Donnerstag, 24. Mai 2012

Bis ans Limit - und ein wenig weiter




08/01 2010

Bis ans Limit - und ein wenig weiter

Motorsport
Auch in der internationalen deutschen Meisterschaft fährt der Markgröninger Florian Bauer eine Yamaha, die wie beim Yamaha-Cup auf einer R6 basiert.

Markgröningen (as). Florian Bauer kennt seine Grenzen – und genau die will er erreichen. 2010 kämpft er erstmals in der internationalen deutschen Motorradmeisterschaft um den Titel der Supersport-Kategorie mit, der zweithöchsten Klasse im nationalen Motorrad-Straßensport.

Die Nase in den Wolken, die Füße auf dem Boden – so könnte die Situation von Florian Bauer beschrieben werden. Der 24-jährige Markgröninger ist Motorradrennfahrer. Nebenberuflich sozusagen. Seine primäre Beschäftigung ist noch das Mechatronik-Studium an der Reinhold-Würth-Hochschule in Künzelsau. Da steht er kurz vor dem Bachelor-Abschluss. „Das Studium nimmt ganz schön viel Zeit in Anspruch“, erklärt Florian Bauer. Zurzeit ist der Esstisch im Hause Bauer regelmäßig mit DIN-A4-Blättern voller Formeln übersät, liegen Geodreieck, Taschenrechner und Stift griffbereit. Dass der 24-Jährige ständig zwischen Markgröningen und Künzelsau pendelt, macht die Sache nicht einfacher.

Sein aufwändiges Hobby auch nicht. Aber mit den Motorradrennen erfüllt sich Florian Bauer einen Traum. Dafür verzichtet er gerne auf Dinge, die andere Jungs in seinem Alter vermutlich für normal halten. „Jedes Wochenende die Nacht durchzumachen, ist eh nicht mein Ding. Außerdem bekomme ich für meinen Einsatz ja auch etwas zurück“, berichtet Florian Bauer.

Doch Traumgagen oder fette Sponsorenverträge sind noch nicht dabei herausgesprungen. Für Florian Bauer geht es eher um ideelle Werte. 2009 war gut für ihn. Im dritten Jahr seiner Motorradsport-Karriere verbuchte er den ersten Rennsieg, fuhr er insgesamt dreimal aufs Podest und sicherte sich in der Gesamtwertung des deutschen Yamaha-R6-Cup Rang drei. „Es war ein entscheidendes Jahr“, sagt Florian Bauer. „2007 haben wir probiert, ob wir so eine Rennsaison mit all ihren Anforderungen überhaupt hinkriegen. 2008 musste es eine Verbesserung geben. 2009 war ein Ergebnis gefragt, das den Schritt zur deutschen Meisterschaft rechtfertigt. Sonst wäre es vorbei gewesen.“

Es wird weitergehen. Weil der dritte Platz im Gesamtergebnis des Yamaha-Cup etwas wert ist. Diesen Markenpokal, bei dem knapp 50 Teilnehmer auf identischen Motorrädern aus der Großserienproduktion starten, gibt es schon seit mehr als 30 Jahren. Spätere Grand-Prix-Stars wie Martin Wimmer und Jochen Schmid drehten ihre ersten Rennrunden auf Cup-Yamahas, über die Jahre brachte der Wettbewerb sogar drei Motorrad-Weltmeister hervor: Dirk Raudies, 1987 Cup-Dritter, wurde 1993 Champion der 125-Kubikzentimeter-Klasse. Jörg Teuchert, 1994 Cup-Zweiter, eroberte im Jahr 2000 die Supersport-Weltmeisterschaft. Kenan Sofuoglu, Cup-Sieger 2002, machte es ihm 2007 nach.

Internationale Ambitionen sind nicht Florian Bauers Sache. „Jetzt an eine internationale Karriere zu denken, wäre wohl etwas vermessen – so spät, wie ich in den Sport eingestiegen bin“, erklärt der 24-Jährige. Sein erstes Yamaha-Cup-Rennen fuhr er am 29. April 2007 mit 21 Jahren. Die aktuellen deutschen Grand-Prix-Stars, Jonas Folger, Marcel Schrötter, Stefan Bradl und Sandro Cortese, sind alle zwischen 16 und 20 Jahre alt.

Warum hat Florian Bauer sich nicht etwas früher für eine Karriere als Motorradsportler entschieden? „Ich wollte ja“, erklärt der Markgröninger. „Aber damals bin ich noch aufs Gymnasium gegangen. Und mein Vater hat gesagt: Schulabschluss ist wichtiger.“ Schwer ist es ihm dennoch gefallen, auf seinen Vater Wolfgang zu hören, der selbst Yamaha-Cup-Rennen gefahren ist. „Aber ich habe es eingesehen“, sagt Florian Bauer heute ohne Groll. „Eine gute Ausbildung ist einfach wichtig.“

Die Saison 2010 wird neue Herausforderungen bringen. Zwar wird Florian Bauers Motorrad in der deutschen Supersport-Meisterschaft wie seine bisherige Cup-Maschine auf der Yamaha R6 basieren. „Anders als im Cup dürfen in der IDM jedoch einige Fahrwerkskomponenten geändert werden. Dadurch bekommen wir mehr Möglichkeiten bei der Abstimmung. Noch wichtiger ist aber, dass wir viel mehr verschiedene Reifenmischungen zur Auswahl haben. Da jeweils für Strecken- und Wetterbedingungen die richtige auszusuchen, wird die kniffligste Aufgabe“, ist sich Florian Bauer sicher. „Zumal sich die Reifenwahl sicher stärker auf die Rundenzeiten auswirken wird als etwas mehr oder weniger Motorleistung.“ Und da sich die Reifen als größter Kostenfaktor im Budget bemerkbar machen werden, haben sich Florian Bauer und sein Team die Reifenpatenschaft ausgedacht.Wer Florian Bauer quasi als Kleinaktionär so ein Pneu-Paket (rund 260 Euro) schenkt, bekommt dafür ein gerahmtes Souvenir, das neben einem Originalstück des abgefahrenen Reifens auch alle Einsatzdaten enthält, wie Termin, Rennstrecke, Reifen-, Luft- und Asphalttemperaturen und natürlich gegebenenfalls das Rennergebnis.

Um sich selbst und sein Team möglichst gut vorzubereiten, sind vor dem ersten Rennen Ende April auf dem Eurospeedway Lausitz noch mehrtägige Testfahrten in Spanien geplant. An seiner persönlichen Fitness arbeitet Florian Bauer zusammen mit den Spezialisten einer Markgröninger Orthopädietechnik-Firma. „Da lasse ich demnächst eine Leistungsdiagnostik machen und auf dieser Basis einen individuellen Trainingsplan erstellen“, erzählt der 24-Jährige. Ein kleines Sportstudio hat er sich zu Hause bereits eingerichtet.

Weitere Informationen unter
www.flori-bauer.de




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