Deutschland setzt sich die Krone auf
07/01 2010
Deutschland setzt sich die Krone auf
Ludwigsburg (nac). Im vergangenen Jahr Zweiter, dieses Mal auf dem Podest ganz oben: Die deutschen U-18-Basketballerinnen haben das zweite Girls-4-Nations-Turnier vor den Niederlanden, Polen und Slowenien gewonnen. Den Turniersieg sicherte sich die deutsche Auswahl durch einen 77:69 (38:34)-Sieg im abschließenden Spiel gegen Polen.
Die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag in der Ludwigsburger Innenstadtsporthalle hätte spannender nicht sein können. Alle vier Mannschaften hatten noch die Chance, sich den Turniersieg beim Girls-4-Nations-Cup zu sichern. Alle Teams hatten bisher jeweils einmal gewonnen und einmal verloren. Doch nach dem ersten Spiel des Tages, das die Niederlande gegen Slowenien mit 77:74 (46:38) für sich entschieden hatte, stand fest: Für die Deutschen ging es um alles oder nichts. Würden sie gegen Titelverteidiger Polen gewinnen, wären sie Erster. Würden sie verlieren, wären sie auf den letzten Platz gestürzt, da jeweils der direkte Vergleich mit dem punktgleichen Team ausschlaggebend ist.
Die Nachwuchsbasketballerinnen im Trikot des Deutschen Basketball Bundes (DBB) kamen aber mit dem Druck gut zurecht. Finja Schaake von Zweitligist TSV Grünberg und Christina Schnorr von Zweitligist Basketball4Girls Chemnitz brachten die Deutschen in den ersten fünf Minuten mit 11:3 in Front. Diesen Vorsprung ließ sich die Mannschaft von Trainerin Alexandra Maerz bis zum 23:13 zur Viertelpause nicht mehr nehmen. Vor allem direkt in Korbnähe ließen die Polinnen in dieser Phase viele Chancen ungenutzt.
Doch in der nur zwei Minuten langen Pause zwischen dem ersten und dem zweiten Durchgang schien der polnische Trainer Nikolaj Tanasiejczuk die richtigen Worte gefunden zu haben. Mit einem 13:3-Lauf zwischen der 11. und der 14. Minute eroberten die Osteuropäerinnen beim 27:26 erstmals und auch zum einzigen Mal in diesem Spiel die Führung. Im Gegensatz zum ersten Viertel arbeiteten die Polinnen nun richtig gut am gegnerischen Brett und griffen sich viele Offensivrebounds ab. So kamen sie immer wieder zu zweiten und dritten Chancen. Und je öfter eine Mannschaft auf den Korb wirft, desto größer ist die Chance, dass der Ball durch den Ring fällt. „Zuerst den Gegner vom Korb weghalten, dann zum Ball gehen. Wie oft müssen wir das denn noch trainieren“, rief DBB-Trainerin Maerz ihren Spielerinnen auf dem Feld verärgert zu. Doch die deutsche Auswahl konterte im Stile einer Spitzenmannschaft. Sonja Greinacher und Co. legten ihrerseits einen 10:0-Lauf zum 36:27 (18. Minute) hin und gingen schließlich mit einem 38:34-Vorsprung in die Kabine.
In der zweiten Halbzeit spielten die Deutschen die Partie souverän zu Ende. Jedes Mal, wenn die Polinnen den Rückstand ernsthaft verringerten, schlug die deutsche Auswahl postwendend zurück. Als beispielsweise Ende des dritten Viertels die deutsche Aufbauspielerin Lena Bradaric von Regionalligist TuS Bad Aibling den Ball zweimal in Folge im Spielaufbau verlor, so dass die Polinnen durch Schnellangriffe auf 53:55 (29.) herankamen, drehte das DBB-Team kurzerhand auf und markierte seinerseits neun Punkte bei nur einem Treffer der Osteuropäerinnen.
Überragend in den zweiten 20 Minuten war Sonja Greinacher von Erstligist New Baskets Oberhausen. Die 17-Jährige avancierte mit 18 Punkten und 17 Rebounds zur überragenden Spielerin auf dem Parkett. Unterstützt wurde sie beim Scoring noch von Schaake (17 Punkte) und Schnorr (11). Auf polnischer Seite stachen Magdalena Idziorek (16) sowie Paulina Kuras und Agata Szczepanik (jeweils 13) heraus.
Im ersten Spiel des Tages in Ludwigsburg besiegten die Niederländerinnen die Sloweninnen mit 77:74 (46:38) und ebneten damit den Deutschen den Weg zum Turniersieg. Durch einige gelungene Spielzüge und eine hohe Trefferquote ging das holländische Team von Cheftrainerin Ria Bröring schnell mit 12:2 in Front. Doch Slowenien zeigte sich von der unglücklichen 79:87-Niederlage gegen Polen tags zuvor relativ gut erholt und gestaltete das Ergebnis in der Folge ausgeglichener. Jamailah Adams war mit 17 Punkten in nur 15 Minuten aber maßgeblich daran beteiligt, dass die Niederlande ihren Vorsprung bis zur Halbzeit wieder bis auf 46:38 ausbauten. Nach der Pause drehten die Sloweninnen mächtig auf. Angeführt von Tina Jakovina und Nika Baric (zusammen 40 Punkte) gelang dem Turnierneuling mehrfach der Ausgleich. In der 35. Minute übernahm Slowenien sogar die Führung und schraubte diese innerhalb der nächsten 120 Sekunden bis auf 71:65 in die Höhe. Doch Oranje behielt die Nerven und konterte in der nervenaufreibenden Endphase eiskalt. Als Flügelspielerin Adams ihre Leistung kurz vor Schluss mit zwei erfolgreichen Freiwürfen krönte, war die Begegnung zugunsten der Niederländerinnen gelaufen.
Den Grundstein, überhaupt um den Turniersieg spielen zu können, nachdem Deutschland am ersten Spieltag gegen Slowenien verloren hatte (wir berichteten), legte die DBB-Auswahl am zweiten Tag mit einem 60:59-Sieg über die Niederlande. Laura Hebecker versenkte mit der Schlusssirene einen Drei-Punkte-Wurf aus rund acht Metern zum knappen Sieg. Für den letzten Angriff beim Stand von 57:59 blieben den Deutschen gerade einmal fünf Sekunden.
Deutschland – Niederlande 60:59
Deutschland: Greinacher (14), Schnorr (13), Gaudermann (12), Kohlmann (8), Schaake (4), Marinius (3), Hebecker (3), Masek (3), Bradaric, Heise, Happel (n.e.), Schmidt (n.e.)
Deutschland – Polen 77:69
Deutschland: Greinacher (18), Schaake (17), Schnorr (11), Gaudermann (7), Martinius (7), Kohlmann (6), Hebecker (5), Bradaric (4), Masek (2), Happel, Heise, Schmidt (n.e.)
