Bietigheim (ev) – Zehn Spieler haben Sönmez Bietigheim in der Winterpause verlassen. Jetzt überlegt der Verein, die zweite Mannschaft abzumelden. Der SV Horrheim hat das am Sonntag schon zu spüren bekommen, denn die Horrheimer standen auf dem Bietigheimer Sportgelände vor verschlossenen Türen.
Es ist Sonntag, kurz nach 13 Uhr. Die Sonne lacht aus vollem Herzen, die Quecksilbersäule des Thermometers steigt stetig nach oben: perfektes Wetter, um wieder einmal gegen den Ball zu treten, dachten sich wohl die Horrheimer Fußballer, oder um den Jungs dabei zuzusehen, dachten sich die zahlreichen Fans des SVH, die ihren Verein zum Auswärtsspiel nach Bietigheim begleitet hatten.
Doch im Ellental angekommen, sahen die Zuschauer weder Männer ins Sportklamotten noch einen rollenden Ball. Dafür marschierte Horrheims Spielleiter Peter Seyb mit etwas säuerlicher Miene über den Parkplatz. Der Grund: von Sönmez zweiter Mannschaft war weit und breit nichts zu sehen. „Der Platzwart meinte, dass der Verein die Mannschaft zurückgezogen hätte“, berichtet Seyb. Ein Anruf bei Staffelleiter Bernd Stäcker brachte aber keine weitere Erkenntnis. Bei ihm war keine Abmeldung eingegangen. Also packten Schiedsrichter, Spieler und Zuschauer ihre Sachen zusammen und reisten ab.
„Ich habe ja Gerüchte gehört, dass die Mannschaft zurückzieht, aber ohne offizielle Anweisung kann ich nicht einfach nicht antreten, sonst verlieren wir am Ende noch das Spiel“, schimpft Peter Seyb immer noch. Ärgerlich für ihn auch die Tatsache, dass sechs Spieler eigentlich übers Wochenende Skifahren wollten. „Ich habe sie überredet, nicht zu fahren und nun fällt das Spiel aus.“
Mittlerweile ist ein wenig Licht in das Dunkel gekommen. Fakt ist, dass Sönmez Bietigheim einem akuten Spielermangel gegenüber steht. Nachdem Spielertrainer Charly Hayta nun bei Mezopotamya Bietigheim seinem Job nachgeht, haben zehn weitere Spieler Sönmez ebenfalls den Rücken gekehrt. Zwei zog es zu Germania Bietigheim, einer hört auf – der Rest begleitete den alten Trainer.
Keine leichte Aufgabe für Osman Yavuz, 2. Vorsitzender von Sönmez Bietigheim und neuer Trainer. „Deshalb haben wir auch vor, unsere zweite Mannschaft abzumelden und alle Spieler in der Kreisliga A3 antreten zu lassen, wo wir gegen den Abstieg kämpfen“, erklärt Yavuz. Die Entscheidung sei allerdings noch nicht 100 Prozent sicher. „Wir wollen aber noch in dieser Woche eine Lösung finden.“ Die Tendenz sieht eher so aus, dass es wohl künftig keine zweite Mannschaft mehr geben wird.
Aber warum wurde das Spiel gegen Horrheim nicht abgesagt? „Ich arbeite gerade auswärts – wie sollte ich mich darum kümmern?“, sagt Sönmez’ Spielleiter Ali Altinel, der dafür zuständig war.
Für den SV Horrheim ist mittlerweile die Frage, wie es weitergeht, wichtiger als Schuldzuweisungen. Momentan ist Sönmez Bietigheim II in der Kreisliga C 5 nämlich Tabellenführer – bisher ohne Punktverlust. Horrheim ist – ohne Niederlage – direkt dahinter. „Falls Sönmez die zweite Mannschaft nicht zurückzieht, ist es wahrscheinlich, dass das Spiel mit 3:0 für Horrheim gewertet wird“, erklärt Staffelleiter Stäcker. Das Sportgericht wird darüber entscheiden.
Wenn Sönmez II aber abgemeldet wird, dann werden alle Spiele mit Beteiligung der Bietigheimer Mannschaft aus der Wertung genommen – egal ob schon gespielt oder nicht. Das würde die Voraussetzungen um den Titelkampf in der C5 beeinflussen. Denn der TSV Aurich (2:3) und der SV Iptingen II (1:5) haben gegen Bietigheim verloren. Werden die Ergebnisse der Sönmez-Zweiten annulliert, sind Aurich, Iptingen II und Horrheim wieder fast gleich auf – der Titelkampf würde spannend bleiben.
