05/02 2010
19 Tage Urlaub für den Schein
Illingen (sv). Mit Büchern zum erfolgreichen Fußballtraining ließen sich ganze Regale füllen. Thomas Fritsch, der seit Rundenbeginn den Fußball-A-Ligisten SV Illingen trainiert, gibt sich mit dem Selbststudium aber nicht mehr zufrieden. Noch in diesem Jahr will er die C-Lizenz in Händen halten.
Vor Kurzem sah man Thomas Fritsch, bislang lediglich als Coach des SV Illingen bekannt, im Clubhaus des SV Horrheim über dem Fragebogen für Schiedsrichteranwärter schwitzen. Den dauerhaften Sprung von der Seitenlinie an die Pfeife will der Illinger Trainer aber nicht wagen. Seine Teilnahme am Kurs für neue Unparteiische hat einen ganz anderen Hintergrund: Der 38-Jährige will die C-Lizenz für Trainer im Leistungsfußball noch in diesem Jahr in seinen Händen halten. Und dafür ist der Schiedsrichterschein genauso obligatorisch wie fünf Spielleitungen.
Dieses ehrgeiziges Ziel hat sich Fritsch bereits im vergangenen Jahr gesetzt. Auslöser war der Rollentausch, auf den er sich in der Sommerpause 2009 einließ. Seinen seit 20 Jahren und 580 Spielen angestammten Platz zwischen den Torpfosten verließ er zugunsten seiner neue Rolle als Cheftrainer der Blau-Weißen.
„Als ich damals gesagt habe, dass ich den Trainerstuhl übernehme, habe ich mich auch entschlossen, am Lizenzlehrgang teilzunehmen“, beschreibt Fritsch seine Motivation. Viele Informationen gebe es zwar in Büchern oder im Internet, das Detailwissen erarbeite man sich aber erst bei Schulungen und Seminaren. „Vielleicht dient meine Lizenz auch als Ansporn für unsere jungen Spieler. Ich bin der Meinung, dass die Mannschaft oft schon am Training erkennt, ob der Coach den Schein hat oder nicht“, sagt Fritsch.
Mit dem angestrebten Trainerschein dürfte der langjährige Torhüter dann sogar Verbandsligamannschaften trainieren. Das, versichert der SVI-Trainer, stünde bei ihm aber gar nicht im Vordergrund – viel mehr ginge es darum, mit dem erworbenen Wissen etwas in Illingen aufzubauen. Da gehören für Fritsch Inhalte wie moderne Trainingslehre einfach dazu. „Von den Lehrgängen verspreche ich mir einiges. So hoffe ich zum Beispiel auf neue Gesichtspunkte zum Thema Training oder auf Tipps für die Saisonplanung“, so das Illinger Urgestein.
Private Einschnitte muss er für das Vorhaben allerdings in Kauf nehmen.Vergangene Woche unterzog sich Fritsch in der Sportschule Ruit einem praktischen und schriftlichen Eignungstest. Jetzt fängt die Arbeit für ihn erst richtig an. Drei einwöchige Lehrgänge müssen besucht werden, und auch die Prüfung nimmt zwei Tage in Anspruch. „Man muss insgesamt 19 Tage Urlaub für alle Veranstaltungen einplanen“, rechnet der Anwärter vor. „Ich habe jetzt erst einmal geplant, das alles innerhalb von einem Jahr durchzuziehen. Wenn es aber nicht anders geht, muss die Prüfung eben bis 2011 warten.“
Dass die zeitaufwändige Trainerausbildung die Trainingsarbeit beim SV Illingen beeinflusst, glaubt Fritsch aber nicht. „Das hängt letztendlich ja von den Kursterminen ab. Aber selbst wenn die einwöchigen Lehrgänge während der Runde stattfinden, verpasse ich ja maximal zwei Trainingseinheiten.“ Außerdem gebe es noch immer die Möglichkeit, von der Sportschule Ruit abends nach Illingen zurückzufahren. Da die Spieler hinter dem Vorhaben ihres Übungsleiters stehen, soll der Babbel-Effekt ohnehin ausbleiben.
Ambitionen, mit dem Trainerschein in der Hand einen Durchmarsch mit dem SVI zu starten, hat Fritsch aber nicht. „Unser anfängliches Ziel, Ruhe in den Verein zu bringen, haben wir erst einmal erreicht. Jetzt geht es darum, sich vorne in der A-Klasse zu etablieren“, gibt sich der 38-Jährige bescheiden. Mit Gewalt, fährt Fritsch fort, wolle man schon gar nicht aufsteigen. „Allerdings kommen von unserer A- und unserer B-Jugend, die beide in der Bezirksstaffel spielen, in den nächsten Jahren sehr gute Spieler in den Aktivenbereich hoch“, gibt sich der Trainer optimistisch. Dennoch: Für ihn sei der gründliche Aufbau wichtiger als ein gesetztes Ziel.
Eine Hürde auf dem Weg zu seinem gesetzten Ziel hat der Illinger schon genommen. Bei seiner Schiedsrichterprüfung bestand er mit 54 von 60 möglichen Punkten. Die Kompetenz, um mit den Unparteiischen auch zukünftig hadern zu dürfen, hat Fritsch also schon einmal unter Beweis gestellt.
