Donnerstag, 24. Mai 2012

Bofinger: „Jetzt darf ich mitjubeln“




Michael Bofinger im Interview.
Vor einem Jahr wechselte Michael Bofinger von der VKZ zur Sportregion Stuttgart – im Interview zieht er eine Bilanz.

Vaihingen/Stuttgart – Wie geht es eigentlich Michael Bofinger und was macht er? Auch ein Jahr nachdem der Sportredakteur die Vaihinger Kreiszeitung verlassen hat, interessieren sich seine ehemaligen Leser für seinen Werdegang. Im Interview hat der 35-Jährige nun erzählt, welche Aufgabe er als Geschäftsführer der Sportregion Stuttgart hat, wie es ihm geht und welche Rolle die Krimiserie Tatort nun in seinem Leben spielt.

Sie haben vor einem Jahr die Stelle als Redakteur bei der VKZ gegen den Posten bei der Sportregion eingetauscht. Was ist die größte Veränderung für Sie?
Ich muss bei Veranstaltungen nicht mehr neutral sein. (lacht) Jetzt darf ich mitjubeln.

Mit Journalismus hat dieser Job ja nichts mehr zu tun. Was sind Ihre neuen Aufgaben?
Das ist eine gute Frage. Die Sportregion hat das Ziel, mit Hilfe des Sports einen Imagegewinn für ihre momentan 83 Mitglieder zu erzielen. Das heißt zum Beispiel, dass wir den Verbänden beziehungsweise Vereinen helfen, Großveranstaltungen in die Region zu holen, ihnen aber auch beratend zur Seite stehen, wenn sie zum Beispiel bei der Öffentlichkeitsarbeit Hilfe benötigen.

Und wie sieht ihr Tagesablauf genau aus?
Mein Tag ist – ähnlich wie im Journalismus – sehr vielschichtig. Zum einen versenden wir jede Woche einen umfangreichen Newsletter mit dem aktuellen Sportgeschehen, den wir selber erstellen. Dann stehen sehr viele Hintergrundgespräche auf dem Programm, um den nationalen und internationalen Sportmarkt zu scannen, damit wir wissen, welche Veranstaltungen überhaupt zu vergeben sind und um auszuloten, ob es überhaupt möglich ist, dass sie in der Region stattfinden.

Können Sie das konkret an einem Beispiel erklären?
Dieser Tage findet ein Vier-Nationen-Turnier im weiblichen Basketball-Nachwuchsbereich statt. Ausrichter sind die BG Tamm/Bietigheim, die BSG Ludwigsburg und der TV Marbach. Die Vereine haben gefragt, ob wir uns finanziell beteiligen. Dies haben wir geprüft und weil es sich um ein interkommunales, sportliches Projekt handelt, haben wir die drei Vereine unterstützt und sind stolz, dass das Turnier nun in der Region stattfindet. Das übergeordnetet Ziel ist aber, dass wir dem Verband und der Sportart nicht nur zu einem einmaligen Event verhelfen, es geht uns auch um Nachhaltigkeit. Bei der Tischtennis-EM, die dieses Jahr in Stuttgart stattfindet, wird es zum Beispiel ein Schulprojekt geben, um die Mitgliederzahlen des Verbandes zu steigern.

Dann werden wir Sie sicherlich auch beim Faustball-Europapokal sehen, der am 10. und 11. Januar in Vaihingen stattfinden wird.
Ja, ich habe vor, beim Europapokal vor Ort zu sein, auch wenn die Veranstaltung nicht von uns unterstützt wird.

Warum nicht?
Weil Vaihingen leider eine der wenigen großen Kommunen ist, die noch nicht Mitglied bei uns ist. Es gab bereits einen losen Kontakt zu Vaihingens Kämmerer Jürgen Liegmann; aber weil Vaihingen kein Mitglied ist, war es uns nicht möglich, diese Veranstaltung finanziell zu bezuschussen. Wir mussten eine entsprechende Anfrage des TVV ablehnen.

Woher nehmen Sie eigentlich das Geld, mit dem Sie die Vereine und Verbände unterstützen?
Die 83 Mitglieder zahlen Beiträge. Unser Hauptgeldgeber ist aber der Verband Region Stuttgart mit seinen 179 Gemeinden.

Ist es in Zeiten, in denen sich die Schlagzeilen fast nur um Finanzkrise und Rezension drehen, richtig, Geld für solche Veranstaltungen auszugeben?
Ja, denn Sport ist als weicher Standortfaktor für die Unternehmen im Kampf um Arbeitskräfte sehr wichtig. Sport ist ein wichtiger Faktor, um sich an einem bestimmten Ort wohlzufühlen.

Trotzdem kann es sein, dass die Gelder für die Sportregion nicht ewig fließen...
Das stimmt. Die Gelder sind momentan nur bis Ende 2009 gesichert. Aber bei der Hauptversammlung vor wenigen Wochen gab es viel Lob für unsere Arbeit und ich bin optimistisch, dass in den kommenden Monaten eine positive Entscheidung fällt, was den Zeitraum ab 2010 angeht.

Ein Jahr Sportregion – ziehen Sie einmal Bilanz.
Es ist uns gelungen, dass die Sportregion nun wahrgenommen wird. Sie hat an Profil gewonnen und dadurch auch einige neue Mitglieder. Aber es gibt noch viel zu tun. In der Region gibt es zum Beispiel rund 100 Bundesligisten. Das wissen aber nicht viele. Wir wollen gebündelt darstellen, was die Region zu bieten hat, damit vom Sport und der Sportregion noch mehr Notiz genommen wird. Außerdem habe ich selbst die ganze Region kennengelernt und weiß nun zum Beispiel, dass es in Rechberghausen ein tolles Leichtathletikstadion gibt.

Und ein Jahr ohne VKZ – wie war das?
Ich habe mittlerweile auch in Stuttgart, wohin ich aufgrund des Jobwechsels gezogen bin, einen Weg gefunden, an die Vaihinger Kreiszeitung zu kommen, um am lokalen Geschehen dran zu bleiben. Es ist toll, die Zeitung mal aus der Lesersicht zu erleben. Bei manch einem Trainerwechsel habe ich erstaunt den Kopf geschüttelt.

Ist Ihnen die Umstellung schwergefallen? Immerhin haben Sie ja die Seiten gewechselt.
Ich hatte keine Probleme. Ich habe ja ein BWL-Studium absolviert. Deshalb war die Thematik nichts Neues und durch den Journalismus habe ich gelernt, mich schnell in die unterschiedlichsten Themen einzuarbeiten. Als Redakteur bist du bei einem Termin auf dem Friedhof und dann musst du gleich weiter auf dem Sportplatz.

Gibt es etwas, was Sie an ihrem alten Beruf überhaupt nicht vermissen?
Ja. Ich finde es toll, sonntags nach einem Termin nicht mehr in die Redaktion zu müssen und zu schreiben. Stattdessen gehe ich nach Hause und kann jetzt regelmäßig den Tatort schauen.

Die Fragen stellte Eva Wirth




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