Donnerstag, 24. Mai 2012

Von Illingen in die zweite Liga




Von Illingen in die zweite Liga.
Lisa Gayer spielt für den FV Löchgau in der zweiten Bundesliga.

Illingen (kor) – In ihrem ersten Jahr bei den Aktiven kommt Lisa Gayer aus Illingen für den Fußballverein Löchgau in der zweiten Liga zum Einsatz. Anstatt große Ziele zu formulieren, möchte sie sich mit ihrem Team schrittweise verbessern.

Gleich im ersten Training hat sich Lisa Gayer ein blaues Auge eingehandelt. Damals bekam sie beim Fußball spielen auf dem Illinger Sportplatz einen Ball ins Gesicht. Doch dass es im Sport dann und wann etwas ruppiger zugeht, stört sie nicht. Im Tischtennis und in der Leichtathletik hat sie sich versucht, länger hat sich Lisa Gayer aber in zwei körperbetonten Mannschaftssportarten ausgetobt. Außer im Fußball, wo sie Zweitliga-Aufsteiger FV Löchgau vertritt, hat sie Handball gespielt.

Auf die Frage, wie es ihr ergeht, wenn die Tochter gefoult wird, sagt Lisas Mutter Irmgard Gayer knapp: „Ich ertrage es mit Fassung.“ Beim Zuschauen ist in ihr offenbar die Erkenntnis gereift, dass, wer austeilen kann, auch einstecken muss. „Ich bin diejenige, die foult“, sagt Nachwuchsfußballerin Lisa Gayer ganz keck. „Ich lass’ mich nicht foulen.“ Mit ihren 17 Jahren weiß sie schon gut, dass man die Gegnerin mit Körpereinsatz aus dem Konzept bringen kann.

Gerade ihr Löchgauer Team darf nicht zimperlich sein, gilt es doch, sich als Neuling in der zweiten Liga zu behaupten. Für Lisa Gayer spricht, dass sie in ihrem ersten Jahr bei den Frauen noch keine Gelbe Karte sah und sie noch nicht vom Platz gestellt wurde. Ein wenig hat diese Bilanz auch damit zu tun, dass die Illingerin noch kein unverzichtbarer Bestandteil des Teams ist. „In den ersten Spielen war ich gar nicht dabei, dann habe ich zuerst 20 Minuten gespielt und dann zwei, drei Mal von Beginn an.“

Alle seien sehr motiviert, unterstreicht die Mittelfeldspielerin. Da müsse man schon sehr gut sein, um zum Stamm zu gehören. Beim FV Löchgau trainiert Lisa Gayer mindestens dreimal in der Woche. Für die Auszubildende ist Illingen mittlerweile nur noch der Wohnort, aber Löchgau der Dreh- und Angelpunkt. Mit den anderen jungen Frauen aus dem Team begibt sie sich nach dem freitäglichen Training gerne ins Stuttgarter Nachtleben. Dafür ist dann am Samstagabend Ruhe angesagt: Die Fußballerinnen spielen gewöhnlich am Sonntagmorgen. Geht es nach Lisa Gayer, wird ihre Mannschaft in der Tabelle noch Plätze gutmachen. Den Eindrücken der Hinrunde zufolge seien zwar zwei, drei Konkurrenten außer Reichweite, gegen andere habe man sich unter Wert verkauft. Zu Buche stehen sieben Punkte und der zehnte Rang unter zwölf Teams.

Während die 13 Jahre alte Illingerin Yasmin Lehmann von der Bundesliga träumt (VKZ berichtete) und Sandra Schmidt mit dem SC Freiburg Jahr für Jahr darum kämpft, sich in der ersten Liga zu halten, will Lisa Gayer nicht um jeden Preis immer höheren Zielen hinterherjagen. „Vor ein paar Jahren habe ich schon geträumt, von der Bundesliga und der Nationalmannschaft“, doch inzwischen sei ihr auch klar, wie viel Verzicht damit verbunden ist, alles dem Fußball unterzuordnen. „Ich bin zufrieden in Löchgau, da brauche ich nicht wechseln“, sagt sie.

Gewinnen sei schön, die Kameradschaft aber die Grundlage dafür, dass es Spaß macht. Vielleicht schaffe es in ein paar Jahren ja Löchgau in die erste Liga. „Ich spiele so lange, bis ich nicht mehr kann“, kündigt die junge Frau an. Selbst als ihr Jugendteam einmal einen Einbruch erlebte, habe sie nie daran gedacht, alles hinzuwerfen.




Seitenanfang