17/02 2010
"Ich suchte Anerkennung im Sport"
Vaihingen (nac). Er war ein Leichtathletik-Ass. Auf Kreis- und Bezirksebene räumte er Titel über Titel in verschiedenen Disziplinen ab. Im Zehnkampf qualifizierte er sich zweimal für die deutschen Meisterschaften. Doch der große Durchbruch auf nationaler und internationaler Ebene blieb ihm verwehrt. Heute wird Otto Gröger 80 Jahre alt.
Seine beste Zeit hatte Otto Gröger zwischen 1955 und 1958, sagt er selbst. Vor allem in diesen Jahren war der Vaihinger Dauergast auf den Siegertreppchen bei Leichtathletikwettkämpfen im Kreis und im Bezirk. Vor allem die Königsdisziplin der Leichtathletik, der Zehnkampf, hat es ihm angetan. „Ich habe selbst die Herausforderung gesucht. Der Zehnkampf hat mir schon immer imponiert, da es der schwierigste Wettbewerb ist“, sagt Gröger. Doch der Zehnkampf ist auch die Disziplin, die man nur zwei- oder dreimal im Jahr machen kann. Zu lange ist die Regenerationsphase des Körpers, um einen so kräftezehrenden Wettkampf durchzustehen. „Deshalb habe ich mich auch immer für Einzeldisziplinen gemeldet. Vor allem in den beiden Sprungdisziplinen Hochsprung und Stabhochsprung sowie auf den Mittelstrecke über 400 und 1500 Meter war ich richtig gut“, erinnert sich der Vaihinger. Auch in den Kreisbestenlisten war Gröger immer auf den vorderen Plätzen vertreten.
Schwächen hatte der Vaihinger dagegen beim Hürdenlauf und beim Speerwurf. „Die Disziplinen haben mich immer zurückgeworfen“, erzählt Gröger. Dennoch hat er es 1958 und 1960 zu den deutschen Meisterschaften im Zehnkampf geschafft. Auf das Siegerpodest hat es zwar nie gereicht. Zu stark war die Konkurrenz – vor allem Werner von Moltke, der 1962 die Silbermedaille im Zehnkampf bei den Europameisterschaften im jugoslawischen Belgrad gewann. Gröger: „Von Moltke war 1957 durch die Bundeswehr nach Württemberg versetzt worden und hat alles abgeräumt.“ Dennoch hatte auch der Vaihinger seine Erfolgsmomente. „Die letzte Disziplin beim Zehnkampf ist der 1500-Meter-Lauf, in dem ich immer gut war. Und wenn dann mein Name als Sieger dieser Disziplin aufgerufen wurde, bin ich immer ein Stück größer geworden“, erinnert sich der 80-Jährige.
Doch es sind nicht die deutschen Meisterschaften, sondern die Bahneröffnungsspiele in Feuerbach, die ihm noch am besten in Erinnerung sind. Damals hatte auch Heinz Laufer, Deutscher Meister im Hindernislauf und Lokalmatador, über die 400 Meter gemeldet. Ein Trainingslauf zu Beginn der Saison. Und was kaum einer für möglich gehalten hat: Gröger hat den Feuerbacher bereits im Vorlauf aus dem Wettbewerb geworfen. „Die Zuschauer haben mich beinahe gesteinigt“, berichtet der Vaihinger.
Der Sport war für Gröger aber immer mehr als nur Sport. „Ich bin 1947 dem Turnverein Vaihingen beigetreten, weil ich Kontakt gesucht habe“, erzählt der Vater von drei Töchtern. „Ich war total fremd in der Stadt und habe Anerkennung gebraucht. Die habe ich mir durch den Sport geholt.“ Am 22. November 1946 war der damals 16-Jährige als Flüchtling aus Jauernig im Ostsudetenland in Vaihingen eingetroffen. Gröger: „Als Junge war ich ein Scheiß-Flüchtling. Ich bekam keine Arbeit und nichts. Die Leute haben uns angeschaut, als ob wir Verbrecher gewesen wären.“ Doch der Sport half, sich in der neuen Heimat zu integrieren. Bald fand der Sohn des Kutschers Heinrich und von Anna Gröger eine Anstellung als Schreiner. Die Lehre hatte er schon im Sudetenland nach seiner Schulzeit gemacht. Doch 1952 stand er wieder auf der Straße. „14 Jahre habe ich fachfremd als Fernfahrer, Ochsenknacht oder Totengräber gearbeitet. Ich habe alles gemacht“, erinnert er sich. Erst 1966 fand er wieder eine Anstellung als Schreiner. Bis zu seiner Pensionierung 1992 machte er sich vor allem als Gestalter von Intarsien-Arbeiten einen Namen. Von 1962 bis 1968 saß er auch im Stadtrat von Vaihingen.
Mit dem TV Vaihingen ist Gröger noch heute verbunden. „Ich bin noch Mitglied“, sagt der 80-Jährige stolz. „Sie haben mich damals als Sportler unterstützt. Jetzt gebe ich etwas zurück, indem ich immer noch den Beitrag zahle.“ Auch auf dem Sportplatz sieht man den Vaihinger immer wieder. Gröger: „Ich interessiere mich für die Leistungen der Athleten. Ab und zu informiere ich mich beim Training über deren Abschneiden.“
