Donnerstag, 24. Mai 2012

Melanie Kraus: Mit Streckenrekord ins WM-Jahr




Melanie Kraus: Mit Streckenrekord ins WM-Jahr
4100 Läufer sind beim Bietigheimer Silvesterlauf auf der Strecke – Rekordkulisse rund um den Viadukt.

Bietigheim-Bissingen (ev/ok) – Trotz klirrender Kälte lockte der Bietigheimer Silvesterlauf über 4100 Läufer, denen am Streckenrand mehr als 20000 Zuschauer frenetisch zujubelten. Falk Cierpinski hat die 28. Auflage überraschend für sich entschieden. Bei den Frauen war Melanie Kraus eine Klasse für sich.

Das Thermometer zeigte am letzten Tag im Jahr nur leichte Plusgrade – nicht gerade die optimalsten Temperaturen für Leichtathleten. Trotzdem meldeten sich über 4100 Läufer für den Bietigheimer Silvesterlauf. Nackte Haut gab’s aber dementsprechend wenig zu sehen. Mützen, Schals, Handschuhe sowie lange Shirts und Hosen gehörten zur Ausstattung der meisten Läufer. Nur vereinzelt blitzten rosa Waden und Arme den Zuschauern entgegen, wie zum Beispiel bei den Top-Läufern, aber auch bei den Enzweihinger Lokalmatadoren Timo Engel (LG Neckar-Enz) und Ralf Reidenbach (TSV Enzweihingen), die den kalten Temperaturen trotzten und kurze Hosen trugen.

Vielleicht ging Melanie Kraus (TSV Bayer 04 Leverkusen) ihr Rennen wegen den Temperaturen so schnell an. Durch ihr schnelles Anfangstempo setzte sich die Olympiateilnehmerin von Peking schnell ab. Zu dem erwarteten Duell zwischen ihr und der Spitzentriathletin Ricarda Lisk (VfL Waiblingen), die ebenfalls an den Olympischen Spielen teilgenommen hat, kam es deshalb erst gar nicht. Lisk nahm den Kampf gleich gar nicht an und absolvierte einen für sie lockeren Trainingslauf. Sie erreichte am Ende als 17. das Ziel. Auch sonst konnte Melanie Kraus keine Konkurrentin folgen. So war sie bereits nach der ersten Runde deutlich in Führung und gewann mit einem Vorsprung von über einer Minute ungefährdet. Umso erstaunlicher, dass sie den bisherigen Streckenrekord von Susanne Hahn aus dem Jahr 2005 um sieben Sekunden auf 32:16 Minuten verbesserte. „Ich habe großen Respekt vor der harten Strecke hier und insbesondere vor den kräftezehrenden Anstiegen, sodass ich dieses Jahr im Flachen zuerst einmal richtig Gas geben wollte, um mir alle Konkurrentinnen vom Hals zu halten“, meinte Kraus nach ihrem beeindruckenden Start-Ziel-Sieg.

Bei den Männern lief das Rennen komplett anders. Falk Cierpinski, der Marathonläufer und Sohn des zweimaligen Olympiasiegers auf der Marathonstrecke, Waldemar Cierpinski, sowie der Titelverteidiger Sebastian Hallmann lieferten sich einen packenden Kampf. Von Beginn an wurde von einer neunköpfigen Spitzengruppe ein ordentliches Tempo vorgelegt. Nach Ende der ersten kürzeren Runde reduzierte sich diese Gruppe um drei Läufer, sodass von den Topfavoriten insbesondere Sebastian Hallmann und Falk Cierpinski, gefolgt von Christian Glatting, Jan Förster und Martin Beckmann in einer Sechsergruppe in die zweite Runde gingen. Überraschenderweise konnten Stephan Hohl, Filmon Ghirmai und auch Stefan Koch das anziehende Tempo nicht mehr halten und fielen deutlich zurück. Eine Dreiergruppe machte nun den Sieg auf den letzten Kilometern unter sich aus. Nachdem dann im letzten Anstieg der starke Sebastian Hallmann einen leichten Vorsprung herauslief, sah er schon wie der sichere Sieger aus, doch Falk Cierpinski konterte, während Christian Glatting dem Spitzenduett nicht mehr folgen konnte.
Auf dem letzten Kilometer hatte der Spergauer Falk Cierpinski die größeren Kraftreserven, konnte noch einen Vorsprung von sechs Sekunden herauslaufen und kam jubelnd mit einer Zeit von 32:45 Minuten zuletzt unbedrängt ins Ziel, verpasste jedoch den Streckenrekord um fünf Sekunden.

Während die Athleten beim Lauf durch die Altstadt ins Schwitzen kamen, hatten die Zuschauer ihren eigenen Weg gefunden, mit den nicht sehr warmen Temperaturen umzugehen. Karin Graf vertraute nicht nur auf das bewährte Zwiebelsystem, sondern auch auf Winterstiefel, Stirnband und Handschuhe. „Und für die Wärme von Innen gibt es Glühwein“, sagte die Bietigheimerin.

Die ersten Männer waren gerade einmal wenige Minuten im Ziel und versuchten schwer schnaufend wieder zu Kräften zu kommen, da machten sich die letzten der Läufer gerade erst auf die zweite Runde. Die Mehrheit der Teilnehmer beim Silvesterlauf waren nämlich Hobbysportler. Ulrich Strobel aus Nussdorf war einer von ihnen. Seine Zeit lag am Ende knapp unter einer Stunde. „Ich habe in den letzten Wochen auch nicht oft trainiert“, meinte er. Strobel trank anschließend noch einen Glühwein („Den schmeckt man immer schon beim Start.“), bevor er mit seiner Familie in das neue Jahr feierte. So gemütlich konnten nicht alle das neue Jahr angehen. Melanie Kraus musste für ihre Silvesterparty in Leverkusen zum Beispiel noch über 300 Kilometer zurücklegen. Trotzdem: Jedes Mal, wenn sie beim Silvesterlauf erfolgreich war, lief es auch in der kommenden Saison besonders gut und 2009 steht in Berlin die Leichtathletik-WM auf dem Programm.




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