Der Alltag nach dem Faustball-Europapokal
Vaihingen (ev) – Vier Tage ist es her, dass die Sporthalle am Alten Postweg ein singender und tanzender Hexenkessel war und dass die Faustballer des TV Vaihingen den Europapokal gewonnen haben. Mittlerweile hat der Alltag die Sportler wieder fest im Griff. Ein wenig wirkt die Veranstaltung aber immer noch nach.
Die Plakate, die den Faustball-Europapokal angepriesen haben, sind weg. Die Garagen, in denen die Geräte für den Sportunterricht in der Sporthalle am Alten Postweg untergebracht sind, sind wieder eingeräumt, auch die Tribüne ist wieder versteckt. Die Sporthalle präsentiert sich so, wie jede Woche, wenn die Faustballer ins Training kommen. „Es war ein seltsames Gefühl“, sagte TVV-Trainer Werner Blechschmidt, denn vor sechs Stunden tanzten hier noch die Fans und bejubelten den Vaihinger Gewinn des Europapokals. „Es war fast, als wäre alles ein Traum gewesen“, meint der Trainer.
Das war es aber nicht. Noch immer gratulieren Arbeitskollegen und Bekannte den Vaihingern, noch immer erreichen Blechschmidt E-Mails mit Glückwünschen zu diesem großen Erfolg. „Das ist alles noch im Hinterkopf“, sagt Blechschmidt. Die Vorbereitung mit den zahlreichen zusätzlichen Trainingseinheiten, die die Stadt dem TVV ermöglicht hat, die Übungsstunden selbst, das Turnier und die tolle Stimmung. „Ich bekomme jetzt noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“, sagt Blechschmidt, der etwas Vergleichbares noch nicht erlebt hat.
Insgesamt sind er und Faustball-Abteilungsleiter Markus Knodel sich einig: das Turnier war ein voller Erfolg. „Sportlich muss das ja gar nicht mehr gesagt werden“, so Knodel. Aber auch organisatorisch lief alles reibungslos. Das TVV-Team wurde mit Lob nur so überschüttet. „Das erfüllt einen mit Stolz. Die ganze Mühe war nicht umsonst“, so Knodel. Zwischendurch war aber einiges an Improvisationstalent nötig, denn die Kälte machte nicht nur den Wasserleitungen und Heizgeräten zu schaffen. Am Sonntagmorgen streikte der Bus, mit dem die Linzer zur Halle gebracht werden sollten. „Zum Glück konnten wir schnell Ersatz beschaffen, sodass die Österreicher pünktlich zu ihrer Trainingseinheit in der Halle waren“, sagt Blechschmidt.
Die Veranstaltung ist vorüber, aber noch immer wirkt sie nach. Die Abrechnung muss zum Beispiel erledigt werden. Dies ist der Job von Werner Blechschmidts Frau, die Kassiererin ist. „Wir sind noch lange nicht fertig“, sagt ihr Mann. Trotzdem: der Alltag hat die Faustballer wieder. „Meine Kunden gratulieren zwar, aber dann wollen sie ihre Dienstleistung“, sagt Blechschmidt. „Und meine Kinder muss ich nach wie vor um 7 Uhr wecken“, ergänzt Knodel. Nur eins erinnert auch den Außenstehenden noch an die Veranstaltung. Die Stimme des Trainers ist nach wie vor kratzig. „Das war am Samstagabend schon so. Ich bin während den Spielen zu laut“, scherzt er.
Aber was bleibt vom Europapokal? „Messbar ist das sicherlich nicht“, meint Knodel, „aber wir Faustballer und die Stadt sind im Gespräch. Vielleicht bringt das irgendwann ja etwas“. Und Blechschmidt fügt hinzu: „Auch für alle Helfer war es ein positives Erlebnis. Das hat allen unheimlich gut getan.“
Markus Knodel ist schon wieder einen Schritt weiter. Er ist voll mit der Organisation des nächsten Highlights beschäftigt. Ende April soll es wieder ein internationales Faustballturnier in Vaihingen geben, dieses Mal mit der Beteiligung von Nationalmannschaften. „Ich verschicke gerade die Einladungen. Da bin ich eigentlich schon zwei, drei Wochen zu spät dran“, erklärt er. Und die Familie, die in den vergangenen Wochen nicht viel von ihm hatte, steht nun wieder im Vordergrund.
Auch Blechschmidt beschäftigt sich schon wieder mit der Zukunft, denn die Bundesligasaison ist nicht mehr lange und bei der Hallen-DM in Calw will sich der TVV als würdiger Europapokalsieger präsentieren. „Wir müssen klären, wie wir jetzt vorgehen“, kündigt er an. Außerdem sinnen die Linzer, die Platz drei beim Europapokal belegten und im Halbfinale 0:4 gegen den TV Vaihingen verloren haben, auf Revanche, am besten beim Feld-Europapokal im Juli in Österreich. Da treffen die Faustballer dann auch wieder auf Widnau, den Vierten des Hallen-Turniers. Der Alltag hat die Faustballer also tatsächlich schon wieder fest im Griff.
