11/02 2010
Auf Wolken durch den Tiefschnee
Stuttgart (eru). Bauch unten, Helm voran liegt man auf dem Luftkissen und nimmt dank Tieflage jede Kurve wie im Flug. Das ist Airboard. Seit 2001 ist die Luftmatratze für den Schnee auf dem Markt. Noch führt Airboarding ein Nischendasein, aber der Stuttgarter Sascha Zotter sieht einen Markt für das Funsport-Gerät.
Sascha Zotter muss nicht lange nach Worten suchen, um die Faszination des Airboardings zu beschreiben. „Das ist ein Gefühl wie auf Wolken im Tiefschnee“, schwärmt er. Der gebürtige Stuttgarter entdeckte bereits vor sechs Jahren durch Zufall die Luftmatratze für den Schnee und nahm sofort zwei Geräte in das Angebot seiner Event-Agentur in Ditzingen auf. Seitdem kann er nicht mehr von dem schnellen Luftschlitten lassen. „Das Airboarden ist eine gute Ergänzung zum Skifahren und Snowboarden. Vor allem kann man das Ganze sehr schnell lernen, ohne große Vorkenntnisse“, sagt Zotter.
Die Fahrt ist ein Spaß für die ganze Familie. Man kann entweder gemütlich durch den Schnee gleiten oder aber auf speziellen Pisten mit Geschwindigkeiten von über 100 km/h den eisigen Rausch im Winters genießen. Balancegefühl, Mut und Geschicklichkeit sind bei denen gefordert, die sich Kopf voran ins Tal stürzen. Airboarding ist aber auch ein Sport für Wintersportmuffel. Nach zehn bis 15 Minuten habe man das Gerät im Griff, verspricht Zotter. Gesteuert wird das 1,20 Meter lange Sportgerät per Gewichtsverlagerung über ein Kufenprofil an den Seiten. Das Board hat rechts und links einen Griff zum Festhalten. Je nachdem, auf welche Seite der Fahrer sein Gewicht verlagert, steuert er den Schlitten nach rechts oder links. Und zum Bremsen stemmt man nicht die Schuhe in den Schnee, sondern stellt das Board quer. Dann heißt es: Haltung bewahren.
Ein Schweizer hat das neue Gerät entwickelt. Zehn Jahre lang tüftelte Joe Steiner an dem High-Tech-Luftkissen, bevor er das Airboard 2001 auf den Markt brachte. Das Material musste schließlich gleichzeitig kälteresistent, steuerbar und vor allem robust sein. „Man fliegt richtig in die Landschaft hinein“, beschreibt Steiner den Reiz des Airboardings. Überhaupt scheint der Wandel des Schlittens vom Nutzfahrzeug zum Sport- und Spaßgerät in der sonst oft so beschaulichen Schweiz begonnen zu haben. Wahrscheinlich sind die englischen Wintertouristen dafür verantwortlich, die Ende des 19. Jahrhunderts den Reiz des Rodelns entdeckten. 1883 fand in Davos das erste offizielle Schlittenrennen statt.
In der Schweiz können sich auch heute noch die Rider messen. Sascha Zotter hat schon öfter an Speedrace-Rennen teilgenommen. Sie finden auf einer gut gesicherten und steilen Piste statt. Im schnellsten Bereich der Strecke wird die Geschwindigkeit jedes Fahrers gemessen. Die Wertung setzt sich aus der schnellsten Geschwindigkeit und der Gesamtzeit zusammen. Jeder Fahrer hat zwei Chancen, der bessere Lauf wird gewertet. Die Bestzeit des 37-Jährigen liegt bei 103 Stundenkilometern. Dank dem Luftkissen ist das Gerät auch bei Sprüngen optimal gefedert.
Am liebsten misst sich Sascha Zotter allerdings mit seinem kleinen Sohn im Schnee. „Der Sport ist nicht gefährlicher als Skifahren oder Snowboarden, denn die Sturzgefahr ist geringer, und man kann sich nicht so schnell etwas verdrehen“, erklärt der Stuttgarter. Das Board ist ausschließlich aus strapazierfähigen, weichen Materialien gefertigt, was die Verletzungsgefahr bei Stürzen oder Zusammenstößen minimiert. Beim Aufprall wirkt das Airboard sozusagen wie ein Airbag. Trotzdem sollte besser ein Helm getragen werden. In Sachen Sicherheit hat Zotter noch einen Tipp: „Trotz des Preises von rund 280 Euro sollte man das Original kaufen. Die billigeren Produkte sind nicht so reißfest“, betont der Ditzinger.
Der Wintersportfan bietet auch Touren für Gruppen an. Aufgestiegen wird mit Schneeschuhen. Im Rucksack wird der rund drei Kilogramm leichte Schlitten transportiert. Beim Aufstieg wird zwischendurch immer mal wieder an kleineren Hängen geübt. Wie die meisten Funsportarten wird Airboarding zunächst ein Nischenprogramm bleiben – aber Sascha Zotter ist überzeugt, dass sich der Trend langfristig durchsetzen wird. „Fast alle meine Kunden kaufen sich nach einem Kurs ein Gerät.“
Und dann geht es auf Wolken durch den Tiefschnee.
Hintergrund
Die meisten Pisten für Airboarder gibt es in der Schweiz
Airboard-Strecken: In Deutschland: Arnbruck, Bad Tölz, Bodenmais, Garmisch (Zugspitze), Immenstadt, Oberstdorf, Feldberg. Die meisten Pisten gibt es jedoch in der Schweiz.
Ausrüstung: Ein Airboard kostet rund 280 Euro. Die Geräte für Kinder sind billiger. Zudem zählen zur Ausrüstung ein Helm, eine kleine Luftpumpe, Knieschoner und robuste Schuhe. Man kann die Geräte auch mieten – zum Beispiel im NTC Funsportpark in Oberstdorf.
Airboard-Disziplinen: Boardercross: Vier Fahrer starten gleichzeitig. Die zwei schnellsten Fahrer kommen eine Runde weiter, bis der Sieger feststeht. Speedrace (siehe Artikel). Beim Ratrace starten alle Rider gleichzeitig. Die Piste ist breit und übersichtlich. Wer zuerst über die Ziellinie durchfliegt, hat gewonnen. Freeride Trophy: Kombination von Schneeschuh, Postenlauf und Freeriden mit dem Airboard. Außerdem gibt es noch das Teamrace, bei dem zwei Teams mit je drei Fahrern gegeneinander antreten.
Kontakt: Sascha Zotter, Sunny Eventspecials, Telefon 0172/1005687, E-Mail: sascha.zotter@web.de. (eru)
Weitere Informationen unter
www.airboard.com
