Donnerstag, 24. Mai 2012

Eine Erfolgsgeschichte im ersten Jahr




10/02 2010

Eine Erfolgsgeschichte im ersten Jahr

Baba
Die Vaihingerin Anke Lämmle (weißes Trikot, Nummer zwölf) setzt sich gegen eine Markgröningerin durch. Merve Kücük (links) und Tanja Weber (rechts) beobachten ihre Mitspielerin. Foto: Lämmle

Vaihingen (nac). Die Mannschaft ist eigentlich aus der Not heraus geboren worden. Vor allem weil Anke Lämmle nicht mehr in der Jugend starten darf, entschloss sich die BSG Vaihingen/Sachsenheim eine Frauenmannschaft zu melden. Aus der Not ist eine Tugend geworden. Das Team spielt in der Basketball-Bezirksliga 1 um den Aufstieg.

28 Punkte gegen Markgröningen sprechen eine deutliche Sprache. Anke Lämmle hat beim 60:54-Sieg am Wochenende knapp die Hälfte aller Vaihinger Punkte gegen den TV erzielt. Mit durchschnittlich 18,4 Punkten hat die 19-Jährige ihre Mannschaft nicht nur zu fünf Siegen in sieben Spielen geführt. Sie ist auch gleichzeitig noch die beste Punktesammlerin der gesamten Liga. „Anke Lämmle, aber auch Patricia Roller sind zu wichtig für uns – leider“, sagt Christian Flätgen, der gemeinsam mit Wolfgang Hölzle die Mannschaft trainiert. „Anke Lämmle macht gerade den Unterschied aus, ob wir Letzter oder Erster sind.“

Eigentlich dürften die meisten Vaihingerinnen noch in der U19 spielen. Nur Lämmle, Marita Ehmke und Jocelyn Miley sind bereits zu alt. Dabei ist gerade Lämmle in einer paradoxen Situation. Die 19-Jährige gilt noch als Jugendspielerin. Doch da der Basketballverband Baden-Württemberg (BBW) vor der Saison die Jugendeinteilung im weiblichen Bereich an internationale Gepflogenheiten angeglichen hat, gibt es nur noch ungerade Altersklassen. Lämmle darf zwar in diesem Jahr noch mit Zweitlizenz für den Regionalligisten KSG Gerlingen auflaufen, „aber in Baden-Württemberg gibt es für sie keine Jugendmannschaft mehr“ (Flätgen). Tanja Weber und Sina Schrodt dürften sogar noch in der U17 spielen.

Dennoch war die Entscheidung schnell getroffen, eine Frauenmannschaft zu melden. Flätgen: „Die Idee, die Wolfgang und ich hatten, war, dass wir eine Kerngruppe halten wollen, die mehrere Jahre zusammenspielen kann. Auch wenn Sina Schrodt und Tanja Weber zunächst über ihrem Niveau spielen müssen.“ Einen Vorteil habe es zusätzlich. Wenn sich eine Spielerin der BSG anschließen wolle, bräuchte man sich keine Gedanken machen, ob man eine Mannschaft in ihrer Altersklasse stellt. Man könne sie einfach in der Frauenmannschaft integrieren. Und das Konzept ging bisher auf. Zwar hat es für die BSG in der Bezirksliga nicht zu einem Durchmarsch gereicht. Dennoch liegt das Team nach sieben von zehn Spielen auf Meisterkurs.

Ist es generell ein Problem, mit einer so jungen Mannschaft bei den Frauen anzutreten? „Nein, überhaupt nicht“, ist sich Flätgen sicher. Körperliche Reife oder Erfahrung kämen auf diesem Niveau nicht so zum Tragen. „Frauen achten mehr darauf, dass das Mannschaftsspiel und das Kollektiv funktioniert“, erklärt der BSG-Trainer weiter. „Bei Männern kommt es eher auf die Physis und die Selbstdarstellung an. Die glauben viel mehr, dass sie durch individuelle Klasse ein Team weiterbringen können.“

Dass Erfahrung nicht alles ist, merkt man vor allem an Ehmke und Miley. Ehmke hat, als sie Anfang zwanzig war, einige Jahre in der Bundesliga gespielt. Mit der Familienplanung hat sie die Basketballschuhe aber erst einmal an den Nagel gehangen. Doch vor der Saison hat sie ihre Tochter Svenja, die in der U-19-Oberliga bei der BSG Ludwigsburg spielt, überredet, sich wieder das Trikot überzustreifen. Und die gebürtige Amerikanerin Miley hat mehrere Jahre College-Basketball gespielt. „Sie nutzen aber ihre Erfahrung nicht“, kritisiert Flätgen. „Dennoch sind sie ein Glücksgriff für uns.“

Und auch die Jüngeren drängen bereits nach. Annika Fischer und Stefanie Mannheim, beide ebenfalls U-17-Spielerinnen, arbeiten wöchentlich daran, den Sprung in die Frauenmannschaft zu schaffen. Und in der U15 machen die 15-jährige Betül Nalci und die 12 Jahre alte Alina Winkler auf sich aufmerksam. Vor allem von Winkler ist Flätgen begeistert: „Ich habe noch keinen 12-jährigen Jungen gesehen, der sich auf dem Feld so bewegt.“




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