Bietigheim (js) – Mit nahezu vollständigem Kader setzte es für den SC Bietigheim-Bissingen in der zweiten Eishockey-Bundesliga eine böse 1:5-Heimschlappe gegen Tabellenführer Kassel. Zwei Tage später gewannen die Steelers dann aber stark ersatzgeschwächt mit 3:2 in Ravensburg.
Am Freitag fanden die Bietigheimer gegen Kassel nie zu ihrer gewohnten Stärke und lagen nach zwei Dritteln schon aussichtslos 0:5 zurück. Dabei hatten sich die Steelers viel vorgenommen. Bis auf Justin Kelly und Max Seyller waren alle Verletzten wieder ins Aufgebot zurückgekehrt und mit Blick auf den 5:2-Heimsieg Ende Oktober schielte man in Bietigheim natürlich insgeheim wieder auf eine Überraschung.
Diesmal drehte der Aufstiegsfavorit aus Nordhessen, bei dem immerhin fünf Stammspieler fehlten, den Spieß um. Beim ersten Aufeinandertreffen im Ellental hatten die Gastgeber den Gegner regelrecht überrumpelt. Nach 20 Minuten stand es bereits 4:0. Diesmal war die Partie schon viel früher fast gelaufen und zwar anders herum. Nach 70 Sekunden führte Kassel mit 2:0. Die Gäste nutzten die sich bietenden Chancen eiskalt aus. Ryan Kraft traf nach 32 und 70 Sekunden, Krafts Sturmpartner Hugo Boisvert legte nach knapp 10 Minuten nach. Bis dahin bot der Tabellenführer mit zwei Treffern eine hundertprozentige Powerplay-Quote.
Für den wiedergenesenen Steelers-Torhüter Marko Suvelo war knapp drei Minuten nach dem dritten Gegentreffer der Arbeitstag schon wieder beendet. Trainer Christian Brittig gab ihm keinerlei Schuld am Rückstand, wollte lediglich ein Zeichen setzen. Dies gelang auch einigermaßen. Im Unterzahlspiel ließen die Gastgeber jedenfalls fortan keinen Treffer mehr zu. Und nach vorne gab es auch so manche Einschussgelegenheit, genutzt wurde jedoch keine. Suvelos Ersatz Patrick Koslow musste jedoch zwei weitere Male hinter sich greifen (Palmer 27. und 38.), ehe sich die Steelers wenigstens über den Ehrentreffer freuen durften. Das 1:5 war gleichzeitig der Premierentreffer für Neuzugang Donny Grover (57.). Torhüter Sebastian Elwing stand dabei gehörig Pate.
Den Ehrentreffer hatten sich die Steelers allerdings hart erkauft. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Alexandre Jacques und Teemu Kesa nicht mehr dabei. Jacques musste schon nach 25 Minuten mit Leistenproblemen passen. Bei ihm wurde ein alter Leistenbruch diagnostiziert, der Anfang Februar operiert wird. Kesa wurde nach einem Kniecheck gleich zu Beginn des dritten Drittels vorzeitig unter die Dusche geschickt. Er fehlte also in Ravensburg ebenso wie seine drei verletzten Kollegen.
Um wenigstens die nötige Quantität an Spielern in Ravensburg dabei zu haben, setzte Christian Brittig auf die eigenen Junioren. Marcel Neumann, Viktor Beck und Barry Noe füllten den Kader nicht nur auf, sondern durften auch auf dem Eis ran. Und vielleicht legten ja die anderen für die Youngsters eine Schippe extra drauf, jedenfalls zeigten die Steelers von Beginn an eine deutlich verbesserte Leistung, allerdings auch gegen einen deutlich schwächeren Gegner. Dennoch war die zwischenzeitliche 3:0-Führung ein hartes Stück Arbeit.
Nach gut 13 Minuten traf für Bietigheim einer, der zu Beginn der Saison eigentlich trotz laufenden Vertrags den Verein hätte verlassen sollen. Matthias Hart spielte in den Plänen von Sportdirektor Michael Komma und Trainer Christian Brittig eigentlich keine Rolle mehr. Hart fand jedoch keinen passenden neuen Arbeitgeber und bekam von Brittig noch eine Chance, als er zeigte, dass er sich durchbeißen will. Und eben in jener 14. Minute stand Hart goldrichtig, als Endras einen Schuss von Serikow abprallen ließ. Und schließlich wurde Hart sogar zum Matchwinner, denn etwas mehr als 20 Minuten später traf er im Powerplay erneut. Dazwischen hatte auch Jaakko Hagelberg, einer von nur drei verbliebenen Kontingentspielern, ebenfalls bei personeller Überlegenheit auf 2:0 erhöht (18.). Ein Ex-Bietigheimer machte es noch einmal spannend. In der 38. und 58. Minute verkürzte Robert Brezina auf 2:3, den Sieg ließen sich die Mannen um den stark haltenden Torhüter Patrick Koslow jedoch nicht mehr nehmen.
Trotz des Auswärtssiegs haben die Verantwortlichen in Bietigheim auf die Verletzungsmisere reagiert. Denn Justin Kelly wird wohl entgegen der bisherigen Hoffnungen länger ausfallen. „Gerade nach den Ausfällen von Alexandre Jacques und Justin Kelly mussten wir im Sturm handeln“, sagt Michael Komma hierzu. Schon am kommenden Wochenende wird deshalb Steve Washburn im grün-weißen Dress auflaufen. Der 33-jährige kanadische Center verfügt über reichlich Europa-Erfahrung und ist auch in Deutschland kein Unbekannter. Immerhin drei Jahre verbrachte er in Iserlohn und Hamburg in der DEL. In der Hansestadt spielte er auch schon gemeinsam mit Steelers-Kapitän Mike Smazal.
