Donnerstag, 24. Mai 2012

Wenn der Schnee den Fußball stoppt




27/02 2010

Wenn der Schnee den Fußball stoppt

Fuba
Die vorerst letzten Reste des Winters türmen sich noch rund um den Iptinger Sportplatz auf. Der Rasenplatz ist aber bespielbar. Foto: Küppers

Vaihingen (sv). „Leise rieselt der Schnee“, lautet der Titel eines bekannten Kinderliedes. Wann immer die Kinder diesen Ohrwurm anstimmen, sind Platzwarte, Trainer und Fußballer landauf, landab gewarnt. Denn so schön die weiße Pracht auch sein mag, sie entscheidet oft über Trainingsrückstand und Spielausfälle.

„Gegen den Schnee kann man eigentlich fast nichts machen“, stellt Andreas Kübler fest. Er muss es wissen, war er doch bis zum vergangenen Jahr Platzwart des VfB Vaihingen und als Verantwortlicher für den Sportplatz am Alten Postweg Experte auf dem Gebiet. „Das einzige, was man tun kann, ist den Platz gut zu lüften“, plaudert Kübler aus dem Effeff. Den Disput, der im Winter oft bei den Fußballvereinen herrscht, kennt der Ex-Platzwart gut. „Natürlich wollten auch die VfB-Spieler lieber auf dem Naturrasen trainieren und spielen als Konditionstraining machen oder im besten Falle auf den Kunstrasenplatz ausweichen.“ Dann forderte Kübler die Kicker meistens auf, sich selbst vom Zustand des Platzes zu überzeugen. Seine Erfahrung: „In der Regel sehen sie die Unbespielbarkeit schon ein, wenn sie den Rasen einmal umgeackert haben.“

Wenn Schnee auf dem Platz liege, müsse man die Stollenschuhe erst gar nicht schnüren, erklärt Kübler. „Unter der Schneeschicht ist das Feld so vereist, dass man nicht einmal mehr geradeaus laufen kann.“ Und wenn der Schnee geschmolzen sei, sei das noch lange keine Entwarnung: „Auf einem Kunstrasen kann man dann vielleicht spielen. Ein Naturrasen ist dann aber so tief und matschig, dass er kaum bespielbar ist.“

Ob ein Platz bespielbar ist oder nicht, muss am Spieltag im Zweifelsfall der Schiedsrichter entscheiden. In den Bestimmungen ist von drei Faktoren die Rede, die beeinflussen, ob eine Partie angepfiffen wird oder nicht. Zunächst muss der Ball auf der gesamten Fläche kontrolliert spielbar sein – eine Wasserschlacht, wie mancher sie vielleicht noch vom WM-Halbfinale 1974 in Erinnerung hat, ist regeltechnisch also gar mehr nicht möglich. Außerdem darf das Verletzungsrisiko für die Spieler aufgrund der Platzverhältnisse nicht erhöht sein. Beim dritten Kriterium wurde an die Vereine gedacht. Der Unparteiische darf ein Match nämlich auch dann nicht stattfinden lassen, wenn das Spielen aufgrund der Witterung eine dauerhafte und irreparable Schädigung des Platzes nach sich ziehen würde.

Dass ein Schiedsrichter ein Spiel aufgrund der schlechten Platzverhältnisse selbst absagt, ist jedoch nicht die Regel. Meistens greifen Vereinsverantwortliche und Staffelleiter spätestens am Morgen vor der Begegnung ein. Manchmal versuchen Trainer und Spielleiter aber auch, die Partien trotz widriger Bedingungen über die Bühne zu bringen. Der Grund dafür ist einfach: Abgesagte Spiele müssen schlechtestenfalls unter der Woche nachgeholt werden – im Amateurfußball ist das nicht selten mit erheblichen Personalproblemen verbunden.

Viel mehr Kopfzerbrechen als die Wiederholung von ausgefallenen Partien bereiten den Trainern in der Regel aber die Einschränkungen in der Rückrundenvorbereitung, für die die weiße Pracht immer wieder sorgt. Die Übungsleiter der Vereine im Umkreis haben ihre ganz eigene Strategie, mit den Verhältnissen umzugehen. „Im Winter haben wir montags die Halle zur Verfügung“, beschreibt Wolfgang Schüle seinen Wintertrainingsplan. „Außerdem trainieren wir dienstags und donnerstags draußen. Das ist dann aber meistens nur Lauftraining.“ Der Trainer beim B-Ligisten TSV Oberriexingen muss auf das bei Fußballern erfahrungsgemäß unbeliebte Ausdauertraining bauen, obwohl seinem Verein zwei Rasenplätze zur Verfügung stehen. „Der neuere Rasen ist ja eigentlich nur unser Trainingsplatz, für den Spielbetrieb wollen wir nach wie vor das ältere Spielfeld nutzen. Daher können wir nicht nur einen Platz belasten“, sagt Schüle.

Hohenhaslachs Trainer Stefan Hellwig hat dank Kunstrasenplatzes zumindest einen kleinen Wettbewerbsvorteil: „Der Schnee hatte gar keine Langzeitauswirkungen. Unser Feld war, nachdem alles geschmolzen war, überhaupt nicht hart und sofort top bespielbar“, schwärmt Hellwig. Eine Garantie für reibungslosen Trainings- und Spielbetrieb war das künstliche Geläuf aber dennoch nicht. „Für drei oder vier Wochen mussten wir doch in die Halle, weil 20 bis 30 Zentimeter Schnee auf dem Platz lagen“, sagt Hellwig. In Hohenhaslach gibt es eine kleine Halle, in der man nur „bolzen“ könne – so der Trainer. Er beklagt sich: „Trotz Kunstrasen hat uns der Schnee daher eine katastrophale Vorbereitung beschert. Wir konnten nichts Geordnetes üben und mussten zwei Vorbereitungsspiele gegen Gündelbach und Neckarwestheim absagen.“ Wie beim Kollegen aus Oberriexingen, standen also auch bei Hellwig Konditionseinheiten auf dem Programm. Allerdings setzte der Hohenhaslacher auch auf Teambuilding-Maßnahmen wie Fußballspielen in der Soccafive-Halle im Bietigheimer Ellental.

Mittlerweile haben sich Schnee und Eis aus unseren Breiten weitestgehend verabschiedet. Dementsprechend waren bei Redaktionsschluss auch für den morgigen Sonntag noch keine Spiele in Bezirks- und A-Liga abgesagt. Der nächste Winter kommt aber bestimmt – und mit ihm das Problem der unbespielbaren Sportplätze.




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