Bietigheim (js) – Einen bitteren Verlauf nahm das Derby-Wochenende für Eishockey-Zweitligist SC Bietigheim-Bissingen. Zwar konnten die Steelers sportlich mit einem 4:2-Heimsieg gegen Schwenningen die herbe 2:6-Schlappe in Heilbronn wieder etwas gutmachen, doch verloren sie dabei Top-Stürmer Justin Kelly und Verteidiger Alexander Dotzler durch Verletzungen. Für Kelly könnte die Saison vorzeitig beendet sein.
Es war der vorletzte Angriff der Gastgeber. Schwenningen hatte den Torhüter herausgenommen, um möglicherweise noch den Ausgleich zu erzielen. Justin Kelly traf aus der Bedrängnis heraus nur den Pfosten des leeren Tores und wollte sich die Scheibe zurückerobern, als er durch einen Check in die Bande geworfen wurde. Kelly blieb liegen und schleppte sich erst nach einigen Sekunden zur Bank. Seine erste Selbstdiagnose ließ die Miene von Trainer Christian Brittig zu Eis erstarren. Und auch die erste Diagnose des Mannschaftsarztes konnte sie nicht mehr aufhellen: Schultereckgelenkssprengung. Damit wäre die Saison für den kanadischen Angriffshünen frühzeitig beendet.
Bei den Verantwortlichen der Steelers sorgt jedoch nicht nur die Tatsache, dass wahrscheinlich der Top-Scorer für den Rest der Saison ausfällt für tiefe Sorgenfalten. Mit Marko Suvelo, Max Seyller und Patrick Grandmaitre ist die Verletztenliste für den recht knapp bemessenen Kader schon reichlich lang. Gegen Schwenningen musste dann auch noch Verteidiger Alexander Dotzler mit einer Handverletzung frühzeitig vom Eis.
Eine weitere Nachverpflichtung für eine der wichtigen Ausländerpositionen scheint unausweichlich, da auch der Zeitpunkt für ein Comeback von Grandmaitre in den Sternen steht. Ähnlich sieht es auch Trainer Christian Brittig: „Wenn sich die Diagnose bei Justin bestätigt, müssen wir schauen, ob wir noch irgendwoher Geld für eine Nachverpflichtung bekommen.“ Brittig macht jedoch keinen Hehl daraus, dass der Spielermarkt derzeit nicht viel hergibt. „Wenn, dann brauchen wir sowieso einen richtig Guten. Dazu müssten wir aber auch richtig tief in die Tasche greifen.“ Dem Steelers-Coach und seinem Sportdirektor läuft jedoch die Zeit davon, denn die Transferperiode endet am 31. Januar.
Aber zum Sportlichen: In Heilbronn legten die Bietigheimer druckvoll los, ließen die Gastgeber zunächst kaum zur Entfaltung kommen. Nach einem völlig vergeigten doppelten Überzahlspiel in der fünften Minute fing das Spiel jedoch schon an, zu kippen. In der elften Minute nutzte Heilbronn sein erstes Überzahlspiel zur 1:0-Führung. Zweimal schlugen die Gastgeber noch im ersten Drittel (16., 17.) zu. Im Mittelabschnitt beschränkte sich Heilbronn auf Ergebnisverwaltung, Bietigheim konnte jedoch kein Kapital aus der Passivität der Falken schlagen. Im Gegenteil: Bei den wenigen ernsthaften Angriffen legten die Gastgeber eine nahezu hundertprozentige Chancenauswertung an den Tag. So stand es nach 40 Minuten 6:0. „Das war unsere undisziplinierteste Leistung im Bezug aufs System“, analysiert Coach Christian Brittig hinterher. Im letzten Drittel nutzten die Bietigheimer die Heilbronner Passivität nun, um zumindest phasenweise ordentlich Druck auf Torhüter Danny aus den Birken auszuüben. Der hatte bei einigen Aktionen reichlich Glück. Das Tor schien aber zunächst wie vernagelt. Schließlich schafften es Justin Kelly in Überzahl (46.) und Alexandre Jacques in Unterzahl (52.) doch noch, das Ergebnis einigermaßen erträglich zu gestalten. Mehr war jedoch nicht mehr drin und wäre auf Grund der miserablen ersten beiden Drittel auch vermessen gewesen.
Gegen Schwenningen präsentierte sich das Team dann wie ausgewechselt. Von der ersten Sekunde an stand der Tabellenzweite gehörig unter Druck. Wieder schien das Tor jedoch vernagelt zu sein. Und dann kam die eiskalte Dusche, als Jon Smyth in der 27. Minute eiskalt den einzigen Bietigheimer Stellungsfehler an diesem Abend ausnutzte. Die Gastgeber zeigten jedoch im Schlussdrittel eine gute Moral und holten vor allem das nach, was sie zwei Drittel lang versäumt hatten. In der 44. Minute versenkte Serikow einen Abpraller zum Ausgleich. Vier Minuten später hämmerte Dirk Wrobel die Scheibe von der blauen Linie durch die Schoner des bis dahin gut haltenden Rostislav Haas. In der 55. Minute sorgte schließlich Justin Kelly für die Vorentscheidung.
Quasi im Gegenzug ließ aber auch Patrick Koslow eine Scheibe abprallen und Eric Dylla staubte ab (56.). Nach dem erneuten Pfostentreffer von Kelly und dessen Verletzung traf schließlich Florian Jung ins leere Tor und sorgte somit sechs Sekunden vor dem Ende für die endgültige Entscheidung.
Christian Brittig war anschließend entsprechend zufrieden mit der Leistung: „Wir haben gewusst, dass das eine enge Kiste wird, dass wir nicht den Kopf verlieren dürfen und dass wir die Power für ein gutes letztes Drittel haben. Das hat die Mannschaft sehr gut gemacht, Geduld gezeigt und dann eiskalt zugeschlagen.“ Sein Gegenüber Greg Pruden war dagegen nicht so angetan von seinem Team. „40 gute Minuten reichen gegen einen solchen Gegner einfach nicht“, war sein Fazit.
