Bietigheim (js) – Wie ein Phoenix aus der Asche ist Eishockey-Zweitligist SC Bietigheim-Bissingen nach den beiden Spielausfällen ins Spielgeschehen zurückgekehrt. Am Mittwoch gewann das Team von Christian Brittig im Württemberg-Derby beim Tabellenzweiten in Schwenningen mit 4:2. Doch schon heute Abend geht es für das immer noch nicht hundertprozentig fitte Team im Heimspiel gegen Weißwasser (20 Uhr) weiter.
„Die Leute haben 60 Minuten lang hinter meiner Bank geschrieen, dass das ein Skandal sei und dass die Mannschaft niemals krank gewesen sein kann, so wie sie laufe“, erzählt Steelers-Coach Christian Brittig. Einen Tag nach dem Derbysieg wundert aber auch er sich noch über den Spielverlauf: „Dass wir die Ausdauer haben würden, das war mir klar, aber wir waren auch überraschend spritzig.“ Und jene Spritzigkeit münzten die Grün-Weißen endlich einmal nicht nur in zahlreiche Chancen, sondern auch in Tore um. „Die Chancenauswertung war eigentlich der einzige Unterschied zu den Spielen vor der Grippewelle“, so Brittig. Vor allem auf seine Special-Teams konnte sich Brittig verlassen. Gleich drei der vier Treffer erzielten die Bietigheimer in Überzahl, während es umgekehrt bereits im sechsten Spiel in Folge kein Gegentor bei eigener Unterzahl gab. Mittlerweile haben die Steelers deshalb nicht nur die wenigsten Gegentore kassiert, sondern sind auch auf Platz zwei in der Unterzahlstatistik geklettert. Ein Erfolg, den Brittig nicht nur für sich selbst verbuchen möchte: „Die Mannschaft hat in den letzten Wochen unglaublich gut mitgezogen, sogar ein Abkommen getroffen, dass sich jeder an Silvester zurückhält. Jeder legt eine professionelle Lebenseinstellung an den Tag.“
Doch zu den sportlichen Fakten. Nach anfänglichem Abtasten fanden die Steelers zuerst den Vorwärtsgang. Die erste Überzahl nutzte Alexandre Jacques bereits nach 5:28 Minuten zur Führung.
Als jedoch direkt im Anschluss eine Strafe gegen Bietigheim angezeigt war, glich Schwenningen schon 25 Sekunden später durch Markus Schröder aus. Chancen waren in der Folge auf beiden Seiten vorhanden. Wobei die Steelers mit einer etwas defensiveren Variante ihres bisherigen Systems die neutrale Zone sehr gut dicht machten und dadurch den Gastgebern kaum Entfaltungsmöglichkeiten ließen.
Die logische Folge daraus war die erneute Bietigheimer Führung (33.). Dirk Wrobel hatte in Überzahl abgezogen, jedoch nur den Pfosten getroffen. Verteidigerkollege Teemu Kesa stand jedoch goldrichtig, um abzustauben.
Wer erwartet hatte, dass die grippegeschwächten Bietigheimer im Schlussdrittel einbrechen würden, sah sich getäuscht. Wie schon so oft in dieser Saison war es im Gegenteil ihr stärkstes Drittel. Und innerhalb von 89 Sekunden machten sie schließlich alles klar. Zuerst traf Max Seyller (48.), dann war Florian Jung in Überzahl per Bauerntrick erfolgreich (50.). Schwenningen bemühte sich anschließend, den Druck zu erhöhen, doch mehr als der erneute Anschlusstreffer durch John Hooks (56.) sprang nicht mehr heraus. Und dies obwohl Bietigheims Torhüter Marko Suvelo mit einer Leistenzerrung vom Eis musste. Patrick Koslow ließ sich jedoch nicht kalt erwischen und kassierte nur noch dieses eine Gegentor.
Die Verletzung von Suvelo hat jedoch weiter reichende Folgen. Dadurch ist nämlich nicht sicher, wer heute Abend und am Sonntag in Crimmitschau (17 Uhr) als Ersatztorhüter auf dem Spielberichtsbogen auftauchen wird. „Marko fällt mindestens zwei Wochen aus, und unser dritter Mann Kai Lamp liegt ebenfalls verletzt im Krankenhaus“, erklärt Brittig. Eine Lösung sei jedoch bereits in Arbeit. Wie diese aussieht, wollte Brittig jedoch noch nicht verraten. Schließlich wusste er gestern noch nicht einmal, ob es rechtzeitig zu den Wochenendspielen klappt. „Wir müssen aber auf jeden Fall reagieren. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn Patrick sich auch noch verletzen würde“, so Brittig. Egal ob mit starkem Ersatztorhüter oder ohne, der Steelers-Coach erwartet gegen Weißwasser ein schwereres Spiel als in Schwenningen. „Die meisten meiner Spieler waren ja noch gar nicht richtig fit. Da ist in so kurzer Zeit kaum Regeneration möglich.“ Sein Team werde zwar wie immer alles geben, „Wunderdinge darf jedoch keiner von uns erwarten. Das wird wohl ein reiner Kampf“. Ähnliches gelte für die Partie in Crimmitschau. „Da müssen wir uns jetzt eben durchbeißen“, so Christian Brittig.
