Donnerstag, 24. Mai 2012

Zwischen Korallenriffen und Schwimmbadkacheln




Zwischen Korallenriffen und Schwimmbadkacheln
Vor Ort beim Breitensport – Heute: Die Tauchgruppe der DLRG-Ortsgruppe Vaihingen.

Kein Geräusch durchdringt das schimmernde Blau. Dafür rauben einem die kräftigen Farben fast den Atem. Korallen, Fische und andere Meeresbewohner schweben lautlos durch die faszinierende Unterwasserwelt.

Doch von Sonne, Palmen, Strand und Meer sind die Schnorchler der DLRG (Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft) Vaihingen weit entfernt. Das Thermometer zeigt Minusgrade, die Autos vor dem Schwimmbad sind mit einer Eisschicht überzogen und wer einen Blick ins Freibad wirft, der wird wohl eher ans Schlittschuhlaufen denken als an Tauchen und Sommerurlaub. Trotzdem sind die DLRGler mit Schnorchel, Flossen und Schwimmbrillen bewaffnet, wie jeden Samstag, wenn das Tauchtraining stattfindet.

Zum einen ist die Übungsstunde für die Rettungstaucher der DLRG, um konditionell fit zu bleiben und regelmäßig zu tauchen. Zum anderen ist das Tauchtraining aber auch für Urlaubstaucher und Anfänger. „Tauchen beziehungsweise Schnorcheln ist ähnlich wie Skifahren. Um die Tauchgänge sicher genießen zu können, sollte Kondition vorhanden sein“, erklärt Detlef Staffe, der 1. Vorsitzende der DLRG-Ortsgruppe Vaihingen. Kondition heißt aber nicht nur, körperlich fit zu sein, auch die Lunge muss sich an die Tauchgänge gewöhnen. „Mit etwas Übung ist dann eine Minute unter Wasser kein Problem“, sagt Staffe. Beim Tauchtraining kann eigentlich jeder mitmachen, der schwimmen kann. Einzige Voraussetzung: die ABC-Ausrüstung (Flosse, Brille, Schnorchel).

Die letzten Badegäste verlassen das Bad – das Schwimmbecken ist nun in der Hand des DLRG. Brille auf, Flossen ran, Schnorchel in den Mund – Diethelm Wiedmaier, der Trainer, gibt die Übungen zum Einschwimmen vor. Nebeneinander pflügen die Teilnehmer durchs Wasser. „Wir können dringend noch einige Mitglieder brauchen“, meint Staffe als er ins Becken blickt. „Vor allem im Rettungsbereich“, fügt Wolfgang Jung, ein Teilnehmer aus Kleinglattbach, hinzu.

Detlef Staffe ist Rettungstaucher. Wenn im Landkreis ein Notruf eingeht, der mit Wasser zu tun hat, werden er und seine Kollegen der Ortsgruppen Vaihingen, Bönnigheim und Ludwigsburg verständigt, um zu tauchen. Neben dem Tauchtraining in Vaihingen absolviert er zusätzlich regelmäßig Rettungseinsatzübungen.

Doch zurück ins Vaihinger Hallenbad. Dort geht es mittlerweile zur Sache. Tauchen wie ein Segelflugzeug mit ausgestreckten Armen oder wie ein Delphin. Generell erinnert vieles beim Tauchen an die Meeressäugetiere. Mit dem Oberkörper voraus stürzen sich die Schnorchler in die Hallenbadfluten. Kurz blitzt der Po auf, dann ragen die Beine aus dem Wasser, aber auch diese verschwinden samt den Flossen schnell im blauen Nass. Nun ist es leise im Schwimmbad. Nur die Kinder einiger Taucher, die im Nichtschwimmerbereich betreut werden, sind zu hören. Am Ende der Bahn tauchen die DLRGler auf. Zurück geht’s im Kraulstil, der Kopf bleibt allerdings im Wasser, nur die meist roten Enden der Schnorchel sind zu sehen. Erneut am Beckenrand angekommen, schießen Wasserfontänen aus den Schnorcheln. Jetzt können die Taucher wieder atmen.

Das Prinzip des Schnorchelns ist nicht schwer. Luft anhalten und runter geht’s, geatmet kann nur dann werden, wenn der Schnorchel über der Oberfläche ist und das Wasser rausgepustet ist. Zum Luftholen muss ein Schnorchler zwar immer an die Oberfläche zurück, ganz auftauchen muss er dazu aber nicht.

Die Vaihinger DLRGler sind mittlerweile ganz schön aus der Puste. Es sei auch nicht leicht im warmen Wasser, erklären sie. Die Übungsstunde samstags sei zwar ideal. Das Problem: es ist Warmbadetag und 30 Grad Wassertemperatur ist zum Tauchen nicht optimal, auch nicht beim Unterwasserparcours, bei dem durch die Ringe auch mal rückwärts durchgetaucht werden muss und manch ein Teilnehmer die Orientierung verliert.

Dann ist die Stunde schon rum. Im Sommer erkunden die DLRGler ab und zu Baggerseen in der Umgebung, auch Strömungstauchen im Rhein stand schon auf dem Programm. Die großen Reisen unternehmen die Vaihinger allerdings privat. Dann geht’s zum Beispiel auf die Malediven oder ans Rote Meer. Und dort gibt es dann keine blauen Schwimmbadkacheln, sondern Korallenriffe, die in sämtlichen Farben leuchten. Doch auch, wenn sie atemberaubend sind, das Atmen sollte weder beim Schnorcheln, noch beim Tauchen vergessen werden... Eva Wirth

Training: Samstags von 16.45 bis 17.45 Uhr.

Kontakt:
Diethelm Wiedmaier (Telefon: 07042/16250).




Seitenanfang