Donnerstag, 24. Mai 2012

Großunternehmen entdecken Amateure als Werbeträger


Sportlers Brust ist eine ideale Werbefläche.
Sportlers Brust ist eine ideale Werbefläche.

Vaihingen (bg) – Wenn sich Sportler mit breiter Brust in Szene setzen, kann das dem Trikotpartner des Vereins nur recht sein. War es früher üblich, dass sich örtliche Firmen im Vereinssport engagierten, brechen nun neue Zeiten an. Große Unternehmen steigen in den Amateurbereich ein.
Der südkoreanische Automobilhersteller Kia Motors sorgte Ende 2006 für Aufsehen. Das Unternehmen schloss mit dem hessischen Fußball-Verband eine Vereinbarung ganz neuer Art. Seit Beginn der Saison 2007/2008 ist Kia offizieller Liga-Sponsor der 125 Kreisligen A bis D mit rund 2000 Vereinen in Hessen. Die bislang übliche Sponsorentätigkeit wurde damit auf den Kopf gestellt. International tätige Unternehmen sponserten bisher national und international auftretende Spitzenteams. Doch nun wird die Basis für die Werbung entdeckt.
Teil der Abmachung in Hessen: Jede Mannschaft erhält von Kia einen kostenlosen Satz Trikots der Marke Adidas in ihren Vereinsfarben mit dem Kia-Schriftzug auf Ärmeln und Brustseite. Probleme mit bereits vorhandenen Sponsoren für die Brustpartie wurden dadurch umgangen, dass die Verpflichtung zur Werbung für Kia nur für die Ärmel besteht. Vereine mit einem anderen Partner mussten einfach die Embleme des Autoherstellers zusätzlich an die Ärmel ihrer regulären Trikots nähen.
Im Vergleich zu den Zahlen im Profibereich (der FC Bayern etwa soll jählich 20 Millionen Euro von der Telekom erhalten) ist der Deal günstig für Kia: „Das Gesamtpaket umfasst ein finanzielles Volumen in bedeutender sechsstelliger Höhe. Davon kommen 90 Prozent den Vereinen zu Gute“, hieß es. In Hessen engagiert sich Kia wegen „regionaler Verbundenheit“. Der Autobauer konzentriert seine Deutschland- und Europa-Aktivitäten in und um Frankfurt.
Kia ist nicht das einzige Großunternehmen, das den Amateursport als „Werbefläche“ entdeckt. Einen anderen Weg mit gleichem Werbeziel beschreitet der Bekleidungsdiscounter Kik. Das Unternehmen aus dem westfälischen Bönen war schon Werbepartner von Werder Bremen. Aktuell sponsert KiK die Bundesligisten VfL Bochum und Hansa Rostock.
Mit einem verlockenden Angebot aber geht Kik seit einiger Zeit auch gezielt auf Amateurvereine zu. Für bloß knapp 100 Euro bietet der Discounter in vielen Größen Sätze mit 14 Trikots, Hosen und Stutzen, Torwarttrikot, Ball sowie Tasche an - „in guter Qualität“, wie die Pressestelle des Unternehmens betont. Und mit großem Kik-Emblem drauf. Werbung trifft sich aufs Beste mit Edelmut: „Unser Ziel ist es, jedem Sportverein die Möglichkeit zu geben, sich günstig von den Stutzen bis zum Trikot in seiner Vereinsfarbe einzukleiden“, erklärt die Kik-Pressestelle, die immerhin 21000 verkaufte Sätze meldet. Die anfangs zeitlich begrenzte Aktion hat das Unternehmen wegen hoher Nachfrage zum Dauerangebot umgewandelt.
