Handball-SG wegen Finanzen weiter in Schwebe
Vaihingen/Illingen (bg) – Weil beiderseits ungekündigt, hat sich formal betrachtet der Fortbestand der Handball-SG Vaihingen-Illingen mit dem Jahreswechsel bis Ende der Saison 2008/2009 verlängert. Doch die alles entscheidende Finanzfrage ist weiter ungeklärt. Die Zeit drängt. Bis Ende Januar muss der Etat stehen.
Seit der Saison 2006/2007 besteht die Handball-Ehe von TV Vaihingen und SV Illingen. Es fügte sich scheinbar günstig für beide Seiten. Die einen, Vaihingen, hatten Hallenbelegungsprobleme, die anderen, Illingen, hatten nicht genug Jugendliche und auch im Aktiven-Bereich hakte es in Teilen. Doch der Zusammenhalt im Zweckbündnis bröckelt. Während man beim TVV kaum Kritik an der SG hört, gibt es beim SV Illingen unterschiedliche Einschätzungen.
Im Dezember wurde der Zwist offenbar, als im Mitteilungsblatt Illingen der Satz „Die SG Vaihingen-Illingen steht nach nur zweijährigem Bestehen am Scheideweg“ zu lesen war. Zu einem Info-Abend um die Frage „kann und will die Handball-Abteilung des SV Illingen weiterhin ihren Beitrag am Bestehen der SG leisten?“ wurde eingeladen (wir berichteten).
Das Problem der Finanzierung ist seitdem für den SVI ungelöst. Für die SG war der Finanzbedarf für die Saison 2008/2009 auf 30000 Euro taxiert worden. Die Kostenverteilung erfolgt proportional zur Mitgliederverteilung. Der TVV hatte seinen Anteil schon im Oktober bewilligt. Was fehlt, ist der SVI-Anteil – 8500 Euro. Seit jenem Diskussionsabend im Dezember habe es keine weiteren Finanzgespräche auf seiten des SVI mehr gegeben, erklärt Martin Witte-Gutjahr, für den SVI im SG-Vorstand. Und nun kommt man langsam in Zeitnot.
Die Spielgemeinschaft ist nämlich inzwischen in eine seltsame Schwebelage geraten. Weil keiner der beiden beteiligten Vereine zum 31. Dezember gekündigt hat, hat sich das Bestehen der Handball-Ehe nämlich automatisch um eine weitere Saison bis ins Jahr 2009 hinein verlängert. Dies bestätigt Martin Witte-Gutjahr. Bloß ist in der Spielgemeinschaft letztlich ohne Moos nichts los. Die SG muss, so wollen es die Statuten des Handballverbands, bis zum 31. Januar auch einen stimmigen Etat vorlegen. Gelingt das nicht, wäre die SG für die kommende Spielzeit insolvent und damit am Ende, so Witte-Gutjahr.
Der SVI-Vorsitzende Roland Mannhardt will sich in der Sache nicht äußern, um den verantwortlichen Gremien nicht vorzugreifen. Das sei am Laufen, entschieden sei noch nichts. Erst sei der Ausschuss der Abteilung Handball gefragt und wenn der diesen Etat-Anteil absegne, habe der Hauptausschuss des Vereins das letzte Wort. Für Mannhardt ist klar, dass der Verein nicht überfordert werden darf: „Der SV Illingen muss es auch finanzieren können.“
Ulrich Martin, kommissarischer Abteilungsleiter der SVI-Handballer, betont: „Wir wollen die SG nicht auflösen.“ Die Sache sei klar: „Wir haben dem Etat in der Höhe zugestimmt, die wir finanzieren können. Mehr geht da nicht.“ Die SG müsse eben den Möglichkeiten des SVI entgegenkommen und ihren Etat etwas abspecken. Das Problem ist, dass der neue Etat um 10000 Euro über dem des Vorjahres (20000 Euro) liegt. Eine Steigerung um 50 Prozent, die zu schultern die SVI-Handballabteilung sich nicht im Stande sieht. Nicht an höheren Ausgaben liege es, dass der Etat so in die Höhe gehe, erklären die Macher des Haushaltsplans. Auslöser sei vielmehr ein Plus an Transparenz. Nun mehr seien „Hallengebühren“ und „Aufwendungen für Trainer“ im SG-Etat verbucht. Aber mehr ist eben trotzdem mehr.
Wie das Finanzloch zu stopfen ist, steht in den Sternen. Und was wäre, wenn es nicht klappt? Martin Witte-Gutjahr, ein klarer Befürworter der SG auf SVI-Seite, zeichnet kein schönes Bild. Der TVV werde wieder Hallenprobleme kriegen, aber für den SVI gebe es womöglich existenzielle Probleme. „Die Herren-Mannschaft wollte sich in der Saison 2005/2006 auflösen und die Runde nicht zu Ende spielen“, erinnert er sich an die damals schon dünne Spielerdecke, die nun sicher nicht dicker geworden ist. Man werde ein Frauenteam aufstellen können, schwierig aber werde es im Jugendbereich. Gerade dort wirke sich die SG förderlich aus. Denn sie habe in allen Altersstufen Mannschaften am Start. Die SG wurde ja auch vom Verband für ihre Jugendarbeit geehrt. Der SVI allein könne maximal zwei Jugendmannschaften bestücken, so Witte-Gutjahr, „die anderen fallen durch den Rost“ – und das ist ein Verlust für den Verein. „Wenn ich nur Teilbereiche bieten kann, dann wechseln die Jugendlichen weg und sind verloren.“
Drum setzt Witte-Gutjahr auch auf eine Lösung des Finanzproblems. „Wir werden konstruktiv mitarbeiten. Eine Idee ist ein Förderverein“, sagt er. Und bleibt optimistisch: „Wir haben noch zwei Wochen. Ich denke positiv.“
