25/02 2010
Gelenkeschmieren für jedes Alter
Enzweihingen (kh). Als die ersten Takte des Songs „Walking by myself“ erklingen, geht es los. Larissa Neufeld marschiert auf der Stelle, die zehn Frauen vor ihr imitieren die Gangart. Ganz locker im Takt steigen die Kreisläufe so langsam auf Betriebszustand. Kurz darauf kommt das grüne Stretchband mit ins Spiel. An beiden Enden festgehalten, wird es hin und her gezogen – immer im Rhythmus und immer auf Neufelds Anweisung hin. „Arme locker und Schultern runter!“, ruft die Übungsleiterin mehrmals durch die Enzweihinger Halle. Einen Schritt nach links, dann einen nach rechts und schließlich überkreuz: Auf die Kondition folgt Koordination. Doch das ist kein Problem für die Frauen. Viele sind schon seit einigen Jahren beim Bauch-Beine-Po-Training aktiv, und das mit sehr viel Freude.
Seit drei Jahren leitet Larissa Neufeld die Sportgruppe des TSV Enzweihingen „und darüber sind wir alle sehr froh“, lächelt eine Teilnehmerin. Denn die dynamische Trainerin hält nicht nur durch Ausdauer- und Koordinationsübungen die Fitness der Teilnehmer des Bauch-Beine-Po-Kurses auf Trab. „Larissa ist unsere Gute-Laune-Fee für Donnerstagabend“, ist sich die Gruppe einig. Auch Neufeld freut sich, diese Schar trainieren zu können: „Es ist vor allem sehr schön, dass wir ein bunter Haufen aller Altersklassen sind.“
Mit einem Lächeln auf den Lippen motiviert Neufeld ihre Sportlerinnen zum ersten großen Kraftakt des Abends. Auf einem Bein stehend wird das andere Bein nach hinten hochgehalten. Dabei ist das grüne Stretchband über dem Kopf weit gedehnt. Aus den Lautsprecherboxen wummert die Musik, und Neufeld erinnert ihre Schützlinge daran, stets zu lächeln. Nach einer halben Ewigkeit kommt der erlösende Ruf: „Und jetzt Entspannen!“ Nach einer kurzen Trinkpause folgt das Dehnen. Immer wieder kommen Anweisungen von vorne: „Bleib locker und achte auf deine Haltung!“
Für Neufeld ist beim Training vor allem die Abwechslung sehr wichtig. „Wir machen jede Woche etwas anderes und haben auch zahlreiche Geräte“, erzählt die Übungsleiterin. Gymnastikball, Flexi-Bar und Step sind nur eine Auswahl der Folterinstrumente, wie sie humorvoll genannt werden. „Damit trainieren wir aber nicht nur den Bauch, die Beine und den Po“, erklärt Neufeld. Auch Rücken und Schultern kommen nicht zu kurz. „Unser Training ist sehr umfangreich und hat daher eigentlich den falschen Namen.“ Dies könnte auch der Grund für die fehlende männliche Beteiligung sein. „Bauch, Beine, Po ist für die Männer sehr abschreckend. Dabei helfen die Übungen vor allem bei medizinischen Beschwerden wie Rücken- oder Gelenkschmerzen“, meint Neufeld.
Nach dem grünen Stretchband ist die rote Gymnastikmatte dran. Die Frauen verteilen sich in der Halle und legen erst ein Handtuch und dann sich selbst darauf. „Entspannt euch erst mal“, ruft Neufeld. „Es gibt nichts Schöneres“, freut sich eine Frau. Doch die Ruhephase dauert nicht lange. Die dynamische Trainerin hat schon wieder große Pläne. „Wir machen jetzt was richtig Lustiges“, sagt sie lachend und legt sich auf den Rücken. Ihre Beine streckt sie hinter den Kopf, drückt das grüne Stretchband an die Füße, hält sich daran fest und wippt nun auf der Wirbelsäule vor und zurück. „Das ist cool, das macht Spaß“, ruft sie durch die Halle. Motiviert machen sich alle an die Schaukel-Übung. Gleichgewichtssinn, Koordination und etwas Kraft werden beansprucht. Mit jedem Mal Wippen lässt Neufeld einen Freudenschrei los. Positives Denken und Fühlen hilft vor allem bei anstrengenden körperlichen Aktivitäten. „Larissa bringt uns bei, immer zu lächeln. Das haben wir schon so verinnerlicht, dass wir es mit in den Alltag nehmen“, freut sich eine Teilnehmerin. Bei der folgenden Übung, Beckenkreisen in Rückenlage, geht Neufeld durch die Reihen und korrigiert die Haltungen. „Ich wiederhole immer und immer wieder, wie es am besten sein sollte. So oft, dass sich alle auch noch zu Hause daran erinnern und auf ihre Haltung achten“, erklärt sie.
Daraufhin macht die Übungsleiterin dem Namen der Sportgruppe doch noch alle Ehre. Auf dem Rücken liegend stellt sie ein Bein auf die Matte und legt das andere quer darüber. Dann hebt und senkt sie das Becken. „Spüre deinen Gesäßmuskel“, ruft sie. Nach einigen Wiederholungen will sie es genau wissen. „Spürt ihr den Po?“ Doch die Reaktionen bleiben aus. Erst nach erneutem Nachfragen erhält sie leises Stöhnen als Antwort. Die Übung scheint zu wirken. Bei den folgenden Liegestützen zeigen sich dann aber Grenzen auf. Laut einer Teilnehmerin läuft dabei die richtige Musik – „Highway to hell“. Das Lächeln auf Neufelds Gesicht bleibt trotzdem konstant. Wer bei der Übung kapituliert, wird von ihr ermahnt: „Auf geht’s, nicht nachlassen! Wir haben Ostern vor uns!“
Doch auch auf diese Anstrengung folgt die verdiente Entspannung. In der Bauchlage werden das Becken und die Schultern gelockert. Zu ruhiger und leiser Musik dehnen sich alle noch ein letztes Mal. Dann fordert Neufeld ihre Frauen auf, sich auf den Rücken zu legen. „Augen schließen, Mund öffnen und ruhig atmen!“ Sie macht die Musik aus und dimmt das Hallenlicht. Wer fröstelt, bekommt einen Pulli übergelegt. Die totale Entspannung hilft beim Stressabbau und füllt die Kraftreserven. Einige Minuten verweilen die Frauen in dieser Position. Zum Abschluss der Stunde macht Neufeld noch ein paar Lockerungsübungen, dann sind alle entlassen.
„Nach dem Training bin ich richtig ausgeglichen“, lächelt eine entspannte Teilnehmerin. Auch wenn es meist etwas Überwindung kostet, ins Training zu gehen, sind sich die Frauen einig, dass es sich jedes Mal lohnt. „Wir fühlen uns dann einen Zentimeter größer als zuvor und gehen glücklich mit einem leeren Kopf nach Hause.“
Training: Donnerstags 20 bis 21 Uhr Neue Sporthalle in Enzweihingen
Kontakt: Larissa Neufeld 0176/21516560
