Interview mit FVR-Trainer Siggi Blum
Roßwag – Seit sieben Jahren trainiert Siggi Blum die Fußballer des FV Roßwag. Nach Abschluss der laufenden Saison wird Blum den FVR verlassen (die VKZ berichtete). Warum und was der noch amtierende FVR-Trainer dann machen will, hat er VKZ-Redakteurin Eva Wirth erzählt.
Der FV Roßwag ist etwas holprig in die Runde gestartet und ist in der Kreisliga A3 Dritter. Das Ziel ist aber der Aufstieg. Verlassen Sie den Verein, weil er nicht auf Platz 1 überwintert?
Nein, das ist nicht der Grund. Allerdings hatte ich mir diese Vorrunde doch anders vorgestellt. Wir sind weit hinter unseren eigenen Ansprüchen geblieben. Trotzdem werden wir in der Rückrunde versuchen, unser Saisonziel noch zu erreichen.
Was war dann ausschlaggebend für Ihre Entscheidung, den Verein zu verlassen?
Ich hatte mal einen Trainer, den ich sehr schätze. Er meinte, dass nach drei Jahren ein guter Zeitpunkt wäre, den Verein zu wechseln. Und ich bin jetzt schließlich schon viel länger beim FVR.
Stimmt. Es waren sieben Jahre, aber wieso sind aus drei Jahren sieben geworden?
Weil Roßwag eben Roßwag ist. Hier ist der Zusammenhalt von Mannschaft, Vorstand und Umfeld einfach super – man muss es einfach erlebt haben. Für mich ist es auch heute noch etwas Besonderes, diese Mannschaft zu trainieren.
Wieso sollte ein Trainer nach drei Jahren eigentlich gehen?
Das ist schwer zu beschreiben. Es ist eine Art natürlicher Verschleiß. Der Respekt lässt ein wenig nach, es wird schwerer eine Mannschaft zu führen, weil man sich als Spieler immer mehr traut, auf das Alltagsgeschäft, zum Beispiel das Training, Einfluss zu nehmen. Das heißt jetzt aber nicht, dass ich hier einen disziplinlosen Haufen trainiere. Ganz und gar nicht. Ich habe zu den Spielern, der Abteilungsleitung und zum Vorstand ein tolles Verhältnis und ich möchte, dass das so bleibt. Außerdem finde ich, dass der Mannschaft frischer Wind gut tun könnte, denn sie ist jung und in ihr steckt sehr viel Potenzial. Ich will die Mannschaft auf einem guten Level hinterlassen. Die Entscheidung hier aufzuhören, ist mir sehr schwer gefallen.
Wenn Ihre Mannschaft die drei Punkte auf den ersten Platz doch noch gut machen sollte, überdenken Sie Ihre Entscheidung dann noch einmal?
Nein. Der Verein braucht ja auch Planungssicherheit und muss einen neuen Trainer suchen. Es wäre zwar schade, wenn ich den FVR in der Bezirksliga nicht trainieren würde, aber einen krönenderen Abschied als einen Aufstieg gibt es doch nicht.
Apropos Nachfolger: Helfen Sie dem FVR bei der Suche?
Nein, da halte ich mich raus. Neulich wurde ich gefragt, ob ich einen Bewerber kenne. Da habe ich dann auch meine Meinung gesagt, sonst mische ich mich in diese Entscheidung nicht ein. Ich wünsche den Verantwortlichen aber auf jeden Fall ein glückliches Händchen.
Sieben Jahre FV Roßwag – was ist Ihnen noch besonders in Erinnerung?
Es gab eigentlich fast nur schöne Zeiten. Besonders fehlen wird mir die tolle Kameradschaft, die auch bei unseren Ausflügen immer deutlich wurde. Ich habe viele Spieler kennen gelernt, weil sich die Mannschaft stetig gewandelt hat. Es gab nie unangenehme Spieler, die aus der Reihe getanzt sind. Und dann sind da natürlich noch unsere Erfolge: der Aufstieg in die A-Klasse, der Gewinn und die Titelverteidigung des Stadtpokals sowie die Relegation zur Bezirksliga im vergangenen Sommer. Das war der Mega-Hit. Für mich ist das letzte Relegationsspiel ein Königsfinale für Amateurkicker. Es ist einfach toll, so etwas zu erleben. Insgesamt lässt sich sagen, dass wir viel erreicht haben. Wir waren am Anfang eine graue Maus in der B-Klasse. Es hat Spaß gemacht, sich Respekt und einen guten Stellenwert in Vaihingen zu erarbeiten.
Gab es auch weniger schöne Momente?
Das gab es auch. Zum Beispiel das erste halbe Jahr nach unserem Aufstieg. Da hatten wir große Probleme, uns in der neuen Klasse zurecht zu finden. Wir sind, wie vielleicht auch im Moment, zu überheblich aufgetreten. Jeder hatte uns nur gut zugeredet, mit dieser Mannschaft halte man die Klasse locker. Damals wurde ich als Trainer auch hinterfragt. Es hieß: „Der hat falsch ausgewechselt“ oder „Die Taktik ist falsch“. Es war nicht leicht, sich aus dieser Situation wieder rauszustrampeln.
Wie geht es denn nun mit Ihnen weiter? Was machen Sie nach dieser Saison?
Ich habe auf jeden Fall das Ziel, weiterzutrainieren. Jetzt warte ich allerdings erst einmal ab, ob sich ein Verein meldet und Interesse hat.
Und was geben Sie dem FV Roßwag mit auf den Weg?
Natürlich wünsche ich dem Verein alles Gute und ich hoffe, dass die Mannschaft in dieser Konstellation zusammenbleibt – egal in welcher Liga der FV Roßwag in der nächsten Saison spielen wird.
