Zum Sport gehört das Vermitteln von Werten
Vaihingen (rkü) – Dr. Heike Tapken-Brust hat in mehr als 20-jähriger Tätigkeit als Hockeytrainerin hunderte Kinder und Jugendliche an ihre Lieblingssportart herangeführt. Die promovierte Tierärztin will den Nachwuchs nicht nur sportlich fit machen, als Trainerin ist ihr auch das Vermitteln von Grundwerten des Zusammenlebens wichtig. Gestern Abend wurde sie als „Vorbild 2008“ ausgezeichnet.
Diese Ehrung der Württembergischen Sportjugend wurde gestern noch acht weiteren Personen zuteil, die sich als Jugendtrainer, Jugendleiter oder Vereinsmitarbeiter in ganz besonderem Maß ehrenamtlich engagieren. Eine Besonderheit ist, dass die zum vierten Mal vergebene Auszeichnung nicht auf eine öffentliche Würdigung beschränkt war. Vielmehr bekam jeder Geehrte neben der Trophäe „Victor“ auch einen 1000-Euro-Warengutschein. Damit ist die Auszeichnung als „Vorbild“ mit dem am höchsten dotierten Ehrenamtspreis im Bereich Sport verbunden.
Ein Vorbild zu sein, das läuft bei Heike Tapken-Brust ganz nebenher. Sie leitete viele Jahre lang die Abteilung Hockey beim VfB Vaihingen, war treibende Kraft beim Bau des Kunstrasenplatzes hinter dem Stromberg-Gymnasium und koordiniert jetzt die Trainer beim Club an der Enz. Außerdem ist die 52-Jährige immer noch von ihrer Aufgabe begeistert, das Wissen um den Hockeysport an den Nachwuchs aus den Jugendmannschaften weiterzugeben. Das soll nicht immer so bleiben. Geschah es in den Anfangsjahren aus dem Umstand heraus, dass kaum Erwachsene im Verein waren, so ist es heute ein Markenzeichen der Vaihinger Hockeyspieler geworden, Jugendliche schon früh als Co-Trainer mit einzubinden. „Ab einem Alter von zwölf Jahren holen wir sie mit ins Boot, manche können schon mit 15 Jahren selbstständig ein Training machen.“ Die Entwicklung der jungen Menschen zu beobachten, fasziniert Heike Tapken-Brust. „Es ist schön, zu sehen, wie sie daran wachsen.“
Getreu dem Motto „engagierte Eltern bringen engagierte Kinder hervor“, steht Heike Tapken-Brust in ihrer Familie nicht allein, wenn es darum geht, sich für den Hockeysport einzusetzen. Ihren Mann lernte sie während des Tiermedizin-Studiums beim Hockey kennen. Die Töchter Mareike und Annika sind als Spielerinnen und Trainerinnen erprobt, Sohn Frederik gehört mit zwei weiteren Vaihingern zu den jüngsten Schiedsrichtern in der Hockey-Bundesliga. „Der Club an der Enz ragt heraus in Hockey-Deutschland“, freut sich Tapken-Brust. Das große Engagement der Mitglieder und ihrer Trainer sei ungewöhnlich. „Der offene Umgang bei uns erleichtert manches.“ Auf diese Weise hätten sich zum Beispiel die jungen Schiedsrichter gefunden, die jetzt mit großem Erfolg bis hinauf zur Bundesliga eingesetzt werden. Immer wieder komme es vor, dass junge Leute in Vaihingen an den Hockeysport herangeführt und als Trainer ausgebildet wurden, dann aber für Studium oder Ausbildung weg ziehen. Natürlich sei es schade, wenn sie in Vaihingen nicht weiter wirken, aber: „Wenn unsere Jungen woanders weitermachen, dann ist das gut für Hockey-Deutschland“, sagt Heike Tapken-Brust. „Die Kinder werden hier gut ausgebildet und sie können etwas bewegen. Es macht Spaß, auch weiterhin ihre Entwicklung zu beobachten.“ Allerdings geht der erfahrenen Trainerin auf diese Weise die Arbeit nie aus.
Dennoch will sie auf längere Sicht die Trainerkoordination in jüngere Hände geben. Auch als vor wenigen Jahren die Hockey-Abteilung des VfB in den eigenständigen Club an der Enz umgewandelt wurde, hat sich Tapken-Brust ganz bewusst zurückgenommen. Was wäre damals näher gelegen als der bisherigen Abteilungsleiterin den Vereinsvorsitz anzutragen? „Das war ein guter Zeitpunkt, neue Köpfe ran zu lassen. Ich meine, dass ungefähr alle zehn Jahre die Vorstandschaft wechseln sollte.“ Neue Leute und neue Ideen seien gefragt. Sonst komme man irgendwann dorthin, wo sich so manch alteingesessener Verein wiederfinde: „Die stehen.“ Das soll dem Club an der Enz nicht passieren. „Bei uns bringen junge Leute Energie rein und sind wichtige Stützen. Hier ist Leben drin.“
Dieses Leben in die richtigen Bahnen zu lenken, ist eine der Aufgaben, die Heike Tapken-Brust als lohnenswert ansieht. „Hockey ist eine gute Sportart. Es erfordert körperliche und geistige Geschicklichkeit und es werden keine Fouls trainiert.“ Das Training höre nicht auf dem Feld auf, sondern auch das Drumherum gehöre dazu. Was sie damit meint? „Sauberkeit, bestimmte Worte und Alkohol.“ Zu den kleinen Dingen gehöre schon die freundliche Begrüßung, wenn man in die Halle kommt. Das gelte nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für ihre Eltern. „Väter am Spielfeldrand, die sich verhalten wie auf manchen Fußballplätzen, gibt es bei uns nicht – zumindest nicht lange.“
Ein wichtiges Element sei auch, dass der Verein sich mit großem Engagement beim Bau des Kunstrasenplatzes eingebracht habe. Noch heute habe der Verein Schulden, die getilgt werden müssen. „Wenn unsere Jugendlichen den Abiball bewirten und bei anderen Veranstaltungen mithelfen, dann dient auch das ihrer Persönlichkeitsentwicklung. Sie wissen: Durch ihre Mitarbeit wird etwas geschaffen, werden die Schulden des Vereins abbezahlt.“ Zwei Drittel der rund 285 Vereinsmitglieder sind im Kinder- und Jugendalter. Insbesondere ihnen will Heike Tapken-Brust auch weiterhin ein Vorbild sein.
