Donnerstag, 24. Mai 2012

Steelers mit Sieg und Niederlage


Steelers können in Bremerhaven nicht gewinnen.
Die Steelers waren einmal erfolgreich. Einmal haben sie verloren. Foto: js

Bremerhaven/Bietigheim (js) – Im vierten Spiel im neuen Jahr ist die Siegesserie von Eishockey-Zweitligist SC Bietigheim-Bissingen gerissen. Beim REV Bremerhaven unterlagen die Steelers verdient mit 3:4. Im darauf folgenden Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten EV Landshut unterstrich das Team von Christian Brittig jedoch seine Ambitionen auf das Play-off-Heimrecht. Bietigheim gewann nach großem Kampf mit 1:0.
„Meine Spieler sind nach dem ersten Drittel in die Kabine gekommen und haben gesagt, dass es körperlich geht, aber der Kopf nicht richtig mitspielt“, begründete Christian Brittig nach der Niederlage in Bremerhaven den kuriosen Spielverlauf. Die oft zitierten „schweren Busbeine“ waren es also nicht, die dafür sorgten, dass die Steelers an der Nordseeküste über weite Strecken des ersten und zweiten Drittels keinen Fuß aufs Eis bekamen.
Schon nach 97 Sekunden nutzte Förderlizenzspieler Marian Dejdar die mangelnde Ordnung der Steelers zum 1:0. In der Folge rettete Torhüter Patrick Koslow fast im Alleingang sein Team vor einem höheren Rückstand. Nach 40 Minuten hätte es durchaus 6:0 für Bremerhaven stehen können. Es stand aber nur 2:1. Nach gut 33 Minuten hatte Dan Heilman aus dem Nichts ausgeglichen. Matthias Hart hatte in der neutralen Zone die Scheibe erobert und dann Heilman mustergültig bedient. Nun fand Bietigheim besser ins Spiel, zwei Sekunden vor der Sirene nutzte aber Matthias Forster den dritten Nachschuss bei Bremerhavener Überzahl zum 2:1.
Zu Beginn des Schlussabschnitts war jedoch bei den Gästen nichts mehr vom späten Schock zu merken. Nun hatten sie endlich Psyche und Körper wieder völlig im Griff. Bremerhaven kam nun kaum noch dazu, die zuvor so gefährlichen Angriffe aufzuziehen. Doch just in diese Drangphase der Steelers fielen zwei weitere Treffer für die Gastgeber. Zunächst gab es einen Bullyverlust in der eigenen Zone, den Danny Pyka mit einem mehrfach abgefälschten Schuss von der blauen Linie zum 3:1 nutzte (49.). Und nicht einmal 120 Sekunden später ging Marian Dejdar bei Bremerhavener Unterzahl auf und davon und überwand Patrick Koslow mit einem Heber unter die Latte.
Um nach diesem Schock ins Spiel zurück zu finden, brauchte Bietigheim einige Minuten - wahrscheinlich ein bis zwei Minuten zu viel. Denn in den letzten Minuten brannten die Steelers ein wahres Feuerwerk ab. Zunächst verkürzte Justin Kelly (58.), dann sorgte Alexandre Jacques sogar für den Anschluss (59.). Obwohl Brittig mehrfach den Torhüter für einen sechsten Feldspieler vom Eis nahm, reichte es nicht mehr zum Ausgleich. Ein Unentschieden wäre aber wohl auch dem Spielverlauf über die gesamten 60 Minuten gesehen nicht gerecht geworden.
Die Aufholjagd von Bremerhaven war jedoch in psychischer Hinsicht Garant für eine immens intensive Partie gegen Landshut. Und schon in den ersten Minuten hatten die Bietigheimer bei einem Überzahlspiel zwei erstklassige Chancen, unter anderem einen Pfostentreffer. In der Folge dominierten dann der Kampf und die Abwehrreihen das Spielgeschehen. Erstklassige Torchancen wurden zur Mangelware, wobei die Partie dadurch jedoch nie zum Langweiler abdriftete. Zu sehr umkämpft war das Geschehen.
Zu Beginn des Schlussabschnitts suchten die Steelers die Entscheidung. Landshut wurde eingeschnürt. EVL-Trainer Andreas Brockmann nahm nach fünf Minuten eine Auszeit und schaffte es dadurch tatsächlich, den Bietigheimer Angriffswirbel zu bremsen.
Als jedoch nach 49 Minuten Ales Kratoska auf die Strafbank musste, konnten die Grün-Weißen EVL-Torhüter Martin Cinibulk noch einmal so richtig unter Druck setzen. Und schließlich traf auch Alexandre Jacques nach Traumpass von Teemu Kesa zum entscheidenden 1:0 (51.). In den letzten Minuten wurde es aber noch einmal eng. Landshut warf alles nach vorne, jubelte sogar einmal gut 90 Sekunden vor dem Ende. Der Puck hatte auch tatsächlich die Linie überschritten. Doch Schiedsrichter Christian Neubert (Berlin) hatte unmittelbar vor dem Schuss wegen Torraumabseits abgepfiffen. Landshuts Trainer Brockmann hatte den Pfiff scheinbar nicht gehört, denn er schrie noch Minuten nach Spielende den Unparteiischen teilweise beleidigend an. Dieser verfasste deshalb einen Zusatzbericht, der Brockmann möglicherweise zu einem Tribünenplatz beim einen oder anderen EVL-Spiel verhelfen wird.
Brockmann hatte sich auch bei der anschließende Pressekonferenz noch nicht beruhigt: „Ich sage nichts mehr zu, Sie wissen schon, wen ich meine. Das würde mich jetzt nur noch viel Geld kosten.“ Brockmann ging dann aber doch noch etwas genauer auf die Verfehlungen ein, die er Neubert vorwarf. „Ich wünsche keinem Spieler eine Spieldauerdisziplinarstrafe, doch Chris St. Croix hat einen drei Zentimeter langen Cut am Kinn. Und da dies von einem hohen Stock verursacht wurde, ist dies eine Spieldauerdisziplinarstrafe, egal ob absichtlich oder nicht.“ Der Schiedsrichter habe jedoch gesagt, er gäbe nur zwei Minuten, da sich St. Croix selbst auf die Lippe gebissen habe. Der Übeltäter in diesem Fall war Bietigheims Siegtorschütze Alexandre Jacques.
Christian Brittig beschäftigte sich dagegen mehr mit der Leistung seiner Mannschaft. „Mir war klar, dass gegen Landshut wenig Tore fallen. Ich muss deshalb sagen, dass das Powerplay im letzten Drittel hervorragend gespielt war, vor allem da Landshut auch enormen Druck auf die Angreifer gemacht hat. Hier haben wir uns in den letzten Wochen entwickelt und können nun auch unter Druck, die entscheidenden Tore machen“, lobte der Bietigheimer Trainer. Ein Extra-Lob hatte er allerdings noch für Nachwuchsmann Marcel Neumann parat: „Der Bursche hat ein riesiges Kämpferherz, und er hat in den letzten Wochen wieder Energie und Tempo in die Mannschaft gebracht.“


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