"Vaihingen ist zurzeit keine Sportstadt"
13/01 2010
"Vaihingen ist zurzeit keine Sportstadt"
Vaihingen (nac). „Ich habe keinerlei Körperspannung. Wir haben zwei Wochen nicht trainiert.“ Clemens Beisel, Center bei den Landesliga-Basketballern der BSG Vaihingen/Sachsenheim sprach vielen Sportlern aus der Region aus dem Herzen. Die gesamten Weihnachtsferien waren die Sporthallen in Vaihingen geschlossen.
Der Unmut vor allem bei den Aktiven ist groß. Die Handballer und die Basketballer hatten bereits am vergangenen Wochenende einen kompletten Spieltag. Doch an Training war in der Woche zuvor nicht zu denken. Die Vaihinger Turnhallen blieben geschlossen. Der Schuldige aus Sicht der Vereine ist schnell gefunden: die Stadt. „Vaihingen ist zurzeit keine Sportstadt“, resümiert Helmuth Lindner, Handball-Abteilungsleiter des TV Vaihingen. Seine Stellvertreterin Ingrid Göbgen ergänzt: „Dieses Mal war die Spanne extrem lang. Zweieinhalb Wochen war die Halle eigentlich noch nie über Weihnachten zu. Dieses Jahr lagen die Feiertage für Sportler extrem ungünstig.“
Nur eine Woche kein Training kann selbst für einen Hobbysportler tödlich sein. Der Körper stellt sich auf den Rhythmus aus Trainingseinheiten und Spielen ein. Wird dieser unterbrochen, reagiert der Körper darauf. Als Sportler fühlt man sich steif. Aktionen auf dem Spielfeld, die während des gewohnten Rhythmus als Selbstverständlichkeit galten, fühlen sich fremd an. Einfachste Bewegungsabläufe können nicht mehr wie gewohnt abgerufen werden. Die Trainer sprechen davon, dass die Spieler wieder das Gefühl für den Körper und den Ball finden müssen.
Die Bezirksliga-Handballerinnen des TV Vaihingen haben sich so beholfen, dass sie in die Beachhalle nach Bietigheim ausgewichen sind, um „wenigstens einmal aufs Tor zu werfen“, wie Co-Trainerin Silke Gutscher sich ausdrückte. Die Landesliga-Basketballer der BSG Vaihingen/Sachsenheim trafen sich ungewöhnlich früh vor dem Spiel, um noch eine kurze Trainingseinheit zu absolvieren. Zufriedenstellend waren beide Aktionen nicht wirklich.
„Früher in Kleinglattbach gab es wenigstens noch ein Gentlemen-Agreement“, sagt TVV-Abteilungsleiter Lindner. „Ich bekam vom Hausmeister einen Schlüssel und habe dafür gesorgt, dass die Halle sauber ist und abgeschlossen wird. Das habe ich elf Jahre gemacht, und es gab niemals Probleme.“ Auch die Basketballer haben ähnliche Erfahrungen gemacht. In der Stromberghalle hat die BSG Vaihingen/Sachsenheim immer wieder in den Ferien trainieren können.
Doch nicht in den Weihnachtsferien. „Solche Gentlemen-Agreements sind Einzelfallentscheidungen“, erklärt Armin Bäßler, Leiter der Abteilung Liegenschaften beim Liegenschafts- und Gebäudewirtschaftsamt der Stadt Vaihingen. „Doch der Meisterschaftsbetrieb reicht nicht aus, dass im Winter Ausnahmen gemacht werden. Der Faustball-Europapokal ist da eine andere Größenordnung. Die Benutzungsordnung, die vom Gemeinderat beschlossen wurde, besagt klipp und klar, dass während der Schulferien zu Ostern, im Sommer und über Weihnachten alle Nutzungseinheiten geschlossen sind.“ Es werde zwar nicht unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten entschieden, sondern auch sportliche Aspekte abgewogen. Doch Fakt sei, dass im Winter die Hallenbewirtschaftung höhere Kosten verursache als im Sommer. Denn neben der Beheizung der Hallen und des Wassers zählten auch der Winterräumdienst und Zusatzkosten wegen der Reinigung dazu.
Im Sommer ist das kein Problem: Heizkosten und Verunreinigungen durch Schnee und Matsch sind nicht zu erwarten. „Wir haben vor drei Jahren erreicht, dass wir wenigstens die letzten zwei Wochen der Sommerferien in die Sporthalle dürfen“, sagt Göbgen von den TVV-Handballern. „Seitdem läuft das wenigstens. Und kleine Schritte sind besser als gar keine.“
Was sich Göbgen für die Zukunft wünscht, ist dass sich alle Vereine aus Vaihingen mit Hallensport unter dem Motto „Gemeinsam sind wir stark“ zusammentun, um die Stadtverwaltung zu einem Umdenken zu bewegen. Göbgen: „Die Vaihinger Vereine tun viel für die Kinder und Jugendlichen in Vaihingen. Wir könnten aber noch mehr machen. Uns sind aber die Hände gebunden.“ Immanuel Klenk, Kassier bei der BSG Vaihingen/Sachsenheim geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir haben qualifizierte ehrenamtliche Trainer und Betreuer und sind willens, auch in den Ferien Training anzubieten. Doch von der Stadt werden uns Steine in den Weg gelegt. Stattdessen unterhalten wir uns in ein paar Jahren vielleicht darüber, dass Vaihingen Jugendsozialarbeiter einstellen muss.“
