Donnerstag, 24. Mai 2012

Turnfeste hinterlassen prägenden Eindruck




Turnfeste hinterlassen prägenden Eindruck
Turngau-Präsident hat die Jugendarbeit im Blick: Ausbildung von Übungsleitern ist ihm wichtig

Vaihingen (rkü) – Der Präsident des Turngaus Neckar-Enz wird heute 70 Jahre alt. Gunter Bretschneider erklärt im VKZ-Interview, warum er sich seit Jahrzehnten für Turnen und Freizeitsport engagiert. Auch heute will er sich noch nicht aufs Altenteil zurückziehen.

Herr Bretschneider, am Samstag ist Gauturntag, drei Tage nach Ihrem 70. Geburtstag. Sie bleiben Präsident?
Oh, da muss ich aufpassen, was ich sage. Wenn es mal aktuell ist, dass ich aufhöre, dann muss ich wirklich loslassen. Ich werde dann noch ein bisschen in unserer Geschäftsstelle arbeiten, aber die Arbeit in der Öffentlichkeit meinem Nachfolger überlassen. Es muss dann einen Schnitt geben, gerade weil ich schon so lange im Amt bin.

Wann das sein wird, verraten Sie nicht?
Auf einen Zeitpunkt will ich mich nicht festlegen. Außerdem haben wir das Problem, wenn beispielsweise eine Vizepräsidentin mein Amt übernimmt, dass wir dann wieder ihr Amt besetzen müssten. Ich halte es mit dem, was Heinz Krauss bei der Vaihinger Sportlerehrung gesagt hat: „Solange ich gesund bin, gibt es keinen Grund aufzuhören.“

Kurz nachdem Sie nach Vaihingen gezogen waren, sind Sie in den Turnverein eingetreten. Was hat Sie dort motiviert?
Die Vereinszugehörigkeit war das, was integriert hat und wo man eingebunden wurde. Natürlich muss man sich einbringen. Ich war damals nicht auf eine Sportart festgelegt und bin in die Turngruppe von Martin Merz gegangen. Erst zwei bis drei Mal in der Woche. Dann hat es bei mir ein bisschen ausgerastet und ich war vier oder fünf Tage in der Turnhalle. Geturnt haben wir damals in der Peterskirche und im Turnraum der Stadthalle.

Woran erinnern Sie sich besonders gerne?
Das Turnen war nach der Familie wie eine zweite Heimat. Nach dem Gauturnfest 1957 bin ich 1958 zum ersten Mal zu einem deutschen Turnfest gefahren. Der Sonderzug nach München war voll Turner, lauter junge Leute. Eine Woche lang haben wir Sport, Turnen und Gemeinsamkeit erlebt. Das formt und bindet. Man rennt nicht weg, sondern bleibt zusammen. Seitdem war ich auf jedem Turnfest.

Man kennt Sie als einen, der jedes Jahr die Werbetrommel für das Gaukinderturnfest rührt. Was ist daran so faszinierend?
Schauen Sie die Kinder an, mit wieviel Freude sie dabei sind. Sport in der Gemeinschaft ist am schönsten und diese Großveranstaltungen mit vielen fröhlichen Menschen sind jedes Jahr ein Höhepunkt.

Sie arbeiten gerne mit jungen Menschen zusammen, seit wann sind Sie Übungsleiter?
Gleich nachdem ich in den TV Vaihingen eingetreten bin, habe ich mitgeholfen. 1960 habe ich die Lizenz als Übungsleiter erworben. In dem Lehrgang ging es darum, wie man mit jungen Menschen umgeht und ihnen etwas vermittelt. Ich muss die Kinder für etwas begeistern können. Am wichtigsten sind die menschliche und kameradschaftliche Seite, die Kinder müssen Vertrauen haben.

Warum haben Sie nach 29 Jahren die Tätigkeit als Übungsleiter aufgegeben?
Nachdem ich zum Vorsitzenden des Turngaus gewählt worden war, hatte ich, wenn Turnstunden anstanden, oft Verpflichtungen wie Besuche bei Vereinen und Ehrungen. Da musste immer wieder die Turnstunde ausfallen. Manche Kinder waren traurig, wenn sie vor der Halle standen und ich keine Zeit für die Turnstunde hatte. Das hat mir sehr weh getan. Darum habe ich damals als Übungsleiter aufgehört. Der Wille war da, aber ich konnte nur ein Amt richtig ausfüllen.

Sie engagieren sich seit mehr als 50 Jahren im Bereich Turnen. Was treibt Sie dazu an?
Ich habe sehr viel investiert, aber ich habe auch vieles zurückbekommen. Ich meine jetzt kein Geld. Für das Materielle ist der Beruf da, hier geht es rein um den Sport und ums Ehrenamt. In meiner Zeit als Übungsleiter habe ich sehr viele Vaihinger beim Sport begleitet. Ihnen konnte ich vieles vermitteln. Das ist ein gutes Gefühl.

Wie sehen Sie die Zukunft des Turnens?
Ohne das Turnen kann unsere Sportwelt nicht sein. Ich meine damit nicht das Kunstturnen in seiner übervollendeten Form. Das schaue ich gerne an, aber das sind Berufssportler, die Artistik zeigen. Das Turnen in den Vereinen ist auch in Zukunft unerlässlich, das gilt für Kinder ebenso wie für Ältere. Sich bewegen, Koordination lernen, Kameradschaft und Gruppendenken, das gehört alles zusammen. Auch bei Ballsportarten ist eine allgemeine turnerische Ausbildung eine gute Grundlage. Besonders wichtig ist, dass wir in Zukunft Wert auf die Ausbildung von qualifizierten Übungsleitern legen.

In welcher Weise sind Sie heute noch sportlich aktiv?
Ich mache jedes Jahr das Sportabzeichen. Und ich klettere in meinem Baumstückle auf den Bäumen rum.


Zur Person:
Gunter Bretschneider wurde am 11. Februar 1939 geboren und wuchs bei Zwickau auf. Im Februar 1956 kam er nach Vaihingen. Der gelernte Werkzeugmacher arbeitete in verschiedenen Betrieben, machte den Meister und war fortan in der Ausbildung tätig. Von 1975 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 arbeitete er als Lehrer an der Carl-Schaefer-Schule in Ludwigsburg. Ehrenamtlich engagierte er sich im Sport, insbesondere in der Jugendarbeit. Im TV Vaihingen wirkte er von 1960 an als Übungsleiter und übernahm im Jahr 1967 sein erstes Amt im Turngau Neckar-Enz. Seit 1989 ist er Vorsitzender des Turngaus. Dieses Amt wurde vor einem Jahr umbenannt, seitdem ist er Präsident.




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