingen/Sachsenheim. Für beide Seiten eine Win-Win-Situation.

Zunächst gab es aber einige Bedenken bei den Vaihingern. Vor allem Günter Lämmle machte seine Einwände an einem Beispiel fest: „Warum bekommt die Vaihingerin Rebecca Roller, die in der U17 der BSG Basket Ludwigsburg nur wenig Spielanteile bekommt, kein Zweitspielrecht für Vaihingen, obwohl wir das angefragt hatten?“ Der erste Vorsitzende der BSG Vaihingen/Sachsenheim befürchtete, dass die Kooperation ein einseitiges Arrangement wird. Dass die Ludwigsburger sich die talentierten Nachwuchsspieler abgreifen, ohne dass die Kooperationspartner ebenfalls profitieren.

Die Bedenken wurden aber schnell ausgeräumt. „Wir stärken durch die Kooperation auch die Amateurvereine“, erklärt EnBW-Teammanager Probst. „Uns ist vor allem dann geholfen, wenn wir es schaffen, dass wir zwei oder drei Jugendliche zu Schülermentoren ausbilden, und die wiederum eine Basketball-AG an ihren Schulen anbieten.“ So können weitere Kinder und Jugendliche für den Sport mit dem orangefarbenen Ball und dem Korb begeistert werden.

Kinder für Basketball begeistern ist die unterste Stufe des Nachwuchsförderkonzept des Ludwigburger Bundesligisten, der „eine Ausbildungsplattform“ (Probst) unter dem Dach der Basketball-Akademie (BBA) geschaffen hat (siehe „Die komplette Kette der Jugendförderung“). In dieser fördert die EnBW talentierte Nachwuchsspieler. „Natürlich möchten wir interessante Spieler früh an den Verein binden und sie so fördern, dass sie irgendwann einmal in der Bundesliga für Ludwigsburg auflaufen“, erklärt Probst. Der Bundesligist habe kein Budget, einen deutschen Nationalspieler zu verpflichten. Er sei vielmehr darauf angewiesen, deutsche Spieler selbst an die Bundesliga heranzuführen. Immerhin wird die Deutschen-Quote von derzeit drei in den nächsten Jahren auf bis zu sechs Spieler angehoben. Das bedeutet: Jeder Bundesliga-Club muss mindestens sechs deutsche Akteure bei jeder Begegnung auf dem Spielberichtsbogen stehen haben. Und auch die Vaihinger sind überzeugt. „Hat man einen guten Spieler, kann man ihn über kurz oder lang sowieso nicht halten“, sagt Steffen Schurr, Trainer der U12. „Irgendwann wird er abwandern.“

Spitzensportler, die Leistungsträger in der Bundesliga sind oder sogar international für Furore sorgen, findet man aber nur, wenn man eine breite Basis hat. Probst: „Wir brauchen Masse, um Spitze zu erlangen. Und die Voraussetzungen sind gegeben: Basketball steht bei Kindern immer noch hoch im Kurs.“ Nun müsse man die von der Sportart Begeisterten nur noch dazu bringen, auch in einem Verein zu spielen, anstatt nur auf einem Freiplatz zu zocken. Und je mehr Kooperationspartner die EnBW Ludwigsburg habe, desto größer ist die Chance, dass die Barockstädter Talente finden, die einmal zumindest Bundesliga spielen. „Wir müssen unsere Präsenz in der Region stärken“, fordert Probst.

Auf der anderen Seite profitiert die BSG Vaihingen/Sachsenheim vor allem durch die Traineraus- und -fortbildung. Bereits vor der Unterschrift unter den zunächst auf zwei Jahre angelegten Kooperationsvertrag waren einige Vaihinger und Sachsenheimer Übungsleiter bei Workshops mit Bundesliga-Headcoach Tolga Öngören. „Da gab es gute Hilfestellungen, wie ich die Trainingsinhalte umsetzen kann, die ich im Kopf habe“, berichtet BSG-Trainer Schurr. „Außerdem habe ich gerade das Problem in der U12, dass die Spieler zwar weiter an ihren Schwächen arbeiten müssen, aber alles gewinnen und sich deshalb sagen: ,Ich bin doch eigentlich schon so gut. Ich brauch nicht mehr trainieren.‘“ Sie trotzdem weiter zu motivieren, sei unheimlich schwierig.

Als ersten Höhepunkt der Kooperation sind 26 Kinder der U-12- und U-14-Mannschaften der BSG gemeinsam mit den Profis der EnBW Ludwigsburg zum Heimspiel gegen die BG Göttingen in die Arena Ludwigsburg eingelaufen. „Das war richtig spannend für die Kinder“, erklärt BSG-Trainer Schurr. „Besonders gefallen hat ihnen, dass sie auf die Auswechselbank durften, während sich die Spieler aufgewärmt haben.“ Und EnBW-Teammanager Probst ergänzt: „Es geht darum, den Sport hautnah zu erleben. Dass die Kinder mit den Profis eingelaufen sind, davon zehren sie noch lange.“




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