Vaihingen – Seit Beginn der Hockey-Hallenrunde haben die Herren des Club an der Enz Vaihingen keinen Trainer mehr. Drei Spieler haben den Job von Ex-Übungsleiter Heinz Köhli übernommen. Jetzt gibt es allerdings einen Nachfolger. Tobias Müller wird die Mannschaft künftig trainieren, dabei coacht er bereits die Frauen des CEV. Im Interview mit VKZ-Redakteurin Eva Wirth erzählt er, wie das funktionieren soll.
Herr Müller, darf man Ihnen zu Ihrem neuen Trainerposten gratulieren?
Das weiß ich noch nicht so genau, denn meiner Meinung nach bin ich nicht die beste Lösung als Trainer. Deshalb werde ich auch nur so lange die Herren trainieren, bis jemand gefunden ist, der das mit 100 Prozent Zeitaufwand betreiben kann.
Können Sie das nicht?
Nein, denn ich trainiere zum einen immer noch die Frauenmannschaft des CEV und zum anderen bin ich bei einem Automobilzulieferer Projektleiter und dort beruflich ziemlich eingespannt.
Welche der beiden Mannschaften hat denn dann Priorität?
Ganz klar die Damenmannschaft, da sie als Oberligist höher spielt als die Männer in der 2. Verbandsliga. Bei den Frauen bleibt also alles wie bisher. Außerdem trainiere ich die Frauen schon seit vier Jahren. In dieser Zeit sind wir dreimal aufgestiegen und spielen jetzt endlich in der Klasse, in die wir gehören. So etwas gibt man nicht einfach auf.
Wie genau stellen Sie sich die Arbeit mit den beiden Teams vor?
Es wird so ablaufen, dass ich wie bisher die Frauen zweimal pro Woche trainiere. Mindestens einmal werde ich auch die Übungsstunde der Herren leiten. Die wird dann entweder vor oder nach dem Damentraining stattfinden, so dass der Fahrt- und Zeitaufwand für mich nicht so groß wird. Ich wohne ja immerhin in Kirchheim/Teck. Trotzdem werde ich versuchen auch beim zweiten Herrentraining dabei zu sein, aber dafür kann ich kein Versprechen abgeben.
Und wie sieht es bei Spielen aus?
Offiziell übernehme ich den Trainerjob erst im Februar. Vorher begleite ich die Herren nur gelegentlich als Betreuer und dann ist die Hallensaison ja rum. Auf dem Feld spielen die Damen nicht so hochklassig und haben deshalb auch nicht die Masse an Spielen, so dass es wahrscheinlich fast keine Überschneidungen geben wird. Wenn die Spieltage allerdings zusammenfallen, werde ich die Damen begleiten. Außerdem werde ich auch beruflich ab und zu ausfallen.
Wenn die Situation so kompliziert ist, weshalb haben Sie den Job überhaupt übernommen?
Ich bin einfach hockeyverrückt. Außerdem haben sich die Jungs sehr um mich bemüht und es war kein anderer Trainer verfügbar. In der Herrenmannschaft des CEV steckt sehr viel Potenzial und die Jungs sind sehr nett. Allerdings gab es ein paar Grundvoraussetzungen, die sie erfüllen mussten.
Und die wären?
Zum Beispiel muss sich die Mannschaft um die organisatorischen Sachen selbst kümmern. Dabei geht es um Fahrer für das Spiel, Trikots, Freundschaftsspiele – Kleinigkeiten, die aber viel Zeit kosten können. Aber da habe ich keine Bedenken, da sie das momentan ebenfalls selbst machen. Eine weitere Bedingung war, dass die Jungs wieder zu einer Mannschaft werden. Sie sind in letzter Zeit nicht immer geschlossen aufgetreten. Es war keine Hierarchie in der Mannschaft. Das musste sich ändern, aber das hat es auch. Es ist zwar noch nicht perfekt, aber das Team ist auf einem guten Weg. Trotzdem werden wir weiterhin daran arbeiten müssen.
Welche Prioritäten werden Sie sportlich setzen?
Da gibt es zwei Sachen, an denen ich arbeiten möchte. Zum einen ist das die Technik, zum anderen möchte ich mehr Taktik üben, um so unsere optimale Spieltaktik zu finden. Als Ziel formuliert bedeutet das, dass wir in der Hallenrunde als Aufsteiger mindestens einen Mittelfeldplatz erzielen wollen, oder mehr. Auf dem Feld lautet das Ziel Aufstieg.
Obwohl die Mannschaft nach den ersten beiden Spieltagen auf dem Feld ohne Punkte auf dem letzten Platz steht?
Der Aufstieg ist noch realistisch. Aus meiner Sicht heißt das jetzt: nur noch gewinnen.
Die Mannschaft ist mit dieser Zielsetzung einverstanden?
Ich denke schon. Demnächst gibt es noch eine Besprechung. Da legen wir die Ziele fest. Wenn die Mannschaft nur eine Spaßtruppe sein möchte, ist das okay, aber wenn sie meine Ziele teilt, dann fordere ich Verbindlichkeit und dass alle dahinter stehen. Es kann nicht sein, dass Spielern ein paar Tage vor dem Spiel einfällt: „Ach, da habe ich was anderes vor.“ Das kann es nicht mehr geben, außer mit einem triftigen Grund.
Sie haben vorher selbst gesagt, dass Sie nur vorübergehend beide Mannschaften trainieren wollen? Wie lange wird das denn Ihrer Meinung nach der Fall sein?
Länger als bis zum Sommer kann ich die Herren nicht trainieren, denn im Herbst, wenn die nächste Hallenrunde beginnt, gibt es für mich wieder nur die Damen, denn in der Halle ist diese Doppelbelastung nicht möglich. Das heißt, dass bis zu diesem Zeitpunkt eine andere Lösung gefunden werden muss.
Und wenn das nicht der Fall ist?
Dann stehen die Herren im schlimmsten Fall ohne Trainer da.
