Donnerstag, 24. Mai 2012

"Fausto" ist eine Klasse für sich




11/01 2010

"Fausto" ist eine Klasse für sich

Faustball
Kolja Meyer musste auch in der Verteidigung schwer arbeiten. Doch auch der Vaihinger Angreifer konnte die 2:4-Finalniederlage gegen den FB Schwellbrunn nicht verhindern. Foto: Feldmann

Bad Ragaz (sv). Für die Vaihinger Faustballer ist der Hallen-Europapokal am Wochenende einer Achterbahnfahrt gleichgekommen. Auch wenn am Ende nicht der Titel zu Buche stand, ist das Team von Trainer Karl Katz nicht unzufrieden mit der Silbermedaille. Im Finale unterlag der TVV dem FB Schwellbrunn mit 2:4.

Hätte es beim diesjährigen Hallen-Europapokal einen kardiologischen Notdienst gegeben, hätte er sicher einen Vaihingen-Zuschlag verlangen müssen. Die beiden Partien am Wochenende, in die der Cupverteidiger nicht involviert war, endeten klar mit 4:0. Das Halbfinale mit Vaihinger Beteiligung und das Endspiel glichen allerdings einem Nervenkrieg, den der TVV nur einmal gewann.

„Wir haben im Vorfeld natürlich auf mehr gehofft. Aber bei diesem Europapokal war es keine Schande, Zweiter zu werden“, kommentierte Spielführer Marco Lochmahr den vierten zweiten Platz seiner Mannschaft innerhalb von zehn Monaten  – nach dem Vizetitel beim Feld-Europapokal sowie den beiden deutschen Vizemeisterschaften in Halle und Feld. 2:4 lautete das Finalergebnis gegen den Schweizer Meister FB Schwellbrunn, bei dem Cyrill „Fausto“ Schreiber seinen Ruf als bester Angreifer der Welt unterstrich. Eine „Fausto“-One-Man-Show verhinderte im Finale lediglich TVV-Angreifer Michael Krauß, der Vaihingen mit seinen Angaben im Spiel hielt.

So deutlich, wie es der Endstand von 4:2 vermuten lässt, fiel der Sieg der Schweizer aber nicht aus. Schwellbrunn entschied 59 Ballwechsel für sich. Vaihingen wies mit 54 Punkten keinen deutlich schlechteren Wert vor. Eine Pattsituation, die dazu führte, dass das Spiel zu jedem Zeitpunkt Spannung bot. Zu Beginn gingen zwei Sätze mit 11:8 und 11:5 an Schwellbrunn, bevor Vaihingen mit 11:7 nachzog.

Ein ausgeglichener vierter Durchgang wurde schließlich durch eine umstrittene Entscheidung des nicht immer souveränen Schiedsrichter Kurt Parzer aus Österreich zu Gunsten der Schwellbrunner entschieden. Beim Stand von 10:10 berührte der Ball die Leine, nachdem er offenbar aus dem Feld der Schweizer gesprungen war. Parzer hatte das anders gesehen und sprach den Appenzellern einen Punkt zu, mit dem sie selbst nicht mehr gerechnet hätten. Sie gewannen den Satz 13:11.

Vaihingen verkraftete diesen Pfiff aber besser, als von manchem Anhänger befürchtet, und entschied nach einem 3:6-Rückstand den fünften Satz mit 11:6 für sich. Die totgesagten Enzstädter schienen ihre Auferstehung in Satz sechs fortzusetzen. Doch nach einer Auszeit der Eidgenossen beim Stande von 7:8 gingen die nächsten Punkte allesamt an den Schweizer Meister, der damit den vierten Satz mit 11:8 für sich entschied und die stehenden Ovationen genießen durfte. Der Beifall galt allerdings auch dem Vizepokalsieger.

Im Halbfinale war es den Vaihingern am Samstag gelungen, den Österreichischen Meister FBC Linz-Urfahr mit 4:3 aus dem Wettbewerb zu werfen. Bereits nach vier Sätzen hätte der TVV alles klar machen können – allein der zweite Satz stand dem Titelverteidiger im Weg. Die Sätze eins, drei und vier gingen klar mit 11:7, 11:6 und 11:5 an den TVV. Nur den zweiten Satz gewann Linz mit 13:11, obwohl Vaihingen zwischenzeitlich mit 10:6 vorne lag. Ganze vier Satzbälle ließ sich der TVV entgehen. Eine Fahrlässigkeit, die dem Bundesliga-Zweiten fast den Finaleinzug gekostet hätte. „Den Satz haben wir natürlich verbockt, sonst hätten wir hier mit 4:0 gewonnen“, analysierte Trainer Katz nach dem knappen Sieg. Statt nach vier Sätzen die Endspielteilnahme zu feiern, begann die Arbeit für Team und Trainer nach den ersten vier Durchgängen erst richtig.

Linz wollte sich nicht unter Wert verkaufen. Interimstrainer Martin Weiß hatte zu Beginn des fünften Satzes im Duo Christian Koller/Martin Arthold seinen besten Angriff aufs Feld gebracht und wurde dafür belohnt. Während sich bei den Vaihingern, allen voran Schlagmann Kolja Meyer, der Kräfteverschleiß bemerkbar machte, bekam Linz dank eines 11:7- und eines 11:6-Satzgewinns die zweite Luft. Der siebte Satz musste beim Stand von 3:3 also die Entscheidung bringen.

Dass der Sieger des ersten Semifinales am Ende doch TV Vaihingen hieß, verdankten die Enzstädter auch der Wechselstrategie ihres Trainers, der für den entscheidenden Durchgang Michael Krauß und den wegen einer Erkältung zunächst auf der Bank sitzenden Marco Lochmahr ins Spiel brachte. Beide trugen zum 11:8-Satzerfolg und somit zum Sieg bei.

Deutlich weniger spannend verlief der Einzug ins Europapokal-Endspiel für den FB Schwellbrunn. Mit Heimvorteil legte der Schweizer Meister im zweiten Halbfinalspiel gegen den Deutschen Meister MTV Hammah eine Dominanz an den Tag, die sich auch in der Statistik widerspiegelte. Mit 13:11, 11:5, 11:6 und 11:5 fegten die Schweizer die Niedersachsen förmlich ˘aus der Halle.

Trotz der 0:4-Pleite im Halbfinale hatte Hammah am Sonntag Grund zu feiern. Im Spiel um Platz drei besiegte der MTV den FBC Linz-Urfahr klar mit 4:0 (11:5, 11:8, 11:5 und 11:4). Ohne Angreifer Christian Koller, der sich im Halbfinale gegen den TVV den kleinen Finger gebrochen hatte, konnte der Österreichische Meister seine Leistung vom Samstag nicht bestätigen.


Europapokal-Ergebnisse
Halbfinale
FBC Linz-Urfahr – TV Vaihingen 3:4 (7:11, 13:11, 6:11, 5:11, 11:7, 11:6, 8:11)
 FB Schwellbrunn – MTV Hammah 4:0 (13:11, 11:5, 11:6, 11:5)

Spiel um Platz drei
FBC Linz-Urfahr – MTV Hammah 0:4 (5:11, 8:11, 5:11, 4:11)

Finale
TV Vaihingen – FB Schwellbrunn 2:4 (8:11, 5:11, 11:6, 11:13, 11:6, 8:11)




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