Alles angerichtet für den Europapokal
09/01 2010
Alles angerichtet für den Europapokal
Vaihingen (sv). TVV-Verteidiger Andreas Rothmaier, Fanbeauftragter Helmut Modenese und Busfahrer Dean Kovacic haben dieser Tage eines gemeinsam: In ihren Zuständigkeitsbereichen wollen sie dafür sorgen, dass der Faustball-Europapokal zumindest organisatorisch ein Erfolg wird.
Andreas Rothmaier sitzt vor seinem Laptop und ist auf der Suche. Es ist ein Bild, das vor Faustball-Großereignissen mittlerweile schon lange keinen Seltenheitswert mehr hat. Denn der TVV-Verteidiger durchsucht Festplatten, CDs und Internet, um einen Song zu finden, der die Mannschaft während des Turniers begleiten wird. Die Kriterien für das Europapokal-Lied sind denkbar einfach. „Ich gehe da eher zufällig vor. Wichtig ist, dass das Lied witzig und total schlecht ist, so dass es die Mannschaft richtig nervt“, erklärt der Faustballer mit einem Schmunzeln.
Den Job als Mannschafts-DJ hat er seit der deutschen Hallenmeisterschaft 2008 in Aschaffenburg inne. Damals ließ Rothmaier einen Klingelton, den er zufällig auf seinem Handy gespeichert hatte, vor jedem Spiel laufen. Das Team hatte den Klingelton zwar bald leid, errang mit Rothmaiers Musikauswahl aber dennoch die erste Meisterschaft in der Vereinsgeschichte. „Als wir dann das Endspiel gewonnen hatten, haben wir das Lied sogar einspielen lassen“, erinnert sich Rothmaier.
Welche Hintergrundmusik der Verteidiger ausgewählt hat, verrät er vor der Veranstaltung weder seinen Mannschaftskollegen noch der Presse. Ein kleiner Tipp entfährt ihm aber doch: „Ich sag’ nur: Fackelzug und Karl Hecht.“ Was das TVV-Ehrenmitglied allerdings mit dem Europapokal-Song 2010 zu tun hat, werde erst am Samstag vor dem Duell gegen den FBC Linz verraten.
Genauso laut wie in der Umkleidekabine soll es auch auf den Rängen zugehen. Immerhin hat die Unterstützung des heimischen Publikums dem TVV bei der vergangenen Auflage des Hallen-Europapokals zum Gewinn des Cups verholfen. Dieses Mal gehen die Vaihinger Faustballer zwar im schweizerischen Bad Ragaz zu Werke – heimische Klänge müssen die TVV-Faustballer trotzdem nicht vermissen. Dafür sorgt Helmut Modenese.
Modenese ist eigentlich Bewirtungschef bei den Heimspielen der Vaihinger, kümmert sich aber auch um die Fanbetreuung. Am Donnerstag stapelte sich die Ausrüstung für den Fanblock noch im Haus der Modeneses in Kleinglattbach. Am allerwichtigsten sind die Trommeln, die auch auswärts immer dabei sind. Der Fanbeauftragte erzählt: „In Bad Ragaz werden neben einer kleinen Trommel auch unsere beiden großen dabei sein. Erst am Donnerstagmorgen haben wir noch neue Klöppel für die Instrumente gebaut, nachdem die anderen abgebrochen waren.“
Doch nicht nur laut, sondern auch bunt soll es bei den Vaihinger Anhängern zugehen. Dafür hat Modenese natürlich auch Utensilien im Gepäck. Neben einer Württemberg-Flagge soll auch eine eigens angefertigte Fanclub-Fahne den Vaihingern Glück bringen. „Die Fanclub-Fahne haben wir seit der deutschen Hallenmeisterschaft im vergangenen Jahr dabei“, erzählt der Fanbeauftragte. Leider, ergänzt er, seien seitdem immer nur zweite Plätze für den TVV zu Buche gestanden.
Insgesamt 32 Mann stark ist die Vaihinger Delegation und die Organisation steht dank Modenese. Die Fans werden die Nacht von Samstag auf Sonntag in einem Internat verbringen und müssen für die Übernachtung nur 20 Euro aus der eigenen Tasche zahlen. „Von neun bis 60 Jahren sind alle Altersklassen dabei“, freut sich der Kleinglattbacher, der die Organisation aber auch als „Riesen-Geschäft“ bezeichnet. „Manchmal setzt man einen Termin fest und Tage später wollen sich dann noch Leute an- und abmelden. Aber das sind meistens die gleichen Menschen, die auch von Weihnachten überrascht werden“, sagt Modenese nicht ohne ein Schmunzeln.
Den 32-köpfigen Anhang in die Schweiz zu bringen, ist die Aufgabe von Dean Kovacic und dem 14 Tonnen schweren Bus der Marke Bova Futura, hinter dessen Steuer er sitzt. Seit acht Jahren ist Kovacic jetzt für die Vaihinger Firma Seiz auf Achse und kennt sogar schon seine Kundschaft für heute und morgen. „Die Faustballer-Truppe habe ich zum Beispiel schon zu ihrem alljährlichen Spanferkelessen gefahren“, sagt der Busfahrer und kann über diese Fahrgäste nicht klagen.
380 Kilometer trennen Vaihingen und Bad Ragaz – für Kovacic und sein Fahrzeug prinzipiell keine Herausforderung. „Im Liniendienst fährt man als Busfahrer schließlich auch 200 bis 280 Kilometer pro Tag“, plaudert der Chauffeur aus dem Nähkästchen.
Allein, das Wetter könnte heute und morgen etwas ungemütlich werden. Doch Kovacic geht routiniert ans Fahren im Schneegestöber heran: „Da habe ich keine Bedenken. Zur Not muss man dann eben improvisieren. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man jederzeit die Ruhe bewahrt und sein Fahrzeug im Vorfeld gut auf die Tour vorbereitet.“ Ein voller Tank und Schneeketten sind da unverzichtbar. Das Äußere seines Busses hat Kovacic bereits gestern Morgen für die Fahrt in die Schweiz aufpoliert, das Innere des 14-Tonners strahlt seit gestern Abend.
Auf seiner Stammlinie, der 576 zwischen Vaihingen und Mühlacker, spricht Kovacic fast jeden Fahrgast mit Namen an, ein kleines Schwätzchen gehört für den Busfahrer dazu. Ein Schild, das das Ansprechen des Fahrers während der Fahrt untersagt, sucht man in seinem Bus vergeblich. So unkompliziert geht Kovacic auch mit seinen Gästen für heute und morgen um. „Lärm, Musik, Party oder Alkohol stellen kein Problem dar, solange der Bus ganz bleibt“, sagt der Fahrer und ergänzt: „Privat geht doch schließlich jeder gerne einmal feiern. Da werde ich meinen Fahrgästen den Spaß nicht verbieten – vor allem, wenn sie gewinnen sollten.“ Ob er sich die Spiele des TVV anschauen wird, weiß der Busfahrer allerdings noch nicht. „Ich bleibe auch in meiner Freizeit öfters bei den Gruppen, brauche andererseits aber natürlich auch meinen Schlaf.“
Kovacic ist also auf alles vorbereitet – Rothmaier und Modenese stehen ebenfalls in den Startlöchern. Fehlt nur noch ein Triumph der Mannschaft um Spielführer Marco Lochmahr, damit der Europapokal-Ausflug auch mit einem lautstarken und farbenfrohen Fest endet.
