Bietigheim (ev/p) – Rund 4250 Läufer rannten am letzten Tag im Jahr 2007 durch die Bietigheimer Altstadt. Sebastian Hallman (LAV asics Tübingen) und Milka Jerotich absolvierten die Strecke am schnellsten. Doch beim Bietigheimer Silvesterlauf ging es nicht nur um Sekunden.
„Auf geht’s“, Michael Kloiber, der Mann am Mikrofon, feuert die Zuschauer an, denn die Teilnehmer des Silvesterlaufs brauchen Unterstützung. Dabei sind seine Anfeuerungsrufe gar nicht nötig. Die Menschen an der Strecke sind begeistert. Am Stadttor in der Innenstadt haben sich zum Beispiel ein paar Trommler zusammengetan – bum, bum, bum. Die Zuschauer kreischen und klatschen in die Hände als endlich die ersten Läufer in Sichtweite sind.
Der Lärmpegel schnellt in die Höhe, die Rätschen werden hin und her geschleudert, doch nur wenige Augenblicke und die schnellen Läufer sind schon hinter der nächsten Kurve verschwunden.
Auch wenn’s von Beginn an schnell aussah, an der Spitze wurde das Tempo auf den etwas feuchten Wegen und Straßen anfangs nur zögerlich gemacht, da keiner der Favoriten seine Karten zu früh aufdecken wollte, so dass von den Topfavoriten nur der Titelverteidiger Stefan Koch leicht zurück hing und eine Achter-Gruppe in die zweite, längere Runde ging.
Einige der Favoriten, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen traten am Montag erst gar nicht an. So sagte zum Beispiel die zweifache Bietigheim-Siegerin und Vorjahres-Dritte Luminita Zaituc ab. Auch Stephanie Beckmann (LG Leinfelden/Echterdingen), Benjamin Lindner, Christian Glatting und Michael Pfeiffer waren nicht dabei.
Doch zurück zum Lauf. 30 Minuten sind schon rum. „Nur noch wenige Minuten, dann sind die ersten im Ziel“, ruft Michael Kloiber in sein Mikrofon. Und tatsächlich, nur drei Minuten später berichtet er: „Sie kommen.“ Wer ist an der Spitze? Der Moderator klärt die Zuschauer im Startbereich, die die Läufer noch nicht sehen können, auf und präsentiert noch ein paar weitere Infos. Wer ist von welchem Team, wer hat welchen Titel... Weiß Kloiber das etwa alles? Der Kleinglattbacher ist ehrlich. „Viel weiß ich, weil der Silvesterlauf nicht die einzige Veranstaltung ist, die ich moderiere, aber ich habe auch Kärtchen mit Infos und dank modernster Technik weiß ich, wer bald ins Ziel kommt“, verrät er.
Mittlerweile ist Sebastian Hallmann auf der Zielgeraden. Was war passiert? Anderson Chirchir und auch Stefan Koch konnten nach sieben Kilometern das anziehende Tempo nicht mehr ganz halten und fielen deutlich zurück, so dass eine Sechser-Gruppe auf den letzten Kilometern den Sieg unter sich ausmachte. Bis zuletzt waren die sprintstarken Sebastian Hallmann und Filmon Ghirmai sowie Martin Beckmann ganz vorne dabei.
Auf dem letzten Kilometer hatte dann Sebastian Hallmann, der letztmals für die LAV asics Tübingen am Start war, als 5000-Meter-Spezialist die besten Kraftreserven und die größere Endschnelligkeit, so dass sich der Freisinger noch deutlich mit sechs Sekunden Vorsprung durchsetzen konnte und mit 33:03 Minuten erstmals den Sieg in Bietigheim erringen konnte.
3000-Meter-Hindernisspezialist Filmon Ghirmai (LAV asics Tübingen, mehrfacher deutscher Meister) wurde Zweiter vor Martin Beckmann (LG Leinfelden-Echterdingen), der erst einen Tag zuvor den Stuttgarter Silvesterlauf gewonnen hatte.
Bei den Frauen war die Athletin des Jahres 2007 auf der Langstrecke in Deutschland, Melanie Kraus (Bayer Leverkusen, Siegerin Frankfurt-Marathon 2007 und 20. bei WM 2007 in Osaka) als Top Favoritin am Start, doch sie konnte dem Höllentempo der Kenianerin Milka Jerotich von Anfang nicht folgen und ließ Simret Restle die Verfolgerarbeit machen, um wie im Vorjahr auf der zweiten Runde zur Sache zu kommen. Am Ende siegte Jerotich vor Kraus und Restle.
Wie die Zeiten einzuschätzen sind, weiß der Ensinger Harald Feierabend vom Team Sport Evolution, der selbst wegen einer Verletzung nicht mitlaufen konnte, sein Team allerdings betreut hat. „Wer jetzt im Winter super Zeiten hinlegt, bringt diese im Sommer nicht mehr“, sagt er und ist mit der Leistung seines Teams zufrieden, das in der Mannschaftswertung immerhin Platz 8 belegte.
Wie immer auffällig waren die Silvesterlauf-Teilnehmer, die verkleidet auf die 11,2 Kilometer lange Strecke gegangenen sind. So auch Holger Burk, Reiner Mannsperger und Stephan Rudinger vom Team Run4Fun Erligheim. Burk, schon seit längerem ein begeisterter Läufer, wollte unbedingt, dass Rudinger mitläuft, doch der wehrte ab: „Ich brauche einen Ball, dem ich hinterher laufen kann.“ Das ließ sich Holger Burk nicht zwei Mal sagen und zwängte sich in ein Fußballkostüm. So konnten Stephan Rudinger im VfB-Stuttgart-Outfit und Reiner Mannsperger in Schiedsrichter-Klamotten nicht nur ihrem Freund, sondern auch einem Ball hinterherlaufen. Hoffentlich waren die Tritte nicht zu hart...