Und schließlich engagiert sich auch der Energieversorger EnBW inzwischen im Amateurbereich aller Sportarten und Altersstufen. Bislang fiel auch EnBW in erster Linie als Sponsor von Profiteams auf. Die Bundesligisten VfB Stuttgart und Karlsruher SC laufen in Trikots mit dem EnBW-Logo auf. Seit Dezember schaltet EnBW aber im Internet Werbung mit dem Slogan „Neue Trikots braucht das Land“. Speziell Amateurvereine werden damit angesprochen. Das Engagement des Energieversorgers im Spitzensport „soll als logische Fortführung in die Breite und zur Basis des Sports gebracht werden“, heißt es aus der Firmenzentrale in Karlsruhe. Das Unternehmen bietet für knapp 10 Euro einen Satz mit Trikot, Hose und Stutzen an. Die Aktion ist bis Ende Januar begrenzt. Das Unternehmen meldet, die Aktion laufe sehr gut, man verzeichne große Akzeptanz.
Früher, da war im Amateurbereich alles anders. Als Werbepartner traten meist örtliche Unternehmen auf. Für die klassische Art der Werbung und Förderung im Amateurbereich können das Vaihinger Kaufhaus Sämann und die Ensinger Mineral-Heilquellen gelten.
Seit 25 Jahren schon ist Johann Zima beim Kaufhaus Sämann tätig. Er leitet dort die Sportabteilung. Und noch länger engagiert sich Sämann in der Sportförderung. Man unterstütze viele Vereine, sagt Zima. Das Engagement erstreckt sich auf direktes Trikotsponsoring, aber auch auf das Gewähren von Rabatten für Sportartikel. „Wir wollen etwas für den örtlichen Sport tun“, erklärt er. „Und wir wollen auch Menschen in unser Haus bringen.“ Wer zu günstigen Konditionen Sportbedarf kaufe, gucke sich auch im restlichen Kaufhaus um, ist der Grundgedanke. „Die Vereine bekommen spezielle Konditionen“, erläutert Zima. Rund 30 Prozent Ermäßigung gewähre man für Trikotpartner in den unteren Ligen. Sämann stattet die Großglattbacher und die Wiernsheimer Kicker aus, das Sämann-Logo ziert auch die Trikots der Handballer der SG Vaihingen-Illingen und die der TVV-Faustballer in der Schwabenliga. „Das ist von uns ein Entgegenkommen. Ob die Werbung auf den Trikots etwas bringt, ist die andere Frage“, sinniert Zima. Aber mit der Förderung ist man eben mitten unter den Sportlern.
Ähnlich sieht es Stefan Schurr, der Marketingleiter des Mineralwasserabfüllers Ensinger. Sein Unternehmen ist auch im Spitzensport vertreten, unter anderem als Co-Sponsor des VfB Stuttgart und als Trikot-Werbepartner der KSC-Amateure. „Da wollen wir gesehen werden“, setzt Schurr auf konkreten Werbeeffekt. Doch dieses Egagement im Spitzenbereich ist längst nicht alles. „In den unteren Ligen ist es eine Mischung. Wir wollen einerseits gesehen werden. Aber in erster Linie ist es Sportförderung.“ Auf gewisse Kundenbindung – dass die Vereinsleute anerkennen „Ensinger tut was für uns, da geben wir gerne ein paar Cent mehr aus“ – hofft Schurr mit Blick auf die Billigkonkurrenz durch die Supermärkte auch.
Rund 400 Vereine unterstütze sein Unternehmen auch jenseits der Trikotwerbung in ganz Baden-Württemberg, sagt Schurr. Vor allem im Jugendsport engagiert sich Ensinger. Schurr betont die soziale Verantwortung des Unternehmens und die Verwurzelung in der Region. Unter anderem liefert das Unternehmen vor Ort Trikots für den TSV Ensingen und den FC Gündelbach. Dabei setzt Schurr auf Qualität, „die Trikots sollen ja etwas aushalten können.“ Markenware wie Jako oder Puma ist daher erste Wahl. „Wir bekommen viele Anfragen“, berichtet Schurr. „Wir versuchen zu helfen, können aber nicht alles machen“, umreißt er die Grenzen. Und weil die Vereine halt doch ganz einfach Trikots brauchen, erhalten nun Großunternehmen wie Kik und EnBW Zulauf.


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